Rheinmetall Aktie: Twinvis-Integration in Skymaster
Rheinmetall integriert Hensoldt-Radar in Skymaster und erwartet Auftragsbestand über 100 Mrd. Euro. Kritik der Bundeswehr belastet die Aktie.

- Erfolgreiche Radar-Integration bei NATO-Übung
- Auftragsbestand soll 100-Milliarden-Marke knacken
- Großauftrag für Militärlager in Litauen
- Aktie trotz Kritik und Kursverlust stabil
Rheinmetall hat bei der NATO-Übung „Timber Express 2026“ eine technische Neuerung erfolgreich vorgeführt: Die Integration des Passivradars Twinvis von Hensoldt in das eigene Führungs- und Waffeneinsatzsystem Skymaster hat funktioniert, wie das Unternehmen am 19. August mitteilte.
Für Anleger ist das mehr als eine technische Randnotiz – es zeigt, wie der Konzern sein Portfolio im Bereich Luftverteidigung und Sensorik vernetzt und damit seine Position als Systemanbieter im europäischen Rüstungssektor ausbaut.
Auftragsbestand soll die 100-Milliarden-Marke knacken
Parallel dazu rückt eine andere Zahl in den Fokus: Rheinmetall rechnet nach Medienberichten damit, den Auftragsbestand bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres auf über 100 Milliarden Euro zu heben. Grundlage sind historisch hohe Bestellvolumina im europäischen Rüstungssektor. Diese Prognose fügt sich in eine Reihe von Meldungen der vergangenen Wochen, in denen der Konzern immer wieder auf sein Wachstumstempo verwiesen hat.
Dass die Nachfrageseite stimmt, zeigt auch der jüngste Großauftrag aus Litauen: Das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr hat am gestrigen Dienstag den ersten Abruf für den Bau und Betrieb eines modularen Militärlagers für bis zu 2.000 Soldaten freigegeben.
Der Aufbau ist mit 250 Millionen Euro veranschlagt, der laufende Betrieb soll rund 40 Millionen Euro pro Jahr kosten. Die Buchung war bereits im dritten Quartal erfolgt, die Inbetriebnahme der Liegenschaft ist für Mitte August 2027 geplant.
Kritik der Bundeswehr als Belastungsfaktor
Nicht alle Nachrichten fallen positiv aus: Am 21. August wurde öffentliche Kritik des Beschaffungsamtes an der Performance von Rüstungsdienstleistern bekannt, die laut Marktberichten auch Rheinmetall unter verstärkte Beobachtung stellt. Ein solches Signal aus Berlin dürfte Investoren nicht kaltlassen, zumal der Konzern stark von öffentlichen Aufträgen der Bundeswehr abhängt.
Am Kapitalmarkt zeigt sich diese gemischte Gemengelage: Die Aktie schloss am Dienstag bei 1.119,80 Euro, ein Minus von 0,4 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 28 Prozent zu Buche, verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch von gut 2.000 Euro aus dem Oktober liegt das Papier rund 44 Prozent tiefer.
Zum 50-Tage-Durchschnitt von 1.093,89 Euro besteht dagegen noch ein leichter Aufschlag von 2,4 Prozent – ein Hinweis darauf, dass sich der kurzfristige Trend zuletzt stabilisiert hat, auch wenn der langfristige Abwärtstrend intakt bleibt.
Analysten bleiben verhalten optimistisch
Mitte August äußerten sich zwei große Häuser zur Aktie. JPMorgan-Analyst David Perry bestätigte am 17. August die Einstufung „Neutral“ mit einem Kursziel von 1.350 Euro und verwies auf mittelfristige Unsicherheiten bei den Umsatzerwartungen für die Jahre 2027 bis 2030, trotz starker Ergebnisse im zweiten Quartal.
Jefferies hatte drei Tage zuvor an seiner Kaufempfehlung mit demselben Kursziel von 1.350 Euro festgehalten. Beide Einschätzungen liegen damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau.
Der nächste wichtige Termin für Anleger ist die Veröffentlichung der Quartalszahlen zum dritten Quartal, die vorläufig für den 5. November angesetzt ist. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob sich die technologische Fortschritte wie die Skymaster-Twinvis-Integration und der wachsende Auftragsbestand stärker im Kurs niederschlagen als die Kritik der Beschaffungsbehörde.
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