Rheinmetall Aktie: Umsatz springt 69,8 Prozent
Rheinmetall überzeugt mit kräftigem Umsatzplus im zweiten Quartal, senkt aber wegen des F126-Aus die Jahresziele. Neue Aufträge und eine Anleihe stützen die Wachstumsstrategie.

- Umsatzsprung um fast 70 Prozent
- F126-Stopp senkt Jahresprognose
- Neue Aufträge aus Marine und Heer
- Anleihe über 500 Millionen Euro platziert
Rheinmetall hat mit den Zahlen zum zweiten Quartal gezeigt, dass der Ausfall des Fregattenprogramms F126 das operative Geschäft kaum bremst. Der Umsatz kletterte um 69,8 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis verdoppelte sich nahezu auf 562 Millionen Euro.
Die operative Marge lag bei 17,1 Prozent – ein Wert, der die Profitabilität des Rüstungskonzerns unterstreicht, während gleichzeitig die Jahresprognose nach unten korrigiert wurde.
Grund für die Kürzung ist der überraschende Stopp des milliardenschweren F126-Programms durch das Bundesverteidigungsministerium. Rheinmetall senkte deshalb die Umsatzprognose für das laufende Jahr um 300 Millionen Euro auf eine Spanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro.
Auch das Ziel für den Auftragsbestand wurde angepasst: Statt der zuvor avisierten 135 Milliarden Euro peilt das Management nun eine Bandbreite von 100 bis 120 Milliarden Euro an. Zum Stichtag lag der Auftragsbestand bei 80,4 Milliarden Euro.
Neue Aufträge kompensieren den Ausfall
Während der Wegfall des Marineprojekts die Prognose belastet, füllen zahlreiche kleinere und mittlere Aufträge die Lücke. Die Deutsche Marine vergab an Rheinmetall den Zuschlag für die umfassende Modernisierung der Fregatte „Bayern“ auf der Neuen Jadewerft in Wilhelmshaven, das Volumen liegt im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Das britische Verteidigungsministerium bestellte zudem Waffenanlagen für die Radhaubitze RCH 155 im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Auch national bleibt das Geschäft lebhaft: Das deutsche Heer orderte bei der Tochter Rheinmetall MAN Military Vehicles weitere 56 Schwerlasttransporter vom Typ HX81 „Elefant 2“ im Wert von 60,5 Millionen Euro.
Parallel treibt Rheinmetall die Expansion in den USA voran. Die US-Tochter American Rheinmetall schloss die Fertigung des ersten Prototyps des Schützenpanzers Lynx XM30 für das Testprogramm der US Army ab. Die Erprobung gegen den Konkurrenten General Dynamics Land Systems startet im Herbst – ein Auftrag würde den Konzern in einem der größten Beschaffungsmärkte der Welt weiter verankern.
Frisches Kapital für weiteres Wachstum
Um das Wachstumstempo zu finanzieren, begab Rheinmetall eine vorrangige, unbesicherte Anleihe über 500 Millionen Euro mit Laufzeit bis 2031 und einem Kupon von 3,375 Prozent. Der Schritt signalisiert, dass der Konzern trotz der milliardenschweren Investitionen in Kapazitätsausbau und Rüstungsproduktion auf eine solide Finanzierungsbasis setzt.
An der Börse zeigt sich das Bild zweigeteilt. Der Kurs notiert aktuell bei 1.169,60 Euro und damit rund 6,7 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen kurzfristiger Stabilisierung.
Seit Jahresbeginn steht die Aktie jedoch mit 25 Prozent im Minus, und der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro aus dem Oktober beträgt weiterhin 42 Prozent. Die Diskrepanz zwischen starken operativen Zahlen und der schwachen Jahresperformance dürfte Anleger weiter beschäftigen.
Analysten uneinig über Kursziel
RBC Capital Markets nahm die Coverage der Aktie mit „Outperform“ auf und setzte ein Kursziel von 1.600 Euro. Analyst Colin Moody erwartet ein durchschnittliches EBITA-Wachstum von 35 Prozent bis 2030. Warburg Research bestätigte am Montag die Einstufung „Buy“ mit einem unveränderten Kursziel von 1.500 Euro.
Beide Häuser sehen im aktuellen Kursniveau demnach noch deutliches Aufwärtspotenzial, gestützt auf die Wachstumsdynamik im Rüstungsgeschäft trotz der Kürzung bei F126.
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