Rheinmetall Aktie: Doppelter Gegenwind

Friedensabkommen mit Iran und drohende Budgetkürzungen beim Panzerprojekt MGCS setzen den Rüstungswerten zu. Rheinmetall-Chef äußert sich skeptisch.

Die Kernpunkte:
  • Kursverlust durch Iran-Abkommen
  • MGCS-Projekt vor Budgetkürzungen
  • Leopard 3 als mögliche Alternative
  • Fehlende positive Kursimpulse

Gleich zwei Belastungsfaktoren drücken heute auf die Rheinmetall-Aktie. Der Kurs verliert im DAX gegen den breiten Markttrend — und das in einem Jahr, in dem die Aktie ohnehin schon rund ein Viertel ihres Werts eingebüßt hat.

Iran-Deal trifft die ganze Branche

Das Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran, das US-Präsident Donald Trump am Sonntagabend bestätigte, hat an den Börsen eine klare Sektorrotation ausgelöst. Kapital fließt aus Rüstungswerten heraus in Tourismus- und Luftfahrtaktien. Der Mechanismus ist simpel: Weniger geopolitische Spannung bedeutet weniger Risikoprämie für Rüstungsunternehmen. Rheinmetall, RENK und HENSOLDT gehören zu den wenigen Verlierern in einem ansonsten freundlichen deutschen Aktienmarkt.

Das MGCS-Problem sitzt tiefer

Auf die Stimmungslage kommt ein konkretes Projektrisiko obendrauf. Ein Zeitungsbericht hat enthüllt, dass Frankreich plant, das Budget für das gemeinsame Panzerprojekt MGCS — das „Main Ground Combat System“ — drastisch zu kürzen. Rheinmetall-Chef Armin Papperger äußerte sich dazu bemerkenswert offen: „Ich kann heute nicht sagen, ob es überhaupt ein MGCS geben wird.“ Und weiter: „Wenn man weniger Geld zur Verfügung hat, wird man nicht schneller, und wir sind jetzt schon sehr langsam.“

Das MGCS-Projekt soll bis 2040 die Kampfpanzer Leopard 2 und Leclerc durch ein gemeinsames Bodenkampfsystem ersetzen. Neben Rheinmetall sind der französische Thales-Konzern sowie KNDS beteiligt. Das Projekt steht damit nach dem gescheiterten Kampfjet-Programm FCAS — dessen Ende Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vergangene Woche gemeinsam verkündet hatten — als zweites Großprojekt der deutsch-französischen Rüstungskooperation unter Druck.

Papperger dämpfte zwar mit dem Satz „Eine Gefahr ist immer da, aber es ist noch nichts entschieden“ übermäßige Panik. Als reines Beruhigungsmanöver taugt das allerdings kaum: Kein finales Budget, keine Planungssicherheit.

Zwischenlösung als Auffangnetz

Als Alternative zum MGCS treiben Rheinmetall und KNDS Deutschland bereits die Entwicklung eines neuen Kampfpanzers voran, den die Militärfachpresse inoffiziell „Leopard 3“ nennt. Die ersten Exemplare sollen Anfang der 2030er Jahre in Dienst gestellt werden — deutlich früher als die für die 2040er Jahre anvisierte MGCS-Einsatzbereitschaft. Sollte das MGCS-Projekt tatsächlich scheitern, hätte Rheinmetall mit dem „Leopard 3“ zumindest eine nationale Fallback-Option in der Pipeline.

Für den Aktienkurs ändert das kurzfristig wenig. Solange das Iran-Abkommen hält und das MGCS-Schicksal offen bleibt, fehlt dem Kurs ein klarer positiver Katalysator. Die formelle Unterzeichnung des Iran-Abkommens ist für diesen Freitag vorgesehen — ein erster Test, ob der geopolitische Entspannungskurs Bestand hat.

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