Rheinmetall Aktie: JPMorgan warnt vor Margin-Risiko
Rheinmetall wächst deutlich, doch JPMorgan hinterfragt die künftige Ertragskraft angesichts eines größeren Anteils von Drohnen und Software.

- JPMorgan setzt Rheinmetall auf Negativliste
- Halbjahresumsatz steigt um 39 Prozent
- Auftragsbestand erreicht 80,5 Milliarden Euro
- Kapitalmarkttag im November soll Klarheit schaffen
JPMorgan hat Rheinmetall am Donnerstag auf die „Negative Catalyst Watch“ gesetzt. Die Bank sorgt sich, dass der Konzern seinen Produktmix zunehmend in Richtung Drohnen und digitale Systeme verschiebt – Bereiche, die trotz steigender Umsätze womöglich weniger profitabel sind als das klassische Rüstungsgeschäft. Die Aktie geriet darauf zeitweise unter die Marke von 1.000 Euro.
Am aktuellen Handelstag notiert das Papier bei 1.009,00 Euro und gibt damit um 0,4 Prozent nach. Der Kurs bewegt sich damit weiterhin deutlich unterhalb des 50-Tage-Durchschnitts von 1.094,05 Euro – ein Zeichen dafür, dass der kurzfristige Trend nach unten zeigt. Seit dem Rekordhoch von über 2.000 Euro im Oktober 2025 hat sich der Wert praktisch halbiert.
Sorge um Rentabilität trotz Wachstum
Der Kern der JPMorgan-Einschätzung trifft einen Nerv, der Anleger schon länger umtreibt. Rheinmetall wächst operativ kräftig: Im ersten Halbjahr 2026 legte der Umsatz um 39 Prozent auf 5,23 Milliarden Euro zu, das operative Ergebnis kletterte um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro.
Im zweiten Quartal allein sprang der Umsatz um 69 Prozent auf rund 3,3 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand erreichte 80,5 Milliarden Euro, ein Plus von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Doch genau hier setzt die Skepsis der Analysten an: Wenn ein wachsender Anteil des Geschäfts aus Drohnen und Software-Lösungen statt aus klassischer Munitions- und Fahrzeugproduktion stammt, könnten die margenstarken Kerngeschäfte relativ an Gewicht verlieren. Marktbeobachter erwarten deshalb Klarstellungen zur Rentabilität beim Kapitalmarkttag im November – bis dahin dürfte die Unsicherheit an der Börse bestehen bleiben.
Operatives Geschäft läuft trotz allem weiter
Unabhängig von der Diskussion um die Margenstruktur bleibt das operative Geschäft in Bewegung. Die US-Marine hat bei American Rheinmetall zwölf autonome Mission-Master-SP-Fahrzeuge sowie fünf amphibische Marine-Kits bestellt, ein Auftrag über 7,28 Millionen US-Dollar über die Beschaffungsstelle ADS Inc. für das Marine Corps Warfighting Laboratory. Rheinmetall Canada unterstützt die Abwicklung.
Auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris präsentierte Rheinmetall zudem Artilleriesysteme mit erhöhter Reichweite und hat parallel rund 1.000 Stellen in Deutschland ausgeschrieben – ein Signal für anhaltende Expansion, getrieben durch den Krieg in der Ukraine und steigende Nato-Verteidigungsbudgets.
Zusätzlich veröffentlichte das Unternehmen am Mittwoch Teile seiner „Battlesuite“-Softwarearchitektur als Open Source auf GitHub: Onboard- und Tactical-API stehen offen, der proprietäre Kern der Sensor- und Effektoren-Vernetzung bleibt geschützt. Ziel ist es, die Herstellerbindung für Kunden zu verringern und schnellere Einsatzreife zu ermöglichen.
Auch das umstrittene Ukraine-Engagement bleibt Thema: In der Schweizer Gemeinde Unteriberg protestieren Anwohner gegen den geplanten Bau einer neuen Produktionshalle der Tochter Rheinmetall Air Defence, aus Sorge, durch die Kooperation mit der Ukraine zur Zielscheibe zu werden.
Was das für Anleger bedeutet
Die Gemengelage bleibt zweigeteilt: Operativ liefert Rheinmetall weiter zweistellige Wachstumsraten und neue Aufträge, während die Analysten von JPMorgan strukturelle Fragen zur künftigen Profitabilität aufwerfen. Für Anleger dürfte der Kapitalmarkttag im November zum entscheidenden Termin werden, um zu klären, ob der margenschwächere Produktmix das Wachstumstempo langfristig bremst.
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