Rheinmetall Aktie: GMF140 mit 64 Startzellen

Nach Drohnen-Zwischenfall mahnt Rheinmetall-Chef Papperger bessere Luftverteidigung an. Der Konzern senkt trotz Rekordhalbjahr die Jahresprognose.

Die Kernpunkte:
  • Drohnenvorfall löst Sicherheitsappell aus
  • Jahresprognose nach F126-Aus gesenkt
  • Marinesparte wächst durch Lürssen-Übernahme
  • Bewerbungen bei Bundeswehr steigen deutlich

Ein Zwischenfall am Flughafen Leipzig/Halle hat Rheinmetall-Chef Armin Papperger zu einem deutlichen Appell veranlasst. Am Montagabend wurde dort eine Drohne entdeckt – für den Rheinmetall-Vorstandsvorsitzenden ein weiterer Beleg dafür, dass Deutschland gegen solche Bedrohungen unzureichend geschützt ist. Papperger verwies auf die Systeme Skyranger und Skynex, mit denen sein Konzern Luftverteidigung gegen Drohnen anbietet, und mahnte einen konsequenteren Ausbau der Abwehrfähigkeiten an.

Die Forderung fällt in eine Phase, in der Rheinmetall selbst mit einem Rückschlag im Marinegeschäft umgehen muss. Am vergangenen Donnerstag hatte der Konzern seine Jahresprognose für 2026 gesenkt, nachdem Deutschland das milliardenschwere F126-Fregattenprojekt beendet hatte. Der Umsatzausblick rutschte auf eine Spanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Trotz des gestrichenen Auftrags hatte Rheinmetall vor gut einer Woche für das erste Halbjahr Rekordwerte gemeldet, operativ getrieben von einem kräftig gewachsenen Auftragsbestand.

Marinegeschäft wächst trotz F126-Aus

Während das Fregattenprojekt wegbricht, baut Rheinmetall seine maritime Sparte über die Übernahme von Naval Vessels Lürssen (NVL) aus. Vier Werften in Bremen, Wilhelmshaven, Hamburg und Wolgast mit rund 2.100 Beschäftigten gehören seither zum Konzern. Die neue Sparte erwirtschaftete in den ersten vier Monaten nach der Übernahme im März 334 Millionen Euro und sammelte neue Aufträge von mehr als einer Milliarde Euro ein, darunter ein SAFE-Abkommen mit Rumänien im Volumen von 920 Millionen Euro. Bis 2030 soll die Marine-Sparte auf einen Jahresumsatz von 5 Milliarden Euro und eine Marge von 15 Prozent kommen, aufgeteilt auf 3 Milliarden Euro im Inland und 2 Milliarden Euro im internationalen Geschäft.

Parallel dazu wirbt Rheinmetall im Ausland um neue Fregattenkunden. Am vergangenen Dienstag hatte der Konzern sein Design GMF140 vorgestellt – ein 6.000-Tonnen-Schiff mit 64 Senkrechtstartzellen, bislang ohne Werft oder Kunden. Die Aktie büßte seither rund 4,9 Prozent ein. Im Vergleich zur spanischen F-110 von Navantia, die nur 16 Zellen bietet und seit 2019 in Ferrol gebaut wird, positioniert sich Rheinmetall mit deutlich mehr Feuerkraft. Spanien selbst plant für die Nachfolgeklassen F-116 und F-117 ab 2036 zwar größere Kapazitäten, doch Rheinmetall könnte nach eigenen Angaben bereits 2027 oder 2028 mit dem Bau beginnen.

Nachwuchs und Kurslage

Neben dem Geschäft mit Systemen sorgt auch die gesellschaftliche Debatte um Wehrdienst und Sicherheit für Aufmerksamkeit. Papperger berichtete von wachsender Verantwortungsbereitschaft junger Menschen: Die Bewerbungen bei der Bundeswehr seien seit Jahresbeginn um 24 Prozent auf rund 38.500 gestiegen. Rheinmetall selbst erhält nach seinen Angaben monatlich etwa 23.000 Bewerbungen allein in Deutschland; 2025 zählte der Konzern insgesamt 232.000 Bewerbungen im Inland und 360.000 weltweit bei rund 34.000 Beschäftigten.

An der Börse hat sich die Aktie von den Kursverlusten rund um die gesenkte Prognose zuletzt etwas gefangen. Am Freitag schloss das Papier bei 1.145,40 Euro, ein Minus von 0,40 Prozent. Über die vergangenen 30 Handelstage steht dennoch ein Plus von 7,71 Prozent zu Buche, und der Kurs notiert 4,13 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt – ein Hinweis darauf, dass sich die kurzfristige Erholung fortsetzt, auch wenn der Wert seit Jahresbeginn weiterhin deutlich im Minus liegt.

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