Rheinmetall Aktie: Kuwait-Auftrag für MASS

Rheinmetall vermeldet binnen weniger Tage Aufträge aus vier Ländern. Analysten zeigen sich nach dem F126-Rückschlag uneins über die Aktienentwicklung.

Die Kernpunkte:
  • Aufträge aus Kuwait, Norwegen, USA und UK
  • Milliardenschwerer Digitalisierungsauftrag für britische Armee
  • Grundsteinlegung für Pulverfabrik-Ausbau in Aschau
  • Analysten senken Kursziel, halten aber an Kaufempfehlung fest

Innerhalb weniger Tage hat Rheinmetall Aufträge und Kooperationen aus Großbritannien, Norwegen, Kuwait und den USA vermeldet. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern zeigt damit eine ungewöhnlich breite internationale Nachfrage – parallel dazu haben zwei Analystenhäuser ihre Einschätzungen zur Aktie aktualisiert, nachdem die Stornierung des Fregattenprogramms F126 Anfang Juli für Verunsicherung gesorgt hatte.

Aufträge aus mehreren Kontinenten binnen weniger Tage

Den Auftakt der jüngsten Meldungswelle bildete am 10. Juli ein erstmaliger Auftrag aus Kuwait über die Lieferung des Schiffsschutzsystems MASS (Multi Ammunition Softkill System) samt Täuschkörpern. Drei Tage später unterzeichneten Rheinmetall und Lockheed Martin eine Absichtserklärung zur Etablierung einer europäischen Co-Produktion für das Raketensystem ATACMS am Standort Deutschland. Es folgte am 15. Juli ein Memorandum mit Space Norway zur maritimen Weltraumüberwachung in der Arktis mittels X-Band-Radardaten.

Am 16. Juli sicherte sich das Konsortium „Omnia Training“, an dem Rheinmetall gemeinsam mit Raytheon UK beteiligt ist, einen Auftrag zur Digitalisierung der britischen Armeeausbildung. Der auf Rheinmetall entfallende Anteil beläuft sich auf knapp eine Milliarde Euro bei einer Laufzeit von 15 Jahren. Am 20. Juli kam ein Abruf über rund 100 Millionen Euro für Hardware und Serviceleistungen aus dem Rahmenvertrag zur Digitalisierung landbasierter Operationen der Bundeswehr hinzu. Nur einen Tag später schloss der Technologiekonzern Thales einen Rahmenvertrag mit Rheinmetall über die Lieferung optronischer Sichtsysteme für gepanzerte Fahrzeuge ab. Bereits am 14. Juli hatte Rheinmetall die erste Auslieferung von 155-mm-Artilleriemunition aus dem neuen Werk in Unterlüß an die Ukraine vermeldet – eine niedrige fünfstellige Stückzahl im Rahmen eines bestehenden Regierungsauftrags.

Munitionsausbau als strategischer Unterbau

Am 23. Juli feierte Rheinmetall die Grundsteinlegung für den Ausbau der Pulverfabrik in Aschau am Inn im Rahmen des Projekts „Firepower“. Rund 350 Millionen Euro fließen in den Standort, eingebettet in ein konzernweites Investitionsprogramm von 650 Millionen Euro. Ziel ist es, die Kapazität bis 2028 auf mehr als eine Million Treibladungsmodule pro Jahr zu steigern – die Grundlage für die parallel laufenden Munitionsaufträge.

Analysten uneins nach F126-Rückschlag

Die Auftragsflut steht im Kontrast zur Ad-hoc-Mitteilung vom 2. Juli, in der Rheinmetall die Stornierung des Fregattenprogramms F126 bekanntgegeben hatte. Der Konzern bezifferte die potenziellen Umsatzeinbußen im laufenden Geschäftsjahr auf bis zu 300 Millionen Euro, bekräftigte damals aber sein Umsatzziel von mehr als 60 Prozent Wachstum für das zweite Quartal 2026.

Bank of America reagierte am 21. Juli mit einer Senkung des Kursziels von 1.770 auf 1.300 Euro, hielt jedoch an der Einstufung „Buy“ fest. Als Begründung nannten die Analysten eine konservativere Prognose für den langfristigen Munitionsabsatz bis 2030. Jefferies hatte bereits am 10. Juli seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von ebenfalls 1.300 Euro bestätigt, nachdem eine Sektoranalyse zur Dynamik des europäischen Verteidigungsmarktes vorlag. Im Marktumfeld bleibt Rheinmetall zudem als potenzieller Bieter für die Kieler Werft German Naval Yards im Gespräch, nachdem die Verkaufsverhandlungen zwischen Thyssenkrupp Marine Systems und German Naval Yards abgebrochen wurden.

Kurs erholt sich, bleibt aber weit vom Hoch entfernt

Die Aktie schloss am Donnerstag bei 1.022,00 Euro und hat sich damit binnen 30 Tagen um 8,01 Prozent erholt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro aus dem Oktober 2025 trennen das Papier aber noch immer 49,08 Prozent. Anleger richten den Blick nun auf den 6. August, wenn Rheinmetall den Zwischenbericht zum zweiten Quartal 2026 samt aktualisierter Jahresprognose vorlegt. Erst dann dürfte sich zeigen, wie sich die Vielzahl neuer Aufträge und der Wegfall des F126-Programms in den Zahlen niederschlagen.

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