Rheinmetall Aktie: BofA senkt Ziel auf 1.300 Euro

Trotz milliardenschwerer Aufträge aus UK, Kuwait und der Ukraine bleibt die Aktie unter Druck. Analysten sehen Risiken im Munitionsgeschäft.

Die Kernpunkte:
  • Milliardenauftrag für britische Armeeausbildung
  • Artilleriemunition an Ukraine geliefert
  • Bank of America senkt Kursziel deutlich
  • Aktie trotz Aufträgen im Jahrestief

Zwischen Auftragseingängen aus Großbritannien, Kuwait und der Ukraine auf der einen und einer gesenkten Kurszielprognose von Bank of America auf der anderen Seite zeigt sich, wie unterschiedlich Markt und operatives Geschäft derzeit auseinanderlaufen.

Neue Aufträge in schneller Folge

Rheinmetall meldete am 16. Juli 2026 einen Auftragsanteil von knapp 1,0 Milliarde Euro im „Omnia-Training“-Konsortium, das unter Führung von Raytheon UK die Gefechtsausbildung der britischen Armee digitalisieren soll. Das Projekt läuft nach Unternehmensangaben über 15 Jahre und zählt damit zu den langfristig größten Verträgen der jüngeren Auftragshistorie.

Nur wenige Tage zuvor, am 15. Juli, hatte Rheinmetall eine Absichtserklärung mit Space Norway unterzeichnet. Über das Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall ICEYE Space Solutions soll das Unternehmen künftig X-Band-Radardaten für die satellitengestützte maritime Überwachung der Arktis liefern. Am 14. Juli folgte die erste Auslieferung von 155-mm-Artilleriemunition aus dem neuen Werk Niedersachsen in Unterlüß an die Ukraine – laut Unternehmensangaben eine niedrige fünfstellige Stückzahl, wobei der Gesamtauftrag bis Ende 2026 abgeschlossen werden soll. Ebenfalls am 13. Juli bestätigte die Tochter Rheinmetall MAN Military Vehicles die Gesamtverantwortung für das Forschungsprojekt „InterRoC VII“ im Auftrag des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, das militärische Logistikkonvois automatisieren soll. Parallel testet die Tochtergesellschaft MIRA gemeinsam mit der Rheinbahn am Flughafen Düsseldorf teleoperierte Shuttle-Fahrzeuge für den autonomen Einsatz im öffentlichen Raum.

Bereits am 10. Juli hatte Kuwait einen Großauftrag für MASS-Täuschkörperwerfersysteme zur maritimen Selbstverteidigung erteilt. Medienberichten zufolge planen Rheinmetall und Lockheed Martin zudem eine Kooperation zur Co-Produktion des Raketensystems ATACMS am Standort Unterlüß für den europäischen Markt – ein Vorhaben, das laut n-tv bislang nicht offiziell bestätigt ist.

Bank of America wird vorsichtiger, andere Häuser halten die Kaufempfehlung

Der Auftragsflut steht eine kritischere Einschätzung der Wall Street gegenüber. Bank of America senkte am 18. Juli 2026 das Kursziel für Rheinmetall von 1.770 Euro auf 1.300 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei „Buy“. Als Grund nannten die Analysten eine konservativere Einschätzung des langfristigen Munitionsabsatzes bis 2030. Andere Häuser positionierten sich zuletzt deutlich optimistischer: Jefferies bestätigte am 10. Juli ein Kursziel von 1.300 Euro bei „Buy“, Bernstein Research bekräftigte am 8. Juli sein „Outperform“-Rating mit einem Kursziel von 1.900 Euro, und UBS beließ die Aktie am 7. Juli auf „Buy“ mit einem Kursziel von 1.600 Euro. Die Spanne der Kursziele – von 1.300 bis 1.900 Euro – verdeutlicht, wie unterschiedlich die Häuser die künftige Nachfrageentwicklung im Munitionsgeschäft derzeit bewerten.

Belastend wirkte zudem eine Ad-hoc-Mitteilung vom 2. Juli 2026, in der Rheinmetall die finanziellen Auswirkungen der Stornierung des F126-Fregattenprogramms einordnete. Der Konzern bezifferte das potenzielle Umsatzrisiko für das Geschäftsjahr 2026 auf bis zu 300 Millionen Euro.

Kursverlauf bleibt volatil

Am Freitag schloss die Aktie bei 978,00 Euro und legte damit um 1,85 Prozent zu. Auf Jahressicht steht dennoch ein Rückgang von 37,03 Prozent zu Buche – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Vielzahl neuer Aufträge die Bewertung bislang nicht stabilisieren konnte. Auch auf Monatssicht bewegte sich der Kurs mit einem Minus von 16,11 Prozent klar abwärts. Die hohe Schwankungsbreite der vergangenen Wochen spiegelt die Unsicherheit wider, mit der Anleger zwischen operativen Erfolgsmeldungen und den vorsichtigeren mittelfristigen Absatzprognosen einzelner Analysehäuser abwägen.

Blick auf den Quartalsbericht

Für den 6. August 2026 hat Rheinmetall die Veröffentlichung des Berichts zum zweiten Quartal angekündigt. Dann dürfte sich zeigen, wie sich die jüngste Serie an Aufträgen – von der britischen Ausbildungsdigitalisierung über die Ukraine-Lieferungen bis zum Kuwait-Geschäft – in den tatsächlichen Zahlen niederschlägt und ob sie die zurückhaltenderen Einschätzungen einzelner Analysten relativieren kann.

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