Rheinmetall Aktie: F126-Stopp belastet bis 300 Millionen
Analysten senken Kursziele für Rheinmetall, doch neue Milliardenaufträge und Insiderkäufe stützen den Rüstungskonzern.

- Kursziel von Bank of America auf 1.300 Euro gesenkt
- Milliardenschwere Aufträge aus Großbritannien und Deutschland
- CEO Papperger kauft Aktien für über drei Millionen Euro
- Quartalszahlen am 6. August 2026 im Fokus
Analyst Benjamin Heelan senkte das Kursziel am 17. Juli 2026 von 1.770 Euro auf 1.300 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei „Buy“. Als Begründung nennt Heelan den strukturellen Wandel der modernen Kriegsführung: Der Trend gehe zunehmend zu Drohnen und Präzisionswaffen, was die langfristigen Erwartungen für das klassische Geschäft mit Waffen und Munition bis 2030 dämpfe.
Es ist bereits die zweite Kurszielsenkung eines namhaften Analysehauses innerhalb weniger Tage. Bereits am 8. Juli 2026 hatte Berenberg-Analyst George McWhirter sein Ziel von 1.750 auf 1.600 Euro reduziert, ebenfalls bei „Buy“-Rating. Auslöser war dort die Streichung des Fregattenprogramms F126 durch die Bundesregierung. Verteidigungsminister Pistorius hatte am 25. Juni 2026 bekanntgegeben, die Fregatten 5 und 6 des Typs F126 zugunsten kleinerer Einheiten des Wettbewerbers TKMS zu stornieren. Für Rheinmetall bedeutet das laut Handelsblatt einen potenziellen Umsatzverlust von bis zu 300 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr.
Auftragseingang wächst trotz Rückschlägen
Operativ zeigt sich Rheinmetall von den Kurszielsenkungen bislang unbeeindruckt. Am 6. Juli 2026 passte der Konzern seine Prognose für den Auftragseingang im zweiten Quartal auf einen niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag an, nachdem zuvor rund 20 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden waren. Grund ist ebenfalls die F126-Stornierung. Die Jahresprognose für 2026 mit einem angestrebten Umsatzwachstum von über 60 Prozent bekräftigte das Unternehmen dennoch.
Parallel dazu meldete Rheinmetall in den vergangenen Wochen mehrere neue Aufträge. Am 13. Juli 2026 sicherten sich Rheinmetall und Raytheon gemeinsam einen 15-jährigen Großauftrag des britischen Verteidigungsministeriums zur Digitalisierung der Gefechtsausbildung, das anteilige Volumen für Rheinmetall liegt bei knapp einer Milliarde Euro. Am 9. Juli 2026 unterzeichneten Rheinmetall und MBDA Deutschland einen Vertrag mit dem Beschaffungsamt der Bundeswehr über ein Hochenergie-Laserwaffensystem für die Marine im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, Einsatzbereitschaft soll bis 2029 erreicht werden. Zwei Tage zuvor unterschrieb der Konzern eine Absichtserklärung mit Lockheed Martin zur gemeinsamen Produktion von ATACMS-Raketen in Europa, die erste Fertigungslinie außerhalb der USA soll in Unterlüß entstehen. Zudem erhielt Rheinmetall von einem NATO-Staat einen Auftrag über mehrere tausend 155mm-Artilleriegeschosse für die Ukraine mit Auslieferung bis April 2027, sowie von der kuwaitischen Marine einen Auftrag über Softkill-Systeme im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Am 15. Juli 2026 meldete das Unternehmen laut dpa zudem die erste erfolgreiche Munitionsauslieferung aus dem erweiterten Werk Unterlüß zur Deckung gestiegener NATO-Bedarfe.
Insider kaufen, Kurs bleibt unter Druck
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt von Insiderkäufen: Am 25. Juni 2026 erwarb CEO Armin Papperger über die ATP Holding GmbH Aktien im Gesamtwert von rund 3,04 Millionen Euro zu Kursen zwischen 950,30 und 955,00 Euro. Am selben Tag kaufte Aufsichtsratsmitglied Andreas Georgi über seine Vermögensverwaltungsgesellschaft Papiere im Wert von 47.665 Euro zum Kurs von 953,30 Euro – just an dem Tag, an dem die F126-Stornierung publik wurde.
Die Aktie notiert aktuell bei 982,90 Euro und legt am Freitag um 2,64 Prozent zu. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Kursminus von 38,63 Prozent zu Buche, der Abstand zum jüngsten Zwölfmonatstief von 902,50 Euro beträgt lediglich 8,91 Prozent. Der Titel bewegt sich damit weiterhin in der Nähe seiner Jahrestiefststände, auch wenn die jüngsten Aufträge und die bekräftigte Wachstumsprognose Spielraum für eine Stabilisierung bieten. Am 16. Juli 2026 meldete Rheinmetall zudem die neue Gesamtzahl der Stimmrechte nach Ausgabe von Bezugsaktien: Sie beläuft sich nun auf 46.789.567.
Anleger richten den Blick nun auf den 6. August 2026, wenn Rheinmetall seinen Bericht zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr 2026 vorlegt. Dort dürfte sich zeigen, wie belastbar die Jahresprognose angesichts der gestrichenen Fregattenaufträge und der von Analysten diskutierten langfristigen Verschiebung hin zu Drohnentechnologie tatsächlich ist.
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