Rheinmetall Aktie: F126-Aus bremst Q2-Ziele

Rheinmetall senkt nach F126-Streichung die Q2-Erwartungen, hält aber an der Jahresprognose fest. Ein Milliarden-Deal mit Belgien zeichnet sich ab.

Die Kernpunkte:
  • F126-Kündigung drückt Auftragseingang
  • Jahresprognose bleibt trotzdem bestehen
  • Belgien plant Milliarden-Rüstungskauf
  • Aktie erholt sich von Jahrestief

Ein gestrichenes Fregattenprogramm reißt bei Rheinmetall ein Loch in die Quartalsprognose. Der Konzern rechnet für das zweite Quartal 2026 nun mit einem Auftragseingang im niedrigen zweistelligen Milliardenbereich. Ursprünglich hatte das Management über 20 Milliarden Euro angepeilt.

Warum die Q2-Ziele fallen

Deutschland hat das Fregatten-Projekt F126 gekündigt. Das reißt eine Lücke in Rheinmetalls Auftragsbuch für das zweite Quartal. Der Konzern prüft aktuell, ob sich die Stornierung auch auf das Gesamtjahr auswirkt. Ein Umsatzrückgang von bis zu 300 Millionen Euro für 2026 ist möglich, falls keine Gegenmaßnahmen greifen.

Trotzdem hält Rheinmetall an seiner Jahresprognose fest. Der Konzern erwartet weiterhin ein Umsatzwachstum von über 60 Prozent. Der Auftragsbestand liegt aktuell bei rund 73 Milliarden Euro und soll bis Jahresende auf etwa 135 Milliarden Euro steigen.

Belgien-Deal und Rückenwind aus Berlin

Während die Q2-Zahlen schwächeln, zeichnet sich ein neuer Großauftrag ab. Belgien will laut Medienberichten Flugabwehrsysteme im Wert von 3,1 Milliarden Euro kaufen. Rheinmetall würde davon 20 Skyranger-Kurzstrecken-Systeme liefern.

Der belgische Ministerrat muss dem Deal noch zustimmen. Eine offizielle Bekanntgabe könnte beim NATO-Gipfel in Ankara am 7. und 8. Juli erfolgen.

Auch aus Berlin kommt politischer Rückenwind. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil verteidigte am Samstag die höhere Neuverschuldung für 2027. Der Verteidigungshaushalt soll bis 2030 schrittweise auf 179,9 Milliarden Euro steigen. Für 2027 plant das Verteidigungsministerium mit 105,8 Milliarden Euro, zusätzlich fließen rund 27,5 Milliarden Euro aus dem Bundeswehr-Sondervermögen.

Papperger rechnet mit der Vergangenheit ab

CEO Armin Papperger nutzte die vergangenen Tage für eine deutliche Kritik an der früheren deutschen Rüstungspolitik. Er wirft der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, die heimische Industrie bewusst geschwächt zu haben. Merkel habe der Branche mitgeteilt, Deutschland brauche sie nicht — man verlasse sich stattdessen auf die USA.

Diese Abhängigkeit habe die deutsche Rüstungsindustrie jahrelang klein gehalten, so Papperger. Der Konzern hat seine Kapazitäten seither massiv ausgebaut. Die Jahresproduktion von Artilleriegranaten stieg von 70.000 auf eine Million Stück. Papperger fordert nun verbindliche Verträge und schnellere Beschaffung, damit sich die Investitionen auszahlen.

Aktie zwischen Erholung und Jahresverlust

Die Rheinmetall-Aktie schloss am Freitag bei 1.097,00 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von 12,80 Prozent zu Buche, seit dem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro Ende Juni hat sich der Kurs deutlich erholt. Der RSI von 46,5 signalisiert einen neutralen Markt — weder überkauft noch überverkauft.

Der Blick auf die längere Frist zeigt aber, wie tief der Kurs gefallen ist. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie noch 31,50 Prozent im Minus. Zum 52-Wochen-Hoch von 1.995,00 Euro aus dem September 2025 fehlen rund 45 Prozent.

Die kommenden Tage dürften zeigen, wie belastbar die Jahresprognose wirklich ist. Bestätigt sich der Belgien-Auftrag beim NATO-Gipfel in Ankara, hätte Rheinmetall ein handfestes Gegengewicht zum F126-Ausfall. Bleibt der Deal aus, rückt die Frage nach dem möglichen Umsatzrückgang für 2026 stärker in den Vordergrund.

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