Rheinmetall Aktie: BofA senkt auf 1.300 Euro, Kurs steigt

Rheinmetall-Aktie steigt trotz massiver Kurszielsenkung durch die Bank of America. Operative Erfolge und Lieferungen stützen den Kurs.

Die Kernpunkte:
  • Kursziel von 1.770 auf 1.300 Euro gesenkt
  • Aktie legt dennoch um 1,85 Prozent zu
  • Erste Munitionslieferung aus neuem Werk
  • Charttechnik zeigt leichte Erholungstendenz

Die Bank of America kappt das Kursziel für Rheinmetall um mehr als 470 Euro. Die Aktie reagiert mit einem Plus. Dieser Widerspruch prägte den Handel am Freitag und wirft die Frage auf, wem der Markt gerade mehr vertraut: den Analysten oder der operativen Realität des Konzerns.

Kursziel runter, Kurs rauf

Analyst Benjamin Heelan senkte sein Kursziel für Rheinmetall von 1.770 Euro auf 1.300 Euro. Die Einstufung „Buy“ behielt er trotzdem bei. Sein Argument: Die moderne Kriegsführung verschiebt sich zunehmend zu Drohnen und Präzisionswaffen. Das klassische Munitionsgeschäft könnte dadurch bis 2030 an Schwung verlieren.

Normalerweise lösen solche Kürzungen Verkaufsdruck aus. Bei Rheinmetall passierte das Gegenteil. Die Aktie notierte zeitweise über drei Prozent im Plus und schloss letztlich bei 978,00 Euro, ein Tagesgewinn von 1,85 Prozent. Der Markt scheint das neue Kursziel eher als nüchterne Neujustierung zu lesen. Immerhin liegt es noch immer deutlich über dem aktuellen Kurs.

Operative Fortschritte stützen das Bild

Parallel zur Analystenmeldung lieferte Rheinmetall handfeste Fakten. Am Freitag bestätigte der Konzern die erste Lieferung von 155-mm-Artilleriemunition aus dem neuen Werk Niedersachsen in Unterlüß. Die Stückzahl bewegt sich zunächst im niedrigen fünfstelligen Bereich, bestimmt für die Ukraine. Rheinmetall will den zugrunde liegenden Großauftrag noch in diesem Geschäftsjahr komplett abarbeiten.

Die neue Fertigungsstätte macht den Konzern unabhängiger von internationalen Zulieferketten. Das zahlt sich strategisch aus. Hinzu kommt ein bereits am 13. Juli gemeldeter Beitrag zu einem Auftrag über eine Milliarde Euro: Rheinmetall digitalisiert die Gefechtsausbildung der britischen Armee. Das Projekt läuft 15 Jahre und startet im Sommer 2026 operativ – ein Baustein für langfristige Planungssicherheit.

Charttechnik zeigt vorsichtige Stabilisierung

Die Aktie hat sich seit ihrem Jahrestief bei 902,50 Euro vom 25. Juni um 8,37 Prozent erholt. Der RSI liegt bei 37,5 und damit im unteren neutralen Bereich. Das deutet darauf hin, dass der massive Verkaufsdruck der vergangenen Monate nachlässt.

Ganz ausgestanden ist die Schwächephase aber nicht. Seit Jahresbeginn steht bei Rheinmetall ein Minus von 37,03 Prozent zu Buche, auf Sicht von 30 Tagen waren es noch 16,11 Prozent Verlust. Zwei Marken entscheiden nun über die kommende Woche: Die Unterstützung bei 950 Euro muss halten, um einen erneuten Test des Jahrestiefs zu verhindern. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 1.130,57 Euro gilt als Hürde für einen echten Trendwechsel – aktuell liegt der Kurs noch 13,49 Prozent darunter.

Rückendeckung gibt zudem das Verhalten der Führungsebene. Vorstandschef Armin Papperger und Aufsichtsratsmitglied Andreas Georgi kauften Ende Juni auf dem damaligen Kursniveau Aktien im eigenen Namen.

Am 6. August 2026 legt Rheinmetall seinen Bericht zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr vor. Nach der jüngsten Anpassung der Auftragseingangs-Prognose infolge der gestrichenen Fregatte F126 wird der Markt vor allem auf Margen und Cashflow schauen. Der Vorstand hält bislang an seiner Jahresprognose mit deutlichem Umsatzwachstum fest.

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