Rheinmetall Aktie: GMF140 mit 64 Startzellen

Rheinmetall tritt mit der neuen Fregatte GMF140 in den nordamerikanischen Markt ein und konkurriert direkt mit TKMS um internationale Aufträge.

Die Kernpunkte:
  • Neue Fregatte für NATO-Partner
  • Direkter Wettbewerb mit TKMS
  • Aktie steigt um 3,69 Prozent
  • Quartalszahlen am Donnerstag erwartet

Rheinmetall hat am heutigen Montag mit der GMF140 eine neue Mehrzweckfregatte vorgestellt und tritt damit offensiv in den nordamerikanischen Marinemarkt ein. Das 140 Meter lange Schiff mit mehr als 6.000 Tonnen Verdrängung soll zunächst NATO-Partnern in Nordamerika angeboten werden, später sollen weitere verbündete Marinen folgen. An Bord: das AEGIS-Gefechtssystem, 64 Senkrechtstartzellen für Flugkörper, ein US-Radar sowie optional das Kampfsystem CMS330. Die GMF140 soll Luftverteidigung, ballistische Raketenabwehr, U-Boot-Jagd und Präzisionsschläge in einer Plattform vereinen, ausgelegt auf offene Architektur und geringen Personalbedarf.

Der Kurs reagierte am Vormittag positiv: Die Aktie notiert aktuell bei 1.187,20 Euro und liegt damit 3,69 Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn steht Rheinmetall dennoch mit 23,53 Prozent im Minus – ein Beleg dafür, wie stark der Titel von den Höchstständen des Vorjahres zurückgekommen ist.

Reaktion auf das gescheiterte F-126-Programm

Die Fregattenvorstellung fällt nicht zufällig in diese Woche. Ende Juni hatte Pistorius das deutsche F-126-Projekt gestoppt, nachdem sich die Kosten auf 18 Milliarden Euro statt der geplanten 10 Milliarden Euro verdoppelt hätten und sich die Lieferung bis 2032 statt 2028 verzögert hätte. Mit der GMF140 sucht Rheinmetall nun gezielt Anschlussaufträge außerhalb Deutschlands, vor allem in den USA, wo die US Navy ihr Constellation-Programm ebenfalls gestoppt hat und nach schneller verfügbaren Schiffen sucht. Rückenwind erhält die Marinesparte durch die im März abgeschlossene Übernahme von NVL, der früheren Marinesparte von Lürssen. Konzernchef Papperger hatte zuletzt einen Anstieg des Marineumsatzes von aktuell rund einer Milliarde auf fünf Milliarden Euro bis 2030 in Aussicht gestellt.

Direkter Konkurrenzkampf mit TKMS

Mit dem Vorstoß gerät Rheinmetall in unmittelbare Konkurrenz zu TKMS, das nach dem F-126-Aus den Zuschlag für vier bis acht Fregatten des Typs F128 erhalten soll – ein Auftrag im Volumen von 12 Milliarden Euro. Während TKMS auf größere Schiffe setzt, positioniert Rheinmetall die GMF140 als kompaktere, kostengünstigere Alternative. Parallel modernisiert der Konzern die Fregatte F123 „Bayern“ auf der Jade Werft für einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag und hält damit auch im laufenden Bestandsgeschäft der deutschen Marine Präsenz.

Weitere Aufträge stützen das Landgeschäft

Auch außerhalb der Marinesparte liefert Rheinmetall Nachrichten: Der Konzern erhielt von der britischen Armee einen Auftrag für Waffenanlagen der Radhaubitze RCH 155 im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Großbritannien hatte im Mai 72 Systeme der Boxer-Panzerhaubitze bestellt, deren vollautomatischer, besatzungsloser Turm Feuer aus der Bewegung ermöglicht. Die Produktion läuft in einer neuen Geschützfertigung in Telford.

Charttechnisch bleibt die Aktie im Erholungsmodus: Sie notiert 7,26 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt, nachdem sie sich vom Jahrestief im Juni deutlich abgesetzt hat. Der Blick der Anleger richtet sich nun auf Donnerstag: Dann legt Rheinmetall seine nächsten Quartalszahlen vor, die zeigen sollen, ob sich die neuen Marine- und Landsystemaufträge auch in der Umsatzentwicklung niederschlagen.

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