Rheinmetall Aktie: Hensoldt integriert Twinvis in Skynex
Rheinmetall und Hensoldt demonstrieren die Integration passiver Radartechnik in das Skymaster-Führungssystem. Die Vernetzung gilt als wichtiger Schritt für die künftige Luftverteidigung.

- Passivradar Twinvis mit Skymaster gekoppelt
- NATO-Datennetzwerk Link-16 für Datenfusion
- Ausweitung auf Skyranger und Skyspotter geplant
- Aktie bleibt trotz Erholung unter Druck
Rheinmetall treibt die Vernetzung seiner Luftverteidigungssysteme voran. Bei der Übung Timber Express 2026 der deutschen Luftwaffe haben Rheinmetall Air Defence und Hensoldt gemeinsam gezeigt, wie sich passive Sensortechnologie in ein modernes Flugabwehrsystem integrieren lässt. Im Zentrum stand die Kopplung des Twinvis-Passivradars von Hensoldt mit dem Führungssystem Skymaster, das wiederum die Skynex-Flugabwehrbatterie steuerte.
Passive Sensorik als Baustein künftiger Luftverteidigung
Die Daten aus dem Übungsszenario wurden über das NATO-Datennetzwerk Link-16 fusioniert. Der Vorteil passiver Radarsysteme liegt darin, dass sie selbst kein Signal aussenden und damit schwerer zu orten sind – ein Aspekt, der die Überlebensfähigkeit von Luftverteidigungsstellungen im Gefechtsfeld erhöhen soll.
Rheinmetall und Hensoldt planen, die Integration von Twinvis künftig auch in weitere Systeme der Skynex-Familie auszuweiten, darunter Skyranger und Skyspotter.
Die Demonstration reiht sich in eine Debatte ein, die die Rüstungsbranche derzeit intensiv beschäftigt: die Rolle künstlicher Intelligenz in modernen Waffensystemen. Bundeswehruniversitäten und das Fraunhofer-Institut FKIE haben in einer mehr als hundertseitigen Bestandsaufnahme dargelegt, dass KI künftig eine überragende Rolle in nahezu jedem Waffensystem einnehmen dürfte.
Generalinspekteur Breuer hatte betont, Deutschland müsse sich bis 2029 gegen Russland verteidigen können – ein Zeithorizont, der die Dringlichkeit solcher Technologieintegrationen unterstreicht. Vernetzte, teilautonome Systeme wie die jetzt erprobte Skymaster-Twinvis-Kombination gelten als Vorstufe zu genau jener Entwicklung.
Rüstungsboom als struktureller Rückenwind
Der Hintergrund dieser Entwicklungen ist eine Verteidigungspolitik, die sich strukturell verändert hat. Die NATO strebt ein Ausgabenziel von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2035 an, davon 3,5 Prozent für Kernverteidigung.
Deutschland plant für 2026 einen Verteidigungshaushalt von 108,2 Milliarden Euro, der bis 2029 auf 152 Milliarden Euro steigen soll. Die globalen Militärausgaben summierten sich zuletzt laut SIPRI auf 2,9 Billionen US-Dollar.
Rheinmetall gilt in diesem Umfeld als einer der zentralen Nutznießer der europäischen Aufrüstung, mit einem Umsatz von 9,93 Milliarden Euro im Jahr 2025. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei 56,20 Milliarden Euro.
Der Konzern ist dabei nicht allein: International konkurriert etwa Hanwha Aerospace aus Südkorea, das jüngst vom US-Heer als alleiniger Prototyp-Hersteller für ein neues Programm selbstfahrender Haubitzen ausgewählt wurde – ein Vertrag mit einem Volumen von bis zu 262,9 Millionen US-Dollar für 18 Prototypen, mit einer Option auf zwölf weitere.
Kurs bleibt unter Druck trotz jüngster Erholung
An der Börse zeigt sich das Bild gemischt. Die Rheinmetall-Aktie notiert aktuell bei 1.206,20 Euro, nach einem Schlusskurs von 1.211,80 Euro am Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 22 Prozent, seit Jahresbeginn dagegen ein Minus von 22 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro, erreicht am 3. Oktober, bleibt das Papier weiterhin 40 Prozent entfernt – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Kurskorrektur der vergangenen Monate trotz der jüngsten Stabilisierung noch nicht überwunden ist.
Für Anleger bleibt die technologische Vertiefung der Kooperationen mit Partnern wie Hensoldt ein Signal, dass Rheinmetall seine Position im Kernsegment Luftverteidigung systematisch ausbaut – unabhängig von den kurzfristigen Kursschwankungen, die stark von der allgemeinen Bewertungsdiskussion um die Rüstungsbranche getrieben werden.
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