Rheinmetall Aktie: China verhängt Exportbeschränkungen
Peking verhängt Exportbeschränkungen gegen Rheinmetall als Vergeltung für EU-Sanktionen. Die Aktie erholt sich leicht, bleibt aber im Jahresverlauf tief im Minus.

- Exportbeschränkungen für seltene Erden
- Rheinmetall-Aktie mit leichter Erholung
- Jahresminus von über 33 Prozent
- Munitionsausbau in Europa läuft weiter
Der Handelskonflikt zwischen der EU und China erreicht die deutsche Rüstungsindustrie. Peking hat am Wochenende Exportbeschränkungen für Dual-Use-Güter gegen 14 europäische Unternehmen verhängt, darunter Rheinmetall. Die Maßnahme ist eine Vergeltung für EU-Sanktionen gegen 14 chinesische Firmen und betrifft neben Rheinmetall auch den tschechischen Lkw-Hersteller Tatra und den niederländischen Schiffbauer IHC Merwede. Betroffen sind laut den Meldungen vor allem seltene Erden, Elektronik und Optik – Bereiche, in denen europäische Rüstungskonzerne teils auf chinesische Zulieferungen angewiesen sind. Für einzelne Geschäfte sollen Sondergenehmigungen möglich bleiben.
Peking bezeichnet die zugrunde liegenden EU-Sanktionen gegen chinesische Unternehmen als eklatant unfair. Der Nachrichtensender ntv ordnete den Schritt am Samstagabend in den größeren geopolitischen Kontext ein: Wenige Stunden zuvor hatte der ukrainische Präsident Selenskyj erklärt, Russland wolle rund 30.000 nordkoreanische Soldaten einsetzen. Die europäische Sanktionsspirale gegen Moskau und dessen Partner trifft damit über den Umweg Peking nun auch direkt europäische Rüstungslieferanten.
Aktie erholt sich, bleibt aber tief im Minus
Anleger reagierten am Freitag zunächst gelassen: Die Rheinmetall-Aktie schloss bei 1.032,60 Euro und legte um 1,29 Prozent zu. Auf Wochensicht steht ein Plus von 5,34 Prozent, über 30 Tage sogar von 9,13 Prozent zu Buche. Die Erholung folgt auf einen deutlichen Rückschlag: Ende Juni war das Papier bis auf 902,00 Euro abgesackt, nachdem ein Kunde die F126-Fregatten storniert hatte. Seither kämpft die Aktie um eine Bodenbildung um die runde 1.000-Euro-Marke.
Der Blick auf das große Bild relativiert die jüngste Erholung allerdings deutlich. Seit Jahresbeginn steht bei Rheinmetall ein Minus von 33,49 Prozent zu Buche, und zum 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro vom 3. Oktober 2025 fehlen der Aktie noch 48,55 Prozent. Der Kurssturz der vergangenen Monate hat die Bewertung des Rüstungskonzerns spürbar verändert – von der Euphorie rund um die europäische Zeitenwende ist an der Börse derzeit wenig zu spüren, auch wenn operativ weiter kräftig investiert wird.
Munitionsausbau läuft trotz Gegenwind weiter
Während die China-Restriktionen neue Unsicherheit schaffen, treibt Rheinmetall seine Kapazitätserweiterung bei Munition und Pulver unvermindert voran. Am Standort Aschau am Inn investiert der Konzern 350 Millionen Euro in eine neue Pulverfabrik, die ab 2027 rund 4.200 Tonnen Pulver, mehr als fünf Millionen Formteile und über eine Million Treibladungsmodule pro Jahr produzieren soll – die volle Kapazität wird für 2028 angepeilt. Unter dem Namen „Project Firepower“ beschleunigt das Unternehmen zudem branchenweit die Modernisierung und Erweiterung bestehender Pulveranlagen sowie den Aufbau neuer Standorte, um den Engpass bei der europäischen Munitionsauffüllung zu adressieren.
Auch international expandiert Rheinmetall weiter. In Bulgarien haben Expertengespräche zur Ausweitung der Rüstungskooperation begonnen, das Investitionsvolumen ist von ursprünglich 400 Millionen auf fast 700 Millionen Euro gestiegen. Geplant ist am Standort VMZ-Sopot eine Fabrik für Schießpulver und 155-Millimeter-Artilleriegeschosse nach NATO-Standard mit rund 1.000 neuen Arbeitsplätzen. In Rumänien sorgt das Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall Victoria SA hingegen für politischen Streit: Ein früherer Minister wirft der Regierung vor, das über 500 Millionen Euro schwere Pulverfabrik-Projekt zu verzögern und damit 47 Millionen Euro an EU-Fördermitteln zu riskieren. Die zuständige Ministerin kontert, der Vertrag sei neu verhandelt und der Bau bereits gestartet.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Operativ baut Rheinmetall seine Munitions- und Pulverkapazitäten in mehreren europäischen Ländern parallel aus, während geopolitische Risiken – nun auch aus Fernost – die Visibilität auf Lieferketten und Margen zusätzlich erschweren.
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