Rheinmetall Aktie: Bank of America senkt Kursziel auf 1.300 Euro
Rheinmetall startet milliardenschweren Ausbau des Pulverwerks Aschau und erhält neue Bundeswehr-Aufträge, während Analysten das Kursziel senken.

- Grundsteinlegung für Pulverwerk-Erweiterung
- Bundeswehr ruft 100 Mio. Euro ab
- Kursziel von Bank of America gesenkt
- Halbjahreszahlen für August erwartet
Rheinmetall hat am Donnerstag den Grundstein für den Ausbau des Pulverwerks in Aschau gelegt. Das Unternehmen investiert 500 Millionen Euro in die Anlage, um die Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen zu verringern und die Kapazitäten deutlich zu steigern. Künftig sollen dort mehr als eine Million Treibladungsmodule pro Jahr entstehen. Der Ausbau reiht sich in eine Serie von Kapazitätserweiterungen ein, mit denen der Konzern seine Munitionsproduktion in den vergangenen Monaten sukzessive hochgefahren hat.
Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Plus von 1,29 Prozent auf 1.032,60 Euro und setzte damit die Erholung der vergangenen Wochen fort: Über 30 Tage steht ein Zuwachs von 9,13 Prozent zu Buche. Vom Rekordhoch aus dem Oktober vergangenen Jahres bleibt das Papier dennoch weit entfernt – der Abstand beträgt noch immer 48,55 Prozent. Die massive Bewertungskorrektur der vergangenen Monate wirkt damit nur langsam nach.
Bundeswehr ruft weitere Digitalisierungs-Leistungen ab
Parallel zur Investition in Aschau meldete Rheinmetall am Montag vergangener Woche einen weiteren operativen Fortschritt: Aus dem bestehenden Rahmenvertrag „Digitalisierung Landbasierte Operationen“ (D-LBO) mit der Bundeswehr, der ein Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden Euro umfasst, rief die Bundeswehr Hardware und Serviceleistungen im Wert von 100 Millionen Euro ab. Der Vertrag zeigt, dass die Auftragspipeline aus bestehenden Rahmenabkommen weiterläuft, auch wenn Großprojekte an anderer Stelle ins Stocken geraten.
So beendete Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) am Dienstag vergangener Woche die Verhandlungen über den Kauf der Werft German Naval Yards. Rheinmetall war in diesem Bieterverfahren ebenfalls als Interessent aufgetreten. Für den Konzern verringert sich damit vorerst eine mögliche Option zum Ausbau der maritimen Sparte – ein Feld, in dem Rheinmetall neben Land- und Luftsystemen zunehmend Fuß fassen wollte.
Gesenktes Kursziel bei Bank of America
Am selben Dienstag senkte die Bank of America (BofA) ihr Kursziel für Rheinmetall deutlich von 1.770 auf 1.300 Euro, hielt aber an der „Buy“-Einstufung fest. Die Analysten begründeten den Schritt mit einer möglichen Verschiebung der NATO-Beschaffungsprioritäten hin zu Drohnen und Präzisionswaffen – ein Trend, der klassische Rüstungsgüter wie Kettenfahrzeuge und Munition perspektivisch unter Druck setzen könnte. Die Kurszielsenkung markiert einen Stimmungswechsel gegenüber den optimistischeren Einschätzungen aus dem Frühjahr und dürfte die Diskussion um die künftige Produktstrategie des Konzerns befeuern.
Auf der Insiderseite zeigte sich zuletzt dennoch Zuversicht: Ende Juni erwarb die Georgi Vermögensverwaltungs GmbH, die Aufsichtsratsmitglied Andreas Georgi nahesteht, Rheinmetall-Aktien im Wert von 47.665 Euro zu einem Kurs von 953,30 Euro. Solche Käufe aus dem engeren Umfeld des Managements werden von Anlegern häufig als Vertrauenssignal gewertet, auch wenn sie das Kursbild allein nicht drehen.
Blick auf die Halbjahreszahlen
Am 6. August veröffentlicht Rheinmetall den Bericht zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr 2026. Der Termin dürfte zeigen, wie sich die milliardenschweren Rahmenverträge und Kapazitätserweiterungen der vergangenen Monate operativ niederschlagen – und ob die aktuelle Kurserholung auf soliden fundamentalen Zahlen aufbaut oder zunächst eine reine Bewertungsanpassung bleibt.
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