Rheinmetall Aktie: BofA kappt Munitionsziel auf 10 Milliarden
Bank of America senkt Umsatzprognose für Rheinmetalls Waffensparte deutlich. Analysten sehen Risiken durch veränderte Rüstungsausgaben der Nato.

- BofA kappt Munitions-Umsatzziele massiv
- Veränderte Kriegsführung belastet Artilleriegeschäft
- Kursziel auf 1.300 Euro gesenkt
- Marineprojekt F126 gestoppt
Die Bank of America stellt Rheinmetalls größte Wachstumsstory infrage. Munition und Waffen galten bisher als sicherer Wachstumsmotor des Konzerns. Jetzt zweifelt eine der einflussreichsten Investmentbanken genau daran.
Die Aktie notiert aktuell bei 968,20 Euro, ein Plus von 0,33 Prozent zum Vortag. Damit bleibt der Titel nur 7,28 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast 40 Prozent verloren.
BofA kappt Umsatzziele deutlich
Rheinmetall hatte auf seinem Kapitalmarkttag ambitionierte Ziele für die Sparte Waffen und Munition ausgegeben. Bis 2030 sollen Artilleriegeschosse, Munition mittleren Kalibers und Raketen zwischen 14 und 16 Milliarden Euro Umsatz bringen. Die Marge sollte bei rund 30 Prozent liegen.
BofA-Analyst Benjamin Heelan hält das für kaum erreichbar. Er kappt seine eigene Schätzung auf etwa 10 Milliarden Euro Umsatz und rund 24 Prozent Marge. Das entspräche einem operativen Gewinn von nur noch 2,4 Milliarden Euro, statt der vom Konzern angepeilten 4 bis knapp 5 Milliarden Euro.
Der Grund liegt laut Heelan in einer veränderten Kriegsführung. Die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten verschieben Verteidigungsbudgets weg von klassischer Artillerie. Stattdessen fließt mehr Geld in Drohnen, Präzisionswaffen und Luftverteidigung.
Portfoliofokus gerät in die Kritik
Heelan bemängelt vor allem, dass Waffen und Munition in Rheinmetalls Planung bis 2030 die größte Sparte bleiben sollen. Aus seiner Sicht verändert sich das Bild moderner Kriegsführung fundamental. Drohnen und Präzisionsschläge rücken zulasten klassischer Artillerie in den Fokus.
Die Nato-Staaten dürften ihre Investitionen entsprechend verlagern. Das erhöht nach Einschätzung des Analysten die Risiken für Rheinmetalls mittelfristige Munitionsziele.
Trotzdem hält BofA an der Kaufempfehlung für die Gesamtaktie fest. Das Kursziel sinkt allerdings deutlich von 1.770 auf 1.300 Euro.
Rheinmetall steht mit dieser Skepsis nicht allein da. Der Analyst Rieck von MWB Research äußerte ähnliche Bedenken zu veränderten Nato-Prioritäten. Er strich vor einer Woche sogar seine Kaufempfehlung für die Aktie komplett. JPMorgan-Analyst David H Perry hatte bereits zu Monatsbeginn vor schnellen Umwälzungen in der Verteidigungstechnologie gewarnt.
Marinegeschäft belastet zusätzlich
Neben der Munitionsdebatte drückt ein weiterer Rückschlag auf den Kurs. Ende Juni beendete die Bundeswehr das Fregattenprojekt F126. Der Auftrag galt als Kronjuwel, das die Übernahme des Schiffsbauers Naval Vessels Lürssen gerechtfertigt hatte.
Ohne diesen Auftrag fehlt eine wichtige Stütze für die Marine-Prognosen bis 2030. Das schwächt zusätzlich das Vertrauen in Rheinmetalls Wachstumspfad.
Charttechnik zeigt klaren Abwärtstrend
Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1.135,24 Euro, der 200-Tage-Durchschnitt sogar bei 1.502,90 Euro. Die Aktie notiert damit rund 35,58 Prozent unter ihrem langfristigen Trend. Auf Jahressicht beträgt das Minus fast 47 Prozent.
Das gesenkte BofA-Kursziel von 1.300 Euro würde vom aktuellen Niveau aus dennoch ein Aufwärtspotenzial von gut einem Drittel bedeuten. Das Rekordhoch von 1.995 Euro aus dem September 2025 bleibt allerdings weit entfernt. Ob sich die Munitionssparte tatsächlich so stark verlangsamt, wie BofA befürchtet, dürfte sich erst in den kommenden Quartalsberichten des Konzerns zeigen.
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