Rheinmetall Aktie: F126-Aus belastet mit 300 Millionen
Der Rüstungskonzern kappt seine Jahresziele wegen des wegfallenden Fregattenauftrags. Analysten sehen Klärungsbedarf, während das Halbjahr starke Zuwächse zeigt.

- Umsatzziel wegen F126-Streichung gesenkt
- Auftragsziel und Investitionsquote deutlich gekappt
- Halbjahreszahlen zeigen kräftiges Wachstum
- Neue Fregatte und Drohnenabwehr als Wachstumsfelder
Rheinmetall hat am Donnerstag seine Umsatzprognose für 2026 nach unten korrigiert. Grund ist die Streichung des deutschen Fregattenprogramms F126, die den Konzern in der Marinesparte laut eigenen Angaben mit 300 Millionen Euro belastet. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern rechnet nun mit einem Umsatz zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro – zuvor waren 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro angepeilt. Die Margenziele blieben davon unberührt.
Auftragsziel und Investitionsquote deutlich gekappt
Neben der Umsatzprognose musste Rheinmetall auch die Erwartungen für den Auftragseingang zurücknehmen. Statt der bislang genannten rund 135 Milliarden Euro rechnet der Konzern nun mit einem Orderbuch von mehr als 100 Milliarden Euro. Zugleich senkte das Unternehmen sein Investitionsziel spürbar: Die Capex-Quote soll künftig 8 bis 9 Prozent des Umsatzes betragen, nach zuvor 16 Prozent. Vorstandschef Armin Papperger betonte, der Konzern arbeite im Marinegeschäft weiter intensiv daran, bestehende Aufträge zuverlässig zu erfüllen und sich international als Partner für neue Programme zu positionieren.
Die Kürzungen sind vor allem eine Reaktion auf den Wegfall des F126-Programms, doch sie werfen auch Fragen zur Planbarkeit auf. Analyst David Perry von JPMorgan beließ Rheinmetall am Donnerstag bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 1.350 Euro. Er verwies auf erheblichen Klärungsbedarf für Anleger nach den neuen Zielsetzungen für Umsatz, Investitionen und Auftragseingang. Besonders die neue Auftragsspanne von „über 100 Milliarden Euro“ lasse sich kaum präzise einordnen, da sie praktisch von 100 bis 134 Milliarden Euro reichen könne. Laut Bloomberg äußerten sich JPMorgan-Analysten zudem besorgt, dass die Streichung des Fregattenprogramms über 2026 hinaus wirken und das Wachstum in den Jahren 2027 und 2028 verlangsamen könnte.
Halbjahreszahlen zeigen kräftiges Wachstum
Trotz des Rückschlags in der Marinesparte präsentierte Rheinmetall für das erste Halbjahr 2026 robuste operative Zahlen. Der Umsatz legte um 39 Prozent zu, der Gewinn stieg sogar um 74 Prozent. Der Konzern verbuchte bis Ende Juni Neuaufträge im Wert von 14,9 Milliarden Euro und baute das Orderbuch auf 80,5 Milliarden Euro aus. Ein Schatten fiel allerdings auf den Cashflow: Er rutschte auf minus 1,6 Millionen Euro ab. Rheinmetall begründete dies mit verschobenen Vorauszahlungen, einem Aufbau der Lagerbestände und hoher Investitionstätigkeit.
Die Kombination aus starkem Wachstum und gekappten Zielen sorgte für Nervosität am Markt. Laut CNBC eröffnete die Aktie am Donnerstag zunächst rund 3 Prozent niedriger, bevor sich der Kurs im Tagesverlauf wieder stabilisierte. Insgesamt war das Papier vor dem Handel am Donnerstag bereits um ein Viertel gefallen – ein Muster, das laut CNBC auch bei europäischen Wettbewerbern wie BAE Systems, Saab und Thales zu beobachten war. Auf Sicht von fünf Jahren liegt Rheinmetall dennoch weiterhin um mehr als 1.000 Prozent im Plus.
Im aktuellen Handel notiert die Aktie bei 1.149,20 Euro und bewegt sich damit nahezu unverändert (-0,07 Prozent) gegenüber dem Vortag. Zum Rekordhoch von Anfang Oktober vergangenen Jahres bei 2.007,00 Euro beträgt der Abstand weiterhin 42,74 Prozent – ein Hinweis darauf, wie stark sich das Bewertungsniveau seit dem Höhenflug des vergangenen Jahres verändert hat.
Neue Fregatte und Drohnenabwehr als Wachstumsfelder
Parallel zu den Zahlen treibt Rheinmetall neue Marineprojekte voran. Erst am Montag hatte der Konzern die GMF 140 vorgestellt, eine 140 Meter lange Lenkwaffenfregatte mit über 6.000 Tonnen Verdrängung für multidimensionale Seeoperationen. Das Schiff soll zunächst für ein nordamerikanisches Beschaffungsprogramm angeboten werden, später auch für NATO- und Partnermarinen in Europa, im Nordatlantik und im Indo-Pazifik.
Zudem meldete sich Papperger laut dpa zu jüngsten Drohnenvorfällen zu Wort und forderte mehr Schutz für kritische Infrastruktur in Deutschland. Das Land sei nicht überall mit Abwehrtechnologie ausgestattet: „Und es gibt neben den Flughäfen noch viele andere Ziele, die kritisch in unserer Infrastruktur sind.“ Rheinmetall arbeite unter anderem mit der Deutschen Telekom an künftigen Lösungen zur Drohnenabwehr. Bereits im Juli hatte der Konzern zudem den Grundstein für ein neues Pulverwerk am Standort Aschau am Inn gelegt, in das rund 350 Millionen Euro fließen sollen – Teil eines konzernweiten 650-Millionen-Euro-Programms zur Herstellung von Treibladungspulver.
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