Rheinmetall Aktie: Auftrag verpufft – warum?

Der US-Auftrag umfasst neue Waffenhalterungen und Systemmodernisierungen; die Auslieferung soll 2026 beginnen.

Die Kernpunkte:
  • 3.104 neue MK93-Halterungen vorgesehen
  • Modernisierung von 245 bestehenden Systemen
  • Lieferungen sollen 2026 anlaufen
  • Aktie liegt 53 Prozent unter Jahreshoch

American Rheinmetall hat einen Auftrag der US-Armee im Volumen von 20,7 Millionen US-Dollar erhalten. Umgerechnet entspricht dies rund 18,05 Millionen Euro. Am Markt verpuffte die Nachricht jedoch nahezu wirkungslos: Mit einem Kurs von 951,90 Euro notiert das Papier des Düsseldorfer Rüstungskonzerns weiterhin auf gedrücktem Niveau.

Die Vereinbarung umfasst die Fertigung von 3.104 neuen MK93-Waffenhalterungen sowie die Modernisierung von 245 bestehenden Systemen. Die Produktion erfolgt am Standort im US-Bundesstaat Maine. Die Auslieferungen sollen noch 2026 anlaufen und bis Oktober 2027 andauern. Die Vergabe erfolgte über die Beschaffungsbehörde Defense Logistics Agency und den Partner ADS.

Gemessen an den Gesamtdimensionen des Konzerns fällt das Projekt finanziell kaum ins Gewicht. Bei einem für das Jahr 2026 avisierten Umsatzziel von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro macht der Auftrag lediglich rund 0,13 Prozent des erwarteten Volumens aus.

Belastungen durch Projektstopps und Prognosen

Für die Zurückhaltung der Anleger sorgen vor allem strukturelle Themen und vergangene Rückschläge. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Minus von 39 Prozent und liegt inzwischen 53 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Neben einer gesenkten Umsatzprognose dämpfen Zweifel an der Umsetzungsgeschwindigkeit des hohen Auftragsbestands die Stimmung im gesamten Sektor.

Zusätzliche Unruhe bringt der Abbruch des Fregattenprojekts F126 mit sich. Die niederländische Werft Damen verlangt in einem Schreiben an den Deutschen Bundestag knapp 4,7 Milliarden Euro Schadensersatz vom Bund und wirft diesem Vertragsbruch vor. Gleichzeitig beabsichtigt Pistorius, bereits getätigte Investitionen in Höhe von 2,3 Milliarden Euro von dem Schiffsbauer zurückzufordern.

Trotz der anhaltenden Korrektur weisen Branchenbeobachter auf die historisch günstige Bewertung der Rüstungsaktie hin. Eine nachhaltige Erholung dürfte allerdings davon abhängen, wie zügig und profitabel die bestehenden Großaufträge in den kommenden Quartalen abgearbeitet werden können.

Rohstoffsicherung und Auslandsgeschäft

Parallel dazu rückt die Stabilität der Lieferketten in den Mittelpunkt. In einer Investorenpräsentation verwies Rheinmetall auf Maßnahmen gegen Engpässe bei kritischen Materialien, nachdem chinesische Exportkontrollen internationale Hersteller unter Druck gesetzt hatten.

Der Konzern begegnet den Risiken mit erhöhten Sicherheitsbeständen, alternativen Rohstoffen und einer breiteren Lieferantenbasis, ohne jedoch eigene Bestände an Seltenen Erden zu horten.

Dass das internationale Geschäft ungeachtet der jüngsten Kursschwäche eine tragende Säule bleibt, belegen Auswertungen von Seco-Daten zu Schweizer Rüstungsausfuhren für das Jahr 2025. Von den bewilligten Gesamtexporten in Höhe von 2,77 Milliarden Schweizer Franken entfielen 1,96 Milliarden Franken auf drei Rheinmetall-Tochtergesellschaften sowie ein Joint Venture.

Allein Rheinmetall Air Defence kam dabei auf Genehmigungen von mehr als 1,6 Milliarden Franken. Ob solche Volumina die Aktie mittelfristig stabilisieren können, hängt maßgeblich an der tatsächlichen Auslieferung.

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