Rheinmetall Aktie: Auftrag über knapp 1 Milliarde Pfund

Rheinmetall sichert sich einen rund eine Milliarde Pfund schweren Auftrag für 72 Radhaubitzen. Analysten zeigen sich mit Blick auf die Aktie gespalten.

Die Kernpunkte:
  • Milliardenschwerer Artillerie-Auftrag aus Großbritannien
  • Aktie im Aufwärtstrend trotz verhaltenem Reaktion
  • Analysten mit deutlich unterschiedlichen Kurszielen
  • Insiderkäufe nach Kursrutsch im Juni

Rheinmetall liefert Waffenanlagen für 72 Radhaubitzen des Typs RCH 155 an die britische Armee. Der Gesamtauftrag inklusive Service wird auf knapp 1 Milliarde britische Pfund beziffert, wie Medienberichten zufolge am Freitag bekannt wurde. Der Auftrag reiht sich in eine Serie von Bestellungen europäischer Streitkräfte ein, die dem Düsseldorfer Rüstungskonzern in den vergangenen Monaten zufielen.

Die Aktie reagierte auf die Nachricht verhalten, blieb aber in einem seit Wochen anhaltenden Aufwärtstrend. Am Dienstag schloss das Papier bei 1.202,20 Euro, ein Plus von 1,18 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 4,10 Prozent, nach einem schwierigen Frühjahr hat sich die Kursbewegung damit stabilisiert. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro, erreicht Anfang Oktober vergangenen Jahres, fehlen dem Titel jedoch weiterhin 40,10 Prozent.

Analysten mit unterschiedlichen Kurszielen

Nach Sichtung vorläufiger Zahlen zum zweiten Quartal äußerten sich zwei Analystenhäuser Ende Juli zur Aktie. Bernstein bestätigte am 29. Juli das Rating „Outperform“ und beließ das Kursziel bei 1.900,00 Euro. Jefferies bestätigte am selben Tag die Einstufung „Buy“, allerdings mit einem deutlich niedrigeren Kursziel von 1.300,00 Euro. Beide Häuser verwiesen darauf, dass das operative Ergebnis über dem Marktkonsens gelegen habe. Die Spanne der beiden Kursziele zeigt, wie unterschiedlich die Bewertungsmodelle der Analysten die künftige Ertragskraft von Rheinmetall einschätzen – ein Bild, das angesichts der Vielzahl neuer Rüstungsaufträge nicht ungewöhnlich ist.

Der aktuelle Kurs notiert damit näher am konservativeren Jefferies-Ziel als am optimistischeren Bernstein-Wert. Anleger, die auf weitere Kurszielanhebungen setzen, dürften die kommenden Halbjahreszahlen genau verfolgen, um zu sehen, welches der beiden Szenarien sich als tragfähiger erweist.

Insiderkäufe nach Kursrutsch im Juni

Der jüngste Auftrag aus Großbritannien fällt in eine Phase, die für Rheinmetall-Aktionäre turbulent war. Ende Juni war die Aktie unter Druck geraten, nachdem das Bundesverteidigungsministerium den Stopp des F126-Fregattenprojekts verkündet hatte. Der Kurs fiel bis auf ein Jahrestief von 902,50 Euro, erreicht am 25. Juni. In dieser Phase griffen Vorstandsvorsitzender Armin Papperger über seine ATP Holding und Aufsichtsratsmitglied Andreas Georgi zu: Beide erwarben Aktienpakete zu Kursen um 953 Euro, wie Medienberichten zufolge bekannt wurde.

Vom damaligen Tief hat sich die Aktie inzwischen deutlich erholt – der Abstand zum 52-Wochen-Tief beträgt mittlerweile gut ein Drittel. Die Kombination aus Insiderkäufen zu niedrigeren Kursen und der seitherigen Serie neuer Aufträge, vom Rumänien-Geschäft bis zum jüngsten Großbritannien-Deal, unterstreicht das Vertrauen der Unternehmensführung in die eigene Auftragslage.

Blick auf die kommenden Zahlen

Für den weiteren Kursverlauf dürfte der bevorstehende Halbjahresbericht entscheidend sein. Angesichts der bereits vorab positiv bewerteten vorläufigen Q2-Zahlen richten sich die Erwartungen der Anleger auf Details zur Marge und zum weiteren Auftragseingang. Die technische Verfassung der Aktie – ein RSI von 68,4 signalisiert eine bereits recht ambitionierte Kaufdynamik – lässt zumindest kurzfristig Spielraum für Gewinnmitnahmen, sollten die Zahlen die hohen Erwartungen nicht vollständig erfüllen.

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