Rheinmetall Aktie: Skyranger 30 verzögert sich um ein Jahr

Interne Unterlagen des Beschaffungsamts belegen Lieferverzug bei zwei Rüstungsprojekten. Rheinmetall widerspricht den Angaben, Analysten bleiben dennoch optimistisch.

Die Kernpunkte:
  • BAAINBW-Akten zeigen Verzögerungen
  • Rheinmetall widerspricht Behördenangaben
  • Analysten sehen Kurspotenzial
  • Mögliche Folgeaufträge im Raum

Kritische Akten aus dem Beschaffungsamt der Bundeswehr bringen Rheinmetall am Freitag unter Druck. Aus internen Papieren des BAAINBw geht hervor, dass sich gleich zwei wichtige Rüstungsprojekte des Konzerns deutlich verzögern sollen.

Betroffen ist zum einen das Flugabwehrsystem Skyranger 30, das laut den Unterlagen erst ab Mitte 2027 statt wie geplant Mitte 2026 ausgeliefert werden soll – ein möglicher Verzug von bis zu einem Jahr.

Rheinmetall selbst widerspricht dieser Einschätzung und spricht von lediglich fünf Monaten Verzögerung, mit einer Auslieferung zwischen 2027 und 2028. Zum anderen geht es um den Radpanzer „Schwerer Waffenträger Infanterie“: Bei diesem Auftrag über 123 Fahrzeuge und ein Volumen von 2,7 Milliarden Euro nennen die Akten einen Verzug von mindestens elf Monaten. Auch hier bestreitet Rheinmetall die Darstellung der Behörde.

Aktie gibt nach, Analysten bleiben zuversichtlich

Die Nachricht drückt auf die Stimmung: Die Rheinmetall-Aktie notiert aktuell bei 1.149,80 Euro und verliert damit im Tagesverlauf 1,1 Prozent. Damit setzt sich der leichte Abwärtstrend der vergangenen Handelstage fort, in denen der Titel bereits rund 4,6 Prozent verloren hat.

Ungeachtet der aktuellen Verzögerungsdebatte bleibt das Analystenurteil insgesamt konstruktiv: Von 14 erfassten Häusern raten zwölf zum Kauf, lediglich zwei stufen die Aktie neutral ein. Das mittlere Kursziel liegt bei 1.678,46 Euro und damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau.

Die Diskrepanz zwischen den kritischen Beschaffungsakten und der positiven Analystenhaltung zeigt, wie unterschiedlich Markt und Behörde die Lage bewerten. Während das BAAINBw offenbar auf harte Fristen und Vertragskennzahlen schaut, blicken Analysten eher auf die langfristige Auftragslage und die strategische Position des Rüstungskonzerns in Europa.

Weitere Rüstungsprojekte im Blick

Neben den beiden kritisierten Programmen kursieren am Markt auch positive Signale aus dem Rüstungsgeschäft. So soll Rheinmetall Berichten zufolge ein Gebot für German Naval Yards Kiel abgegeben haben.

Zudem wird über einen möglichen Folgeauftrag für das Schützenpanzerprogramm Puma spekuliert – im Raum steht ein Volumen von 5 Milliarden Euro für 200 weitere Fahrzeuge. Beide Themen sind bislang nicht bestätigt, unterstreichen aber die Breite des Auftragsportfolios, auf das der Konzern trotz der aktuellen Verzugsdiskussion zurückgreifen kann.

Für Anleger dürfte entscheidend sein, ob sich die Verzögerungen bei Skyranger 30 und dem Radpanzer SWI auf künftige Zahlungsströme und mögliche Vertragsstrafen auswirken. Klarheit darüber könnten die Quartalszahlen bringen, die Rheinmetall für den 5. November angekündigt hat. Bis dahin dürfte die Diskrepanz zwischen behördlicher Kritik und Kapitalmarktoptimismus die Nachrichtenlage rund um den Rüstungskonzern prägen.

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