Rheinmetall Aktie: Erste ATACMS-Umsätze erst 2028
Rheinmetall treibt mehrere Großprojekte voran: Boxer-Vertrag bis Jahresende, ATACMS-Fertigung ab 2028 und laufende Iveco-Gespräche. Aktie bleibt trotzdem schwach.

- Boxer-Vertrag bis Jahresende erwartet
- ATACMS-Produktion in Unterlüß geplant
- Iveco-Übernahme weiter in Verhandlung
- Aktie verliert trotz Großprojekten
Rheinmetall-Chef Armin Papperger hat am Freitag gleich drei Großprojekte vorangetrieben: einen milliardenschweren Boxer-Auftrag der Bundeswehr, die gemeinsame Raketenfertigung mit Lockheed Martin und die seit Monaten laufenden Übernahmegespräche zur Iveco-Militärsparte. Für Anleger, die zuletzt vor allem auf sinkende Prognosen und einen eingebrochenen Cashflow blickten, liefern die Ankündigungen ein Gegengewicht auf der operativen Seite.
Boxer-Auftrag soll bis Jahresende unterschrieben sein
Rheinmetall rechnet damit, dass ein milliardenschwerer Vertrag zur Lieferung von Boxer-Radpanzern an die Bundeswehr bis Ende des Jahres unterzeichnet wird. „There is absolutely nothing standing in the way“ – es stehe absolut nichts im Weg, sagte Papperger dazu. Der Radpanzer zählt zu den etablierten Kernprodukten des Düsseldorfer Konzerns im Landsystembereich und würde den prall gefüllten Auftragsbestand weiter absichern.
Gemeinsame Raketenfertigung mit Lockheed Martin
Parallel dazu treibt Rheinmetall die im vergangenen Monat unterzeichnete Absichtserklärung mit Lockheed Martin voran: Am Standort Unterlüß sollen künftig Army Tactical Missile Systems, kurz ATACMS, gefertigt werden. Die Produktionsanlagen dafür sollen im kommenden Jahr aufgebaut werden. Papperger stellte auch eine internationale Dimension in Aussicht: Es werde ausreichend Kapazität geben, um US-Militärarsenale wieder aufzufüllen, die durch den Konflikt mit dem Iran geschwächt wurden. Gleichzeitig dämpfte er die Erwartungen an Tempo: „Das wird nicht in zwei Jahren passieren, es wird viel länger dauern.“ Erste Umsätze aus dem Gemeinschaftsprojekt erwartet Rheinmetall erst für 2028 – ein Beleg dafür, dass selbst prominente Rüstungskooperationen lange Vorlaufzeiten haben.
Iveco-Gespräche mit Leonardo laufen weiter
Auch die Übernahmegespräche um die Militär-Lkw-Sparte von Iveco, die zum italienischen Rüstungskonzern Leonardo gehört, bleiben auf der Agenda. Papperger verwies auf eine Handschlag-Vereinbarung mit dem früheren Leonardo-Chef; über neue Konditionen müsse nun der neue Konzernchef Lorenzo Mariani entscheiden. Der Deal sei deshalb nicht gefährdet, so Papperger, der hofft, Mariani nach der Sommerpause zu treffen. Eine Einigung würde Rheinmetalls Position im europäischen Militärfahrzeugbau zusätzlich stärken.
Aktie bleibt unter Druck, Analysten uneins
Trotz der operativen Nachrichtenflut kommt die Aktie nicht von der Stelle. Am Freitag schloss das Papier bei 1.145,40 Euro, binnen sieben Tagen verlor es 3,60 Prozent. Seit Jahresbeginn steht Rheinmetall mit 26,22 Prozent im Minus – ein deutlicher Kontrast zu den operativen Rekordzahlen aus dem ersten Halbjahr. Seit der Präsentation der Fregatte GMF 140 vor gut einer Woche hat die Aktie zusätzlich rund 4,9 Prozent eingebüßt.
Am Kapitalmarkt zeigt sich das Bild gespalten. Das Analystenhaus mwb research stufte die Aktie am Freitag von Hold auf Sell herab und senkte das Kursziel von 1.150 auf 1.050 Euro; als Begründung nannte mwb die gesenkte Umsatzprognose, halbierte Investitionsziele gemessen am Umsatz und ein abgesenktes Auftragsbestandsziel. Andere Häuser sehen das gelassener: Jefferies bekräftigte am Vortag seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1.300 Euro. Für die kommenden Monate dürfte entscheidend sein, ob sich die angekündigten Großaufträge – Boxer, ATACMS-Kooperation, möglicherweise Iveco – tatsächlich in harten Vertragsabschlüssen niederschlagen und damit das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen.
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