Rheinmetall Aktie: Elf Monate Verzug bei Waffenträger-Projekt
Mehr als 80 Milliarden Euro Aufträge treffen auf Projektverzüge, einen angekündigten negativen Cashflow und einen Jahresverlust der Aktie von 36 Prozent.

- Auftragsbestand über 80 Milliarden Euro
- Skyranger-Auslieferung voraussichtlich 2027
- Waffenträger-Projekt mindestens elf Monate verspätet
- Aktie seit Jahresbeginn 36 Prozent niedriger
Rekordhohe Orderbücher auf der einen Seite, operative Reibungsverluste auf der anderen: Der Rüstungskonzern Rheinmetall steht vor der Herausforderung, die massiv gestiegene Nachfrage verlässlich in die Praxis zu überführen. Zwar wächst das Auftragspolster kontinuierlich an, doch Berichte über Verzögerungen bei zentralen Rüstungsprojekten belasten die Stimmung am Markt spürbar.
Verzögerungen belasten das operative Geschäft
Verantwortlich für die verhaltene Stimmung sind vor allem industrielle Hürden. Für das laufende Geschäftsjahr kündigte Rheinmetall einen deutlich negativen operativen freien Cashflow an.
Medienberichten zufolge gerieten zeitgleich operative Zeitpläne ins Wanken. Beim Flugabwehrsystem Skyranger 30 verschiebt sich die geplante Auslieferung voraussichtlich um ein ganzes Jahr von Mitte 2026 auf Mitte 2027. Noch deutlicher wiegen die Probleme beim Projekt für den Schweren Waffenträger Infanterie, das 123 Radfahrzeuge mit einem Gesamtvolumen von 2,7 Milliarden Euro umfasst.
Hier sorgt ein Verzug von mindestens elf Monaten gegenüber dem ursprünglichen Vertrag für Verstimmung, ausgelöst durch ungenügende Reife und Qualitätsmängel. Zudem gerieten mögliche Qualitätsmängel bei Schutzplatten in die Kritik, was den gesamten deutschen Rüstungssektor unter Druck setzte.
Volle Auftragsbücher bieten langfristige Basis
Trotz der kurzfristigen Dämpfer bleibt die grundlegende Nachfrage nach Wehrtechnik intakt. Der gesamte Auftragsbestand summierte sich auf über 80 Milliarden Euro.
Auch im Sommer folgten bedeutende Neuabschlüsse. Für die britische Gefechtsausbildung sicherte sich das Unternehmen im Rahmen des Omnia-Training-Konsortiums einen Auftragsanteil von knapp einer Milliarde Euro.
Zudem modernisiert Rheinmetall die Fregatte BAYERN für die Deutsche Marine in einem Projekt im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, und am Mittwoch erhielt die Konzerndivision Naval Systems einen mehrjährigen Rahmenvertrag der Generalzolldirektion zur Instandsetzung von vier neuen LNG-Zollschiffen.
Gedämpfte Stimmung an der Börse
Am Aktienmarkt spiegeln sich die operativen Warnsignale dennoch deutlich wider. Am Freitag ging das Papier mit einem Schlusskurs von 986,60 Euro aus dem Handel. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie damit einen Verlust von 36 Prozent. Die kommenden Monate werden zeigen, wie schnell der Konzern die Qualitätsmängel behebt, um die bestehenden Großverträge termingerecht abzuarbeiten.
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