Rheinmetall Aktie: Bundeswehr schaltet Satelliten-Zugriff frei

Die Produktion von Radarsatelliten in Neuss läuft; der Erststart ist für Anfang 2027 vorgesehen, während Analysten ihre Quartalsschätzungen senken.

Die Kernpunkte:
  • Bundeswehr erhält exklusiven Satellitenzugriff
  • Fertigungskapazität: rund 50 Satelliten jährlich
  • Erststart für Anfang 2027 vorgesehen
  • mwb research senkt Quartalsschätzungen

Der Rüstungskonzern Rheinmetall erweitert sein militärisches Portfolio um weltraumgestützte Aufklärung. Am Standort Neuss ist die Serienfertigung von Radarsatelliten angelaufen. Hauptkunde ist die Bundeswehr, die sich über einen Rahmenvertrag exklusiven Zugriff auf die Systeme gesichert hat. Die Neuausrichtung markiert für die Düsseldorfer den Einstieg in eine neue Dimension der Gefechtsfeldüberwachung.

Exklusive Radaraufklärung für die Truppe

Das Vorhaben wird über die Rheinmetall ICEYE Space Solutions GmbH umgesetzt, an der Rheinmetall 60 Prozent der Anteile hält. Die Bundeswehr schaltete sich am heutigen Mittwoch den direkten Zugriff auf mehrere reservierte Radarsatelliten frei.

Diese Aufklärungstechnik mit synthetischer Apertur (SAR) liefert unabhängig von Tageszeit oder Wetterlage hochauflösende Lagebilder. Mithilfe künstlicher Intelligenz sollen Truppenbewegungen am Boden auch unter Tarnnetzen identifiziert werden.

Die Fertigung in Neuss ist auf rund 50 Satelliten pro Jahr ausgelegt. Jedes Exemplar misst 3,3 Meter in der Länge, 0,8 Meter in der Breite und wiegt rund 220 Kilogramm. Der Erststart eines Neusser Satelliten ist für Anfang 2027 an Bord einer SpaceX-Rakete vorgesehen.

Der Auftrag SPOCK 1 umfasst zunächst ein Volumen von 1,76 Milliarden Euro und kann über Optionen bis Ende 2030 auf bis zu 2,7 Milliarden Euro steigen. Gedacht ist die Technik unter anderem zur Absicherung der NATO-Ostflanke und der Bundeswehr-Brigade in Litauen.

Analysten blicken auf Anlaufkurve und Quartalszahlen

Analystin Chloe Lemarie vom Analysehaus Jefferies beließ die Einstufung für die Aktie auf „Buy“. Der Start der Satellitenproduktion in Neuss sei zwar etwas später als geplant erfolgt, die Umstellung der Kapazitäten gehe aber zügig voran. Ursprünglich war der Produktionsanlauf bereits für das zweite Quartal avisiert worden.

Zurückhaltender äußerte sich das Analysehaus mwb research, das die Aktie mit „Hold“ und einem Kursziel von 1.050 Euro einstuft. Wegen begrenzter Visibilität nach den Vorabgesprächen zum dritten Quartal senkten die Analysten ihre Schätzungen: Die Umsatzerwartung für das abgelaufene Jahresviertel wurde von 3,9 auf 3,4 Milliarden Euro gekürzt, die operative Gewinnerwartung (EBIT) von 740 auf 650 Millionen Euro.

Am Aktienmarkt spiegelte sich der neue Raumfahrtauftrag am Mittwoch kaum wider. Das Papier verlor 1,8 Prozent auf 935,50 Euro und bewegte sich damit in der Nähe seines 52-Wochen-Tiefs von 902,50 Euro.

Bedeutende Weichenstellungen zum Jahresende

Für die künftige operative Entwicklung bleiben die klassischen Waffensysteme bestimmend. Rheinmetall hat sich grundsätzlich mit Alstom über die Übernahme des Kasseler Lokomotivwerks verständigt. Rund 750 Beschäftigte sollen zu Rheinmetall Landsysteme wechseln, um die Fertigungskapazitäten für gepanzerte Fahrzeuge auszubauen.

Zudem richtet sich der Blick auf den Haushaltsausschuss des Bundestags, der Anfang Dezember über das Boxer-Programm „Arminius“ beraten soll. Der Festauftrag für rund 1.800 Fahrzeuge hat ein Gesamtvolumen von rund 25 Milliarden Euro und wird hälftig mit KNDS geteilt. Auf Rheinmetall entfallen dabei voraussichtlich rund 12,4 Milliarden Euro. Die offiziellen Zahlen zum dritten Quartal legt das Unternehmen am 5. November vor.

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