Rheinmetall Aktie: Investiert 260 Millionen in Kassel

Rheinmetall baut Kassel und Calden aus, schafft über 1.000 Stellen und meldet weitere Aufträge, während die Aktie 2026 nachgibt.

Die Kernpunkte:
  • Über 260 Millionen Euro für Nordhessen
  • Mehr als 1.000 neue Regionalstellen
  • Boxer-Entscheidungen stehen im September an
  • Aktie seit Jahresbeginn 26 Prozent schwächer

Rheinmetall weitet sein Engagement in Nordhessen deutlich aus. Der Konzern investiert gemeinsam mit dem Land Hessen mehr als 260 Millionen Euro in das Werk Kassel und den Flughafen Kassel-Calden, wie am Samstag bekannt wurde. Damit entsteht dort ein Verbund aus Produktion, Logistik und einem neuen Drohnenkompetenzzentrum – ein weiterer Baustein in der geplanten Verdopplung der Konzern-Belegschaft von derzeit 35.000 auf 70.000 Beschäftigte bis 2029.

Tausende neue Stellen in der Region

Das Land Hessen beteiligt sich mit einem zweistelligen Millionenbetrag, davon acht Millionen Euro allein für das geplante Drohnenzentrum. Auf mehr als 30.000 Quadratmetern soll neue Logistikfläche entstehen.

Die Belegschaft am Standort Kassel wächst von aktuell 2.200 auf über 3.000 Beschäftigte, am Flughafen Calden entstehen zwischen 130 und 200 neue Arbeitsplätze. Insgesamt rechnet Rheinmetall mit mehr als 1.000 zusätzlichen Stellen in der Region.

Kassel ist dabei mehr als ein Einzelstandort: Der Konzern plant dort nach eigenen Angaben Europas größtes Panzerwerk im Rahmen des Projekts „Arminius“. Die Bundeswehr-Aufträge für dieses Vorhaben werden auf rund 40 Milliarden Euro veranschlagt, die Produktion soll bis 2040 laufen.

Zentraler Baustein ist der Boxer-Auftrag über 1.500 Fahrzeuge im Wert von 12,4 Milliarden Euro, mit Optionen von 14 bis 26 Milliarden Euro für bis zu 5.000 Fahrzeuge zusätzlich. Entscheidungen dazu fallen im September, der Bundestag befasst sich am 9. Dezember mit dem Vorhaben. Der Umsatz am Standort soll von 1,5 auf 5 Milliarden Euro steigen, die Jahresproduktion auf 500 Boxer-Fahrzeuge.

Weitere Aufträge stützen die Wachstumsstory

Parallel zum Ausbau in Nordhessen verbucht Rheinmetall weitere Geschäfte. Für ein Bundeswehr-Camp in Litauen erhielt der Konzern einen Auftrag über 250 Millionen Euro; ab August 2027 soll die Einrichtung 2.000 Soldaten beherbergen und jährlich Einnahmen von 40 Millionen Euro generieren.

Zudem plant die Bundeswehr die Bestellung von mehr als 600 Skyranger-Flugabwehrsystemen mit einem Volumen von über 9 Milliarden Euro – eine Reaktion auf die Bedrohung durch Drohnen nach der Ausmusterung des Gepard-Systems. 19 Einheiten wurden bereits für Testzwecke bestellt, geplant ist eine Produktion von mindestens 200 Systemen pro Jahr.

Konzernchef Armin Papperger nutzte die Gelegenheit erneut, um Tempo bei der Aufrüstung einzufordern. Er wirft der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, die deutsche Rüstungsindustrie jahrelang vernachlässigt zu haben – mit dem Argument, im Ernstfall würden ohnehin die Amerikaner einspringen.

Rheinmetall habe seine Kapazität bei Artilleriemunition von 70.000 auf eine Million Schuss pro Jahr erhöht und damit die USA bei konventioneller Munition überholt, so Papperger.

Kurs bleibt unter Druck

Trotz der Fülle an Wachstumsmeldungen zeigt sich die Aktie zurückhaltend. Am Freitag schloss das Papier bei 1.152,40 Euro, ein Minus von 2,1 Prozent auf Tagesbasis. Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 26 Prozent zu Buche, vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro aus dem Oktober trennen die Aktie derzeit 43 Prozent.

Der Rücksetzer zeigt: Selbst milliardenschwere Aufträge und ein ambitionierter Kapazitätsausbau reichen aktuell nicht aus, um das Vertrauen der Anleger vollständig zurückzugewinnen – die im September anstehenden Entscheidungen zum Boxer-Programm dürften zum nächsten wichtigen Prüfstein werden.

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