Rheinmetall Aktie: BofA senkt Kursziel auf 1.300 Euro
Bank of America kürzt das Kursziel für Rheinmetall massiv und zweifelt die ambitionierten Munitionsziele des Rüstungskonzerns an.

- Kursziel von 1.770 auf 1.300 Euro gesenkt
- Zweifel an Munitions-Wachstumszielen bis 2030
- Fregatten-Projektstopp belastet mit Umsatzausfall
- Expansion in Satelliten- und Robotertechnik
Die Bank of America hat ihr Kursziel für den Düsseldorfer Rüstungskonzern von 1.770 auf 1.300 Euro gesenkt und damit den bislang deutlichsten Dämpfer eines Analysehauses in diesem Jahr gesetzt. Die Kaufempfehlung bleibt zwar bestehen, doch die Begründung wiegt schwer: Analyst Benjamin Heelan bezweifelt, dass Rheinmetall seine ambitionierten Wachstumsziele im Munitionsgeschäft erreichen kann. Der Konzern peilt bis 2030 einen Umsatz von 14 bis 16 Milliarden Euro bei 30 Prozent Marge an – BofA rechnet dagegen nur mit 10 Milliarden Euro und 24 Prozent Marge. Auch beim Konzernumsatzziel klafft eine Lücke: Rheinmetall nennt 50 Milliarden Euro für 2030, BofA kommt auf lediglich 35 Milliarden. Als Grund nennt Heelan veränderte NATO-Prioritäten, die zunehmend auf Drohnen und Präzisionswaffen statt auf klassische Artillerie setzen.
Die Aktie schloss am Donnerstag bei 960,20 Euro und liegt damit rund 40 Prozent im Minus seit Jahresbeginn. Zum 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro, das erst Ende Juni markiert wurde, beträgt der Abstand nur noch gut 6 Prozent. Der Kursverlauf der vergangenen Wochen zeigt, wie sehr sich die Stimmung gedreht hat: Noch im September 2025 hatte das Papier bei 1.995 Euro sein Rekordhoch erreicht.
Fregatten-Aus belastet zusätzlich
Zur Kurszielsenkung gesellt sich ein zweites Ärgernis: Verteidigungsminister Boris Pistorius hat das Fregattenprojekt F126 Ende Juni gestoppt, nachdem die Kosten von ursprünglich 10 auf über 18 Milliarden Euro gestiegen waren. Die niederländische Werft Damen droht inzwischen mit einer Milliardenklage. Deren Anwalt Peter Gauweiler bezeichnet den Vertragsabbruch als willkürlich und ohne rechtliche Begründung und verlangt Akteneinsicht. Pistorius weist die Vorwürfe zurück und verweist auf Schlechtleistung der Werft. Als Ersatz sollen acht MEKO-A-200-DEU-Fregatten von TKMS beschafft werden. Für Rheinmetall bedeutet der Stopp einen Umsatzabschlag von bis zu 300 Millionen Euro im laufenden Jahr, der Beitrag zum 2030er-Ziel soll aber unter drei Prozent bleiben. Zusätzliche Bewegung im Marinegeschäft brachte am 16. Juli die Vergabe eines 800-Millionen-Euro-Auftrags von TKMS an Saab für Kampfsysteme und Radare der Nachfolgefregatte F128 – ein Auftrag, an dem Rheinmetall nicht beteiligt ist.
Auftragsbestand von 73 Milliarden Euro trifft auf negativen Cashflow
Trotz der Kursverluste bleibt die operative Basis breit. Der Auftragsbestand summierte sich zum ersten Quartal 2026 auf 73 Milliarden Euro. Zugleich fiel der freie Cashflow im selben Zeitraum negativ aus, weil der Konzern kräftig in den Kapazitätsaufbau investiert – etwa in die Werke Unterlüß, Expal und den Standort in Ungarn. Für das zweite Quartal wird ein Umsatzwachstum von mehr als 60 Prozent erwartet, erste Lieferungen aus dem neuen Werk Unterlüß sind bereits angelaufen. Diese Gemengelage aus hohem Auftragsbestand, kapitalintensivem Ausbau und gedämpften Langfristerwartungen der Analysten erklärt einen Teil der Nervosität an der Börse: Der Relative-Stärke-Index von 34,4 signalisiert eine überverkaufte Aktie, während der Kurs zugleich mehr als 15 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt notiert.
Expansion in Weltraum, Robotik und autonome Fahrzeuge
Parallel zur Kurszielsenkung treibt Rheinmetall die Diversifikation voran. Am 16. Juli unterzeichnete der Konzern ein Memorandum of Understanding mit Space Norway zur maritimen Überwachung der Arktis und des Nordatlantiks mittels C-Band- und X-Band-SAR-Satelliten, wobei Rheinmetall den Satelliten SPOCK-1 einbringt. Konkrete Umsatzzahlen zu diesem Vorhaben nannte der Konzern nicht. Am Standort Neuss soll unterdessen eine Hybrid-Fabrik entstehen, die Satellitenfertigung, Bauteile für Kamikaze-Drohnen und Kabinen für gepanzerte Lastwagen bündelt. Konzernchef Armin Papperger bezifferte das Umsatzziel für diesen Standort auf 2 Milliarden Euro und kündigte an, dort die größte Satellitenfertigung Deutschlands aufzubauen. Zudem übernimmt Rheinmetall die Gesamtverantwortung für das Bundeswehr-Projekt InterRoC VII, das autonome Militärkonvois entwickelt – getestet und geschult werden die selbstfahrenden HX-Fahrzeuge derzeit in Großbritannien.
Am Rande vermeldete das Unternehmen zudem eine Kapitalveränderung: Nach Ausgabe neuer Bezugsaktien am 15. Juli beläuft sich die Gesamtzahl der Stimmrechte nun auf 46.789.567. Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex – ein Konzern mit vollen Auftragsbüchern und ambitionierten Expansionsplänen, dessen Wachstumsversprechen im Kerngeschäft Munition von der Wall Street zunehmend infrage gestellt werden.
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