Rheinmetall Aktie: F-35-Auslieferung ohne klare Richtung
Der erste deutsche F-35-Jet ist gefertigt, doch Rheinmetalls Aktie bleibt uneinheitlich. Anleger richten den Blick auf mögliche neue Aufträge.

- Erster deutscher F-35-Jet fertiggestellt
- Rheinmetall fertigt zentrale Rumpfbauteile
- Kursziele reichen bis 1.800 Euro
- Neue US-Aufträge bleiben bislang offen
Der erste deutsche F-35-Kampfjet hat in Fort Worth die Fertigungshalle verlassen. Für die Bundeswehr markiert das den Start einer neuen Ära der Luftwaffe. Für die Rheinmetall-Aktie sorgte die Nachricht am Freitag allerdings für keine einheitliche Reaktion — der Kurs pendelte im Tagesverlauf mehrfach zwischen leichtem Plus und Minus um die Marke von 1.020 Euro.
Das mag überraschen, schließlich ist der Düsseldorfer Rüstungskonzern an der Fertigung beteiligt: Rheinmetall baut Rumpfmittelteile für die Tarnkappenjets in Deutschland. Der Auftrag ist aber seit Jahren bekannt und dürfte im Kurs längst eingepreist sein.
Die Bundesregierung will insgesamt 35 der Maschinen für rund zehn Milliarden Euro beschaffen, die alte Tornado-Flotte ablösen und vor allem die nukleare Teilhabe Deutschlands im NATO-Verbund absichern. Bis zum Jahresende sollen die ersten sechs Jets ausgeliefert werden, die komplette Flotte soll bis 2029 stehen.
Rückenwind aus Washington und von Analysten
Deutlich mehr Kursfantasie lieferte in dieser Woche ein anderes Ereignis: das Treffen von Verteidigungsminister Boris Pistorius mit seinem US-Amtskollegen Pete Hegseth in Washington. Beide Seiten signalisierten engere Zusammenarbeit bei Rüstungsprojekten — vor dem Hintergrund von US-Munitionsengpässen und deutschen freien Fertigungskapazitäten könnte das neue Aufträge für Rheinmetall bedeuten. Konkrete Details stehen noch aus.
Parallel dazu bleibt das Analystenbild für die Aktie positiv. Die Kursziele reichen von 1.350 bis 1.800 Euro, wobei selbst konservative Schätzungen zur Umsatz- und Gewinnentwicklung nach Einschätzung mehrerer Häuser deutlich höheres Kursniveau rechtfertigen würden.
Auch im breiteren Rüstungssektor hellte sich die Stimmung zuletzt auf: Goldman Sachs stufte den Getriebespezialisten Renk von „Neutral“ auf „Buy“ mit Kursziel 65 Euro hoch, Stifel nahm den U-Boot-Bauer TKMS mit „Buy“ und Kursziel 105 Euro neu in die Bewertung auf.
Aufrüstung bleibt globales Thema
Dass die Nachfrage nach Verteidigungsgütern strukturell zunimmt, zeigt auch der Blick nach Asien. Japan signalisierte gegenüber den USA Bereitschaft, seine Verteidigungsausgaben von zwei auf möglicherweise 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Für Rheinmetall als einen der größten europäischen Rüstungskonzerne erweitert sich damit potenziell die Kundenbasis über Europa hinaus.
Der Fokus für die Aktie dürfte sich in den kommenden Wochen weniger um einzelne Symbolereignisse wie die F-35-Auslieferung drehen als um handfeste neue Aufträge aus der deutsch-amerikanischen Annäherung. Erste konkrete Vertragsabschlüsse aus den Gesprächen zwischen Pistorius und Hegseth wären der nächste Kurstreiber, auf den der Markt nun blickt.
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