Rheinmetall Aktie: Bundestag stimmt am 9. Dezember ab
Rheinmetall und Hensoldt vernetzen bei Timber Express 2026 erfolgreich Passivradar mit Skymaster. Die Aktie bleibt trotzdem unter Druck.

- Erfolgreiche Radar-Integration bei Manching
- Vernetzte Luftverteidigung als Wachstumsfeld
- Aktie verliert trotz operativer Fortschritte
- Bundestagsvotum zu Boxer-Panzern im Dezember
Rheinmetall hat bei der Luftwaffen-Übung Timber Express 2026 in Manching einen technischen Meilenstein erreicht. Gemeinsam mit Hensoldt integrierte der Konzern das Passivradar Twinvis erfolgreich in das eigene Skymaster-System zur Luftraumüberwachung.
Die Skynex-Batterie, ein System zur Flugabwehr, ließ sich dabei unter realistischen NATO-Bedingungen steuern, Sensordaten wurden über den militärischen Datenlink Link 16 fusioniert. Für Rheinmetall ist das ein weiterer Baustein im wachsenden Geschäft mit vernetzter Luftverteidigung.
Ein Netzwerk statt Einzelsysteme
Die Übung zeigt, wohin sich das Geschäftsfeld entwickelt: weg vom isolierten Waffensystem, hin zur vernetzten Architektur, in der Radar, Sensorik und Effektoren verschiedener Hersteller zusammenspielen.
Für Rheinmetall ist die Zusammenarbeit mit Hensoldt strategisch bedeutsam, weil sie die eigene Skymaster-Plattform als Integrationsplattform für Partnersysteme positioniert – ein Argument gegenüber Kunden, die auf offene, erweiterbare Luftverteidigungssysteme setzen.
Diese Nachricht reiht sich in eine Serie von Aufträgen und Kooperationen, die Rheinmetall zuletzt vermeldet hat. Im Juli hatte der Konzern gemeinsam mit Lockheed Martin eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Produktion von ATACMS-Raketen am Standort Unterlüss unterzeichnet.
Die Produktionsanlagen sollen 2027 aufgebaut werden, erste Umsatzerlöse aus dem Joint Venture erwartet Konzernchef Armin Papperger für 2028. Auch bei der Bundeswehr-Digitalisierung ist Rheinmetall aktiv: Ein Auftrag über 100 Millionen Euro von Juli steht im Kontext von Rahmenverträgen mit einem Gesamtvolumen von rund 1,2 Milliarden Euro.
Kurs bleibt unter Druck
An der Börse hat sich das operative Momentum zuletzt nicht in Kursstärke übersetzt. Am Freitag schloss die Aktie bei 1.156,40 Euro, ein Minus von 0,3 Prozent auf Tagessicht.
Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 4,9 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt das Papier 26 Prozent im Minus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro, erreicht am 3. Oktober, trennen die Aktie inzwischen 42 Prozent.
Belastet wird die Stimmung von der vor gut drei Wochen präsentierten Jahresprognose, die der Konzern trotz Rekordmarge und Rekord-Auftragsbestand senken musste – seither hat sich der Kurs nur um 0,6 Prozent erholt. Hinzu kommt politischer Gegenwind: Das Bundesverteidigungsministerium hatte Anfang Juli das Fregattenprogramm F126 gestoppt, was Rheinmetall zufolge im laufenden Jahr bis zu 300 Millionen Euro Umsatz kosten könnte. Der geplante Personalaufbau in der Werftensparte, der rund 1.000 Arbeitsplätze bedeutet hätte, wurde daraufhin gestoppt.
Insider kaufen, Analysten uneins
Trotz des Kursrückgangs von gut einem Fünftel binnen 90 Tagen griffen Rheinmetall-Insider zuletzt kräftig zu: Fünf Führungskräfte tätigten 15 Käufe im Gesamtwert von rund 17,4 Millionen Euro. Am Markt bleibt das Bild gespalten.
Goldman-Sachs-Analyst Sam Burgess bestätigte am 6. August ein Kursziel von 2.300 Euro mit Kaufempfehlung. Zwei Tage später stufte mwb research die Aktie von „Hold“ auf „Sell“ herab und senkte das Kursziel auf 1.050 Euro – begründet unter anderem mit einer halbierten Investitionsquote und einem gesenkten Backlog-Ziel.
Richtungsweisend dürfte der 9. Dezember werden: An diesem Tag stimmt der Bundestag über das Arminius-Projekt zur Beschaffung von Boxer-Radpanzern ab. Ein positives Votum könnte das durch die F126-Absage entstandene Umsatzloch nach Einschätzung von Marktbeobachtern mehr als ausgleichen.
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