Rheinmetall Aktie: Arminius-Verhandlungen in finaler Phase

Rheinmetall bereitet einen Boxer-Großauftrag vor, während die Aktie trotz hoher Auftragsbestände und US-Chancen weiter unter Druck bleibt.

Die Kernpunkte:
  • Boxer-Vertrag über 12,4 Milliarden Euro
  • Kassel soll 3.500 Beschäftigte erreichen
  • Lynx bewirbt sich um US-Großauftrag
  • Rheinmetall-Aktie verliert seit Jahresbeginn

Rheinmetall steuert auf einen der größten Rüstungsaufträge seiner Geschichte zu. In der zweiten Septemberwoche sollen die finalen Verhandlungen zum Projekt Arminius abgeschlossen werden, dem Großauftrag für Boxer-Radpanzer der Bundeswehr. Der Bundestag soll am 9. Dezember darüber abstimmen, die Vertragsunterzeichnung ist fünf bis zehn Tage danach vorgesehen.

Das Volumen ist beträchtlich: Der Fixvertrag für die Fahrzeuge soll rund 12,4 Milliarden Euro umfassen, hinzu kommt ein Servicevertrag über insgesamt 4 Milliarden Euro, von dem rund 2 Milliarden Euro auf Rheinmetall entfallen. Konzernchef Papperger hatte bereits Ende August erklärt, der Auftrag könne das Werk Kassel bis 2040 auslasten.

Kassel wird zur Boxer-Hochburg

Der Konzern bereitet sich strukturell auf die erwartete Auftragswelle vor. In Kassel sollen rund 270 Millionen Euro in den Ausbau des Panzerwerks, ein Drohnen-Testzentrum und ein Logistikzentrum fließen, das Land Hessen beteiligt sich mit etwa 25 Millionen Euro. Die Belegschaft am Standort soll von derzeit rund 2.200 auf 3.500 Beschäftigte wachsen. Ab 2029 sollen dort jährlich 500 Boxer-Fahrzeuge vom Band laufen.

Parallel zum deutschen Geschäft treibt Rheinmetall die Expansion in den USA voran. Der Schützenpanzer Lynx XM30 konkurriert dort mit einem Fahrzeug von General Dynamics um einen Beschaffungsauftrag der US-Streitkräfte über rund 4.000 Kettenfahrzeuge im Wert von mehr als 45 Milliarden Dollar.

Zusätzlich hat die kanadische Tochter Rheinmetall Canada einen Auftrag der US-Navy zur Lieferung von Ersatzkomponenten für mobile Startgeräte erhalten, wenn auch nur im einstelligen Millionen-Euro-Bereich.

Kurs bleibt unter Druck

Trotz der positiven Auftragsperspektiven kommt die Aktie nicht aus der Defensive. Vorbörslich notiert das Papier bei 1.039,20 Euro, nach einem Schlusskurs von 1.036,00 Euro am Freitag. Auf Monatssicht steht ein Minus von 9,4 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat die Aktie rund ein Drittel an Wert verloren.

Der Kursrückgang lässt sich nicht allein mit der im August gesenkten Jahresprognose erklären, die seither auf der Aktie lastet. Anleger scheinen trotz Rekordauftragsbestand von 80,5 Milliarden Euro und einer operativen Marge von 17,1 Prozent im zweiten Quartal skeptisch, ob sich die milliardenschweren Aufträge kurzfristig in Cashflow übersetzen lassen.

Erst wenn Arminius unterschriftsreif ist und sich die US-Bewerbung um den Lynx-Auftrag konkretisiert, dürfte sich zeigen, ob die Wachstumsstory die Kursschwäche wettmacht.

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