Rheinmetall Aktie: Wackelt das Auftragspolster?
Jefferies sieht starke Quartalserwartungen, verweist aber auf mögliche Verzögerungen bei Großverträgen als Risiko für Rheinmetalls Jahresendziel.

- Auftragsbestand lag im zweiten Quartal über 80 Milliarden Euro
- Vorstand peilt zum Jahresende 100 Milliarden Euro an
- Jefferies erwartet 39 Prozent Umsatzwachstum
- Kaufempfehlung und Kursziel von 1.350 Euro bestätigt
Rheinmetalls Ziel für den Auftragsbestand rückt vor den Quartalszahlen am 5. November 2026 in den Mittelpunkt. Jefferies erwartet zwar ein solides Quartal und eine Bestätigung der Jahresziele. Das angestrebte Auftragspolster von mehr als 100 Milliarden Euro könnte nach Einschätzung des Analysehauses jedoch gefährdet sein. Entscheidend sind mögliche Verschiebungen bei Großverträgen, nicht allein das laufende Geschäft.
Großaufträge bestimmen die Messlatte
Jefferies verweist auf zwei Unsicherheiten: einen möglichen späteren Abschluss des Arminius-Vertrags und eine begrenzte erste Auftragstranche aus Italien. Beide Punkte könnten beeinflussen, ob Rheinmetall das avisierte Auftragsvolumen rechtzeitig erreicht. Die Analystin Chloe Lemarie lenkt den Blick deshalb ausdrücklich auf die Aussagen zum angestrebten Auftragsbestand.
Zum Ende des zweiten Quartals lag dieser bei etwas mehr als 80 Milliarden Euro. Für das Jahresende peilt der Vorstand 100 Milliarden Euro an. Damit kommt den erwarteten Vertragsabschlüssen im Schlussquartal besondere Bedeutung zu.
Eine mögliche Verschiebung wäre dabei von einem Verlust des Geschäfts zu unterscheiden. Jefferies beschreibt ein Terminrisiko beim Arminius-Vertrag, keine bestätigte Absage. Für Anleger zählt deshalb nicht nur die Höhe des ausgewiesenen Auftragspolsters. Ebenso wichtig ist, welche Abschlüsse Rheinmetall noch im laufenden Jahr erwartet.
Waffen und Munition sollen Ergebnis stützen
Für das anstehende Quartal erwartet Jefferies ein Umsatzwachstum von 39 Prozent und einen Anstieg des bereinigten operativen Ergebnisses um 51 Prozent. Im Waffen- und Munitionsgeschäft rechnet das Haus mit einer Marge von 26,7 Prozent.
Dieses Geschäft soll nach Lemaries Einschätzung ein wesentlicher Rückhalt des Quartals sein. Eine starke operative Entwicklung würde allerdings nicht automatisch die Unsicherheit über den Zeitpunkt großer Bestellungen beseitigen. Ergebnisqualität und Auftragseingang bilden deshalb unterschiedliche Prüfsteine für den Bericht.
Der S&P-Konsens erwartet einen Quartalsumsatz von 3,2 Milliarden Euro. Der ausgewiesene Nettogewinn soll 286 Millionen Euro erreichen, ein Plus von 83 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Dabei handelt es sich um Erwartungen, nicht um bereits veröffentlichte Ergebnisse.
Telefonkonferenz muss zeitliche Klarheit schaffen
Neben den Zahlen soll die Telefonkonferenz Aufschluss über die erwarteten Auftragseingänge im Schlussquartal geben. Weitere Themen sind Chancen aus dem deutschen Haushaltsentwurf für das kommende Jahr und die geplante Werftübernahme nach dem Verlust des F126-Auftrags. Für die Beurteilung des Auftragsziels sind vor allem konkrete Aussagen zu den Vertragszeitpunkten relevant.
Jefferies hat heute seine Kaufempfehlung und das Kursziel von 1.350 Euro bestätigt. Die positive Einschätzung steht damit neben einem klar benannten Risiko für den angestrebten Auftragsbestand.
Der Bericht muss folglich zwei Fragen zusammenführen: Trägt das Waffen- und Munitionsgeschäft die erwartete Ergebnisentwicklung, und kommen die großen Verträge rechtzeitig? Eine Bestätigung der Jahresziele wäre ein positives Signal. Für die Einordnung des Auftragspolsters braucht es zusätzlich belastbare Aussagen zum Abschluss der noch erwarteten Bestellungen.
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