Rheinmetall Aktie: Lockheed-Martin-Deal für ATACMS-Produktion

Rheinmetall überwindet die 1.000-Euro-Marke, meldet neue Großaufträge, kämpft aber mit dem Aus des F126-Programms und einem gesenkten Kursziel.

Die Kernpunkte:
  • Aktie schließt über 1.000 Euro
  • Neue Aufträge aus Rüstung und Marine
  • F126-Absage belastet Marinegeschäft
  • Kursziel von Bank of America gesenkt

Rheinmetall hat am Freitag die Marke von 1.000 Euro zurückerobert. Die Aktie schloss bei 1.032,60 Euro, ein Plus von 1,29 Prozent gegenüber dem Vortag. Über die vergangenen 30 Handelstage hat sich das Papier um 9,13 Prozent verteuert – ein technischer Rebound, der laut Medienberichten auch von neuen Impulsen aus dem operativen Geschäft getragen wird, etwa dem angekündigten Ausbau der Produktionskapazitäten. Trotz der jüngsten Erholung bleibt der Titel weit unter seinem Niveau vom Jahresanfang.

Auftragswelle aus Rüstung und Marine

Der Konzern meldete in den vergangenen Tagen mehrere neue Aufträge. Rheinmetall vergab einen Rahmenvertrag über optronische Sichtsysteme für Fahrzeugplattformen an Thales. Von der Bundeswehr kam ein weiterer Abruf im Projekt „Digitalisierung Landbasierte Operationen“ im Wert von rund 100 Millionen Euro – enthalten sind unter anderem 5.000 Adapterplattensätze und 11.000 Pin Pads sowie zusätzliche Integrationsteams. Größer noch fällt der Auftrag des Bundesamts für Ausrüstung aus: Eine Arbeitsgemeinschaft aus Rheinmetall und MBDA Deutschland soll ein Hochenergie-Laserwaffensystem für die Marine bauen, der Auftragswert liegt im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Auf internationaler Ebene unterzeichnete Rheinmetall zudem ein Memorandum of Understanding mit Lockheed Martin zur gemeinsamen Produktion von ATACMS-Raketen in Deutschland – Ziel ist ein europäisches Fertigungs- und Distributionszentrum.

Auch beim Ausbau der Munitionsproduktion geht es voran: Am Donnerstag erfolgte die Grundsteinlegung für die neue Pulverfabrik „Firepower“ am Standort Aschau am Inn. Das Investitionsvolumen bewegt sich im mittleren dreistelligen Millionen-Bereich, die jährliche Kapazität soll bis 2028 auf 4.200 Tonnen verdoppelt werden.

Belastungsfaktoren: F126-Aus und gesenktes Kursziel

Gegen diese positiven Nachrichten steht ein Rückschlag im Marinegeschäft. Anfang Juli teilte Rheinmetall mit, die Absage des F126-Fregattenprogramms durch das Verteidigungsministerium zu prüfen. Der erwartete Umsatzeffekt für 2026 liegt bei bis zu 300 Millionen Euro. Als Folge stellte CEO Armin Papperger die geplante Übernahme der Kieler Werft German Naval Yards Kiel öffentlich infrage, wie das Handelsblatt berichtete – ohne die Auslastung durch das F126-Programm fehle die Grundlage für einen zweiten Werftstandort.

Auch von der Analystenseite kam zuletzt ein kritischer Ton. Bank of America senkte am 20. Juli das Kursziel für Rheinmetall deutlich von 1.770 Euro auf 1.300 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei „Buy“. Als Begründung nannten die Analysten einen möglichen NATO-Prioritätenwechsel weg von klassischen Großplattformen hin zu Drohnen und Präzisionswaffen. Trotz der Kürzung liegt das Kursziel weiterhin klar über dem aktuellen Kursniveau.

Ergänzend zu diesen operativen und analytischen Entwicklungen fielen Ende Juni mehrere Insider-Käufe auf: Die Georgi Vermögensverwaltungs GmbH, die ATP Holding GmbH sowie Aufsichtsratsmitglied Dr. Jutta Roosen-Grillo meldeten Aktienkäufe.

Blick nach vorn

Die Gemengelage aus neuen Aufträgen, dem Rückschlag im Marinegeschäft und dem gesenkten Kursziel macht die kommenden Wochen zum Prüfstein für die Aktie. Am 6. August will Rheinmetall den Bericht zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr 2026 veröffentlichen. Anleger dürften dabei besonders auf Aussagen zum F126-Umsatzausfall und zur Zukunft der Marinesparte achten – Themen, die neben der Auftragsdynamik aus Landsystemen und Munition über die weitere Kursrichtung mitentscheiden werden.

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