Rheinmetall Aktie: Kanonenproduktion in Trubia startet neu
Rheinmetall steigert Umsatz und Ergebnis deutlich, kämpft aber mit negativem Cashflow und einer gesenkten Umsatzspanne für 2026.

- Aktie verliert binnen Monatsfrist 11 Prozent
- Goldman Sachs nennt 2.300 Euro Kursziel
- Halbjahresumsatz wächst um 39 Prozent
- Cashflow bleibt mit 1,62 Milliarden negativ
Rheinmetall bleibt in einer schwierigen Verfassung. Die Aktie fällt am Mittwoch um 3,3 Prozent auf 1.015,40 Euro und setzt damit die Talfahrt der vergangenen Wochen fort. Auf Monatssicht steht ein Minus von 11 Prozent, seit Jahresbeginn hat das Papier rund 35 Prozent verloren.
Inmitten dieser Schwäche hält Goldman Sachs an seiner optimistischen Einschätzung fest. Die Bank nennt ein Kursziel von 2.300 Euro und beziffert selbst in einem konservativeren Szenario ein Potenzial von 1.450 Euro – deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Für Anleger, die zuletzt vor allem Verluste verbuchen mussten, ist das ein bemerkenswerter Kontrast zur Marktstimmung.
Operatives Geschäft wächst kräftig
Die fundamentale Basis für den Optimismus der Analysten liefert die jüngste Halbjahresbilanz. Im ersten Halbjahr 2026 steigerte Rheinmetall den Umsatz um 39 Prozent auf 5,23 Milliarden Euro, das operative Ergebnis kletterte um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro.
Die operative Marge erreichte damit 15,0 Prozent. Der Auftragsbestand summierte sich auf 80,5 Milliarden Euro – ein Wert, der dem Konzern über Jahre hinweg Visibilität verschafft.
Allerdings gibt es auch Schattenseiten: Der freie Cashflow im ersten Halbjahr lag bei minus 1,62 Milliarden Euro, ein Zeichen dafür, dass das Wachstum kapitalintensiv bleibt. Zudem musste der Konzern die Prognose für 2026 nach einer Stornierung im Programm F126 auf einen Umsatzkorridor von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro anpassen. Solche Rückschläge erklären zumindest teilweise, warum der Markt trotz starker operativer Zahlen skeptisch bleibt.
Politischer Rückenwind aus Berlin und Athen
Die geopolitische Großwetterlage spricht weiterhin für die Rüstungsbranche. Außenminister Johann Wadephul forderte im Podcast „Ronzheimer“ am Mittwoch mehr Bestellungen der Ukraine bei deutschen Rüstungsunternehmen. Er betonte, Deutschland sei der stärkste Unterstützer der Ukraine und die heimische Verteidigungsindustrie solle davon profitieren. Wadephul erklärte, er habe den ukrainischen Präsidenten Selenskyj gebeten, deutsche Firmen stärker in Beschaffungsprozesse einzubinden.
Auch operativ tut sich etwas bei Rheinmetall: Gemeinsam mit GDELS-SBS vereinbarte der Konzern die Wiederaufnahme der Produktion von 120-Millimeter-Kanonen für Leopard-Panzer im spanischen Werk Trubia.
Das Werk hat bereits über 200 Kanonen für den Leopard 2E sowie 100 für das SIAC-155/52-Programm hergestellt und ist Teil einer seit Mitte 2024 laufenden Reaktivierung mehrerer Kanonenlinien. Solche Aufträge unterstreichen die operative Substanz des Konzerns, auch wenn sie kurzfristig kaum Einfluss auf die Kursentwicklung haben.
Charttechnisch angeschlagen, fundamental gestützt
Der jüngste Kursrückgang folgt auch der breiteren Marktstimmung: Griechenland und Israel unterzeichneten Ende August ein milliardenschweres Abkommen über ein Luftverteidigungssystem, was zeigt, dass europäische Verteidigungsausgaben weiter steigen – ein Umfeld, das grundsätzlich zu Rheinmetalls Geschäft passt. Dass die Aktie trotzdem unter Druck steht, dürfte vor allem an der gestutzten Umsatzprognose und dem negativen Cashflow liegen.
Für Anleger bleibt die Lage zweigeteilt: Die operativen Kennzahlen und der prall gefüllte Auftragsbestand sprechen für langfristiges Potenzial, wie es Goldman Sachs unterstreicht. Kurzfristig dominieren jedoch Zweifel an der Prognosequalität und die allgemeine Nervosität an den Märkten das Bild.
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