Rheinmetall Aktie: Aufträge gegen Abwärtstrend

Rheinmetall erhält 100-Millionen-Auftrag von der Bundeswehr, doch die Aktie bleibt im Abwärtstrend. Analysten sehen Kursverluste und charttechnischen Gegenwind.

Die Kernpunkte:
  • Neuer Digitalisierungsauftrag der Bundeswehr
  • Aktie notiert deutlich im Minus
  • Kursverluste trotz voller Auftragsbücher
  • Charttechnik zeigt Abwärtstrend an

Ein weiterer Auftrag, ein weiterer Beweis für volle Auftragsbücher. Rheinmetall meldet einen Vertrag über 100 Millionen Euro von der Bundeswehr, es geht um zusätzliche Hardware zur Digitalisierung der Fahrzeugflotte. Die Aktie reagiert kaum. Sie notiert bei 1.014,20 Euro und liegt seit Jahresbeginn 34,67 Prozent im Minus. Genau diese Lücke zwischen Nachrichtenlage und Kursverlauf beschäftigt Anleger gerade.

Die entscheidende Frage

Reicht die Serie an Rüstungsaufträgen, um die Aktie aus der Abwärtsspirale zu holen? Oder hat der Markt die geopolitische Wachstumsstory längst eingepreist und bewertet die Aktie nun nach anderen Maßstäben neu? Der RSI steht bei 43,9 Punkten. Das ist weder überkauft noch überverkauft, sondern neutral. Die Entscheidung verlagert sich damit auf fundamentale Faktoren.

Bullisches Szenario

Die Auftragslage bleibt dicht getaktet. Im Juni sicherte sich Rheinmetall aus Rumänien ein Großpaket über 5,7 Milliarden Euro. Es umfasst Gefechtsfahrzeuge, Flugabwehrsysteme, Munition und Marineschiffe, die Verträge sind bereits unterzeichnet.

Dazu kommt ein Rahmenvertrag mit Thales. Rheinmetall bestellt optronische Sichtsysteme im mittleren vierstelligen Millionenbereich für das Modernisierungsprogramm der Bundeswehr. Auch das Munitionsgeschäft läuft weiter: Ein NATO-Mitgliedstaat hat einen Vertrag über Artilleriemunition für die Ukraine unterzeichnet. Die Lieferungen sollen bis April 2027 abgeschlossen sein.

Diese Kette an Rahmenverträgen dürfte die Umsätze für Jahre absichern. Die Aktie notiert nur 12,38 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro. Für Optimisten ist das ein Argument für eine mögliche Bodenbildung.

Bärisches Szenario

Die Kehrseite sind massive Kursverluste und ein angeschlagenes Sentiment. Binnen zwölf Monaten hat die Aktie 43,09 Prozent verloren. Sie liegt 49,47 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro.

Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt minus 32,54 Prozent. Der Trend zeigt mittelfristig klar nach unten. Auch der 50-Tage-Durchschnitt bei 1.121,44 Euro liegt über dem aktuellen Kurs. Das signalisiert anhaltenden charttechnischen Gegenwind.

Ein einzelnes Ereignis zeigt, wie fragil das Sentiment trotz guter Nachrichten ist. Als der 5,7-Milliarden-Auftrag aus Rumänien bekannt wurde, sackte die Aktie trotzdem zweistellig ab. Grund war ein anderes Problem: Verzögerungen und Kostenexplosionen beim Fregatten-Projekt F126. Der Verteidigungsminister zog nach umfangreichen Prüfungen den Stecker.

Das zeigt eine klare Reihenfolge. Marktteilnehmer reagieren aktuell stärker auf Programmrisiken und Bewertungsniveau als auf einzelne Auftragsmeldungen. Die 30-Tage-Volatilität liegt bei 68,80 Prozent annualisiert. Der Handel verläuft entsprechend nervös, einzelne Nachrichten schlagen in beide Richtungen aus.

Ausblick

Solange Rahmenverträge, Großpakete und Munitionslieferungen weiter eintreffen, bleibt das fundamentale Argument für eine Wachstumsstory intakt. Kurzfristig entscheidet aber die Technik. Bleibt der Kurs unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.121,44 Euro gefangen, spricht mehr für eine Seitwärts- bis Abwärtsbewegung. Einzelne Aufträge könnten dann zwar kurze Ausschläge auslösen, aber keinen Trendwechsel erzwingen.

Gelingt dagegen eine Rückeroberung dieser Marke bei anhaltendem Auftragsfluss, könnte sich der RSI aus der neutralen Zone lösen. Das wäre der Auftakt für eine technische Erholung. Als nächster Prüfstein gilt, ob weitere Großaufträge aus dem laufenden D-LBO-Digitalisierungsprogramm oder dem europäischen SAFE-Programm den Kurs stützen. Oder ob sie erneut von Sonderfaktoren wie Programmrisiken bei Marine- und Werftprojekten überlagert werden.

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