Rheinmetall Aktie: Papperger warnt vor leeren Raketenlagern

Rheinmetall baut Munition, Flugabwehr und Personal aus, während die Aktie deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch notiert.

Die Kernpunkte:
  • Raketenvorräte der Nato bleiben knapp
  • Skyranger-Serienfertigung für 2027 vorgesehen
  • Munitionsproduktion soll deutlich wachsen
  • Aktie bleibt unter wichtigen Durchschnittswerten

Rheinmetall-Chef Armin Papperger hat am heutigen Donnerstag ein unbequemes Bild der Nato-Bestände gezeichnet: Die Raketenvorräte seien weiterhin bedenklich leer, Engpässe bei Raketenmotoren und Gefechtsköpfen bremsten den Aufbau.

Für Anleger ist das mehr als eine Randnotiz – es erklärt, warum der Rüstungskonzern sein Investitionsprogramm von 30 Milliarden Euro über sechs Jahre unvermindert durchzieht, obwohl die Aktie seit Jahresbeginn 35 Prozent verloren hat.

Skyranger und Marschflugkörper als nächste Wachstumsstufe

Konkret nannte Papperger die Serienlieferung des Flugabwehrsystems Skyranger, die vertraglich für 2027 vorgesehen ist – mit minimalen Verzögerungen und einer angepeilten Kapazität von bis zu 400 Systemen pro Jahr ab Ende 2027. Parallel treibt Rheinmetall zwei Gemeinschaftsunternehmen in die Zielgerade: mit Destinus für Marschflugkörper und mit Lockheed Martin für Artillerieraketen.

Der erste Auftrag für Cruise Missiles wird laut Papperger Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet. Sollte das eintreten, käme ein weiteres Standbein zum Munitionsgeschäft hinzu, das ohnehin massiv ausgebaut wird – bei Mittelkalibermunition von unter einer Million auf rund vier Millionen Stück jährlich, bei Panzermunition von 40.000 bis 60.000 auf 240.000 Stück.

Der Personalaufbau unterstreicht das Tempo: Rheinmetall beschäftigt aktuell 34.000 Mitarbeiter, wächst netto um 10.000 pro Jahr und will bis 2030 auf 70.000 kommen. Die Lieferkette soll dann rund 300.000 Zulieferbetriebe umfassen. Solche Zahlen zeigen, dass der Konzern nicht auf kurzfristige Auftragsspitzen setzt, sondern auf einen strukturellen Kapazitätsausbau über Jahre.

Aufsichtsratschef Grillo: Enger Draht zum Vorstand

Auch auf der Führungsebene wird der Kurs offenbar eng abgestimmt. Aufsichtsratschef Ulrich Grillo berichtete bei einem Kongress in Düsseldorf, er telefoniere mit Vorstandschef Papperger „manchmal drei Mal am Tag“. Grillos Satz „Die Schnellen fressen die Langsamen“ passt zum Bild eines Unternehmens, das trotz schwieriger Kapitalmarktlage keine Zeit verlieren will.

Aktie bleibt unter Druck – Bewertungslücke zu Wachstumsplänen

Die Kursentwicklung spiegelt die ambitionierten Ausbaupläne bislang nicht wider. Die Aktie notiert aktuell bei 1.010,40 Euro und damit rund 50 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro vom 3. Oktober.

Zum 200-Tage-Durchschnitt von 1.372,21 Euro beträgt der Abstand 26 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der mittelfristige Abwärtstrend intakt bleibt.

Diese Diskrepanz zwischen operativer Ausbaustory und Kursverlauf dürfte Anleger in den kommenden Monaten weiter beschäftigen. Während Papperger auf strukturell steigende Kapazitäten bei Munition, Flugabwehr und Marschflugkörpern setzt, preist der Markt offenbar politische Unsicherheiten und die allgemeine Skepsis gegenüber Rüstungswerten stärker ein als die konkreten Auftragsaussichten für 2027 und darüber hinaus.

Auch international bleibt Rheinmetall aktiv: In Kanada erweitert die Tochtergesellschaft ihr Werk in Saint-Jean-sur-Richelieu zum 40-jährigen Bestehen, mit Fokus auf autonome Systeme.

In Spanien vertieft der Konzern die Zusammenarbeit mit Indra bei Landplattformen, ein Vertragsabschluss mit dem spanischen Verteidigungsministerium wird noch vor Jahresende angestrebt. Solche Nebenschauplätze zeigen: Das Wachstumsprogramm läuft auf mehreren Kontinenten gleichzeitig – die Frage bleibt, wann sich das im Aktienkurs niederschlägt.

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