Rheinmetall, Gold, Deutsche Bank: Welcher Schutz trägt bei fünf Prozent Rendite?
Rüstung hält sich besser als Gold und Banken; hohe Anleiherenditen belasten Edelmetalle, während Kreditrisiken Finanzwerte drücken.

- Rheinmetall steigt gegen den Markt
- Gold verliert trotz geopolitischer Spannungen
- Bankaktien leiden unter Kreditrisiken
- Autowachstum kommt deutschen Herstellern kaum zugute
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
die klassischen Krisenversicherungen funktionieren nicht mehr alle gleichzeitig. Brent notiert über 100 Dollar, der DAX rutschte unter 25.000 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Ende Juli.
Doch Gold tritt auf der Stelle, Bankaktien fallen trotz steigender Zinsen, und ausgerechnet Rheinmetall zählt zu den wenigen Gewinnern im Leitindex. Für Ihr Depot ist deshalb nicht die Frage, ob die Lage riskant ist. Entscheidend ist, welcher Schutz bei Anleiherenditen von über fünf Prozent überhaupt noch wirkt.
Rheinmetall: Am 52-Wochen-Tief gegen den Markt
Rheinmetall stemmt sich gegen einen schwachen Gesamtmarkt. Die Aktie legt im Verlauf knapp ein Prozent auf 934,70 Euro zu, während der DAX nachgibt und der MDAX rund zwei Prozent verliert. Das ist bemerkenswert, denn Rheinmetall notiert nur gut 30 Euro über dem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro aus dem Juni.
Binnen zwölf Monaten hat sich der Kurs mehr als halbiert, vom Januarhoch aus beträgt das Minus rund 52 Prozent. Der Börsenwert liegt noch bei rund 44 Milliarden Euro, nach einem Januarhoch von 1.965 Euro je Aktie.
Hinter dem Abverkauf steht eine Sorge, keine Zahl: Anleger fürchten, dass das auf konventionelle Kriegsführung ausgerichtete Portfolio nicht mehr zu einem Krieg passt, der von Drohnenabwehr und Raketen geprägt ist.
Die Analysten sehen das anders. Jefferies, Deutsche Bank und Berenberg bestätigten in den vergangenen zwei Wochen ihre Kaufempfehlungen. Für 2026 rechnet der Analystenkonsens mit einer Dividende von rund 14 bis 16 Euro, nach 11,50 Euro für 2025.
Und die Beschaffung läuft weiter. Der Bundestag billigte heute vier Fregatten von TKMS für 5,3 Milliarden Euro. Rheinmetall profitiert davon nicht direkt, aber der Beschluss zeigt, dass der Haushalt die Rüstungsausgaben weiter freigibt.
Wer Rheinmetall am 52-Wochen-Tief kauft, wettet nicht auf neue Rekorde, sondern auf eine Normalisierung überzogener Ängste – und die Quartalszahlen am 5. November müssen diese Wette dann mit Auftragseingängen unterlegen.
Autos: Der Markt wächst, die Gewinne landen woanders
Die Autobranche liefert an diesem Donnerstag den deutlichsten Beleg, dass Wachstum allein keine Rendite garantiert. Die Gewinnwarnung von OPmobility zog am Donnerstag den gesamten Zuliefersektor nach unten.
Der französische Zulieferer kappte seine Jahresprognose wegen Produktionspausen bei Stellantis, die OPmobility-Aktie verliert im Verlauf 13 Prozent auf ein neues Tief bei 9,81 Euro. Aumovio fällt im MDAX um 7,5 Prozent, Schaeffler rutscht zeitweise unter sechs Euro auf ein Zwölfmonatstief. Continental gibt 3,2 Prozent ab, obwohl Bernstein die Aktie hochgestuft hat.
Bei den Herstellern sieht es nicht besser aus. BMW markierte am Donnerstag bei 52,00 Euro ein neues 52-Wochen-Tief und hat seit Jahresbeginn 44 Prozent verloren. BMW peilt für 2026 nur noch eine Ebit-Marge im Autogeschäft von ein bis drei Prozent an. Volkswagen erwartet für 2026 eine operative Rendite von höchstens einem Prozent, belastet durch zehn Milliarden Euro Sonderlasten.
Dazu kommt heute ein Rückruf von 22.524 ID.4-Elektroautos in den USA wegen Brandgefahr der Batterie. Mercedes-Benz meldete für das dritte Quartal einen Absatzeinbruch in China von 31 Prozent, weltweit sank der Absatz um sechs Prozent auf 492.000 Fahrzeuge.
Das Paradoxe daran: Der deutsche Markt boomt. Der Verband VAD hob seine Prognose für die Neuzulassungen 2026 von 2,6 auf rund drei Millionen Pkw an, im September lag das Plus bei neun Prozent. Doch BYD legte im September um 85,6 Prozent zu, Tesla um 268,7 Prozent.
Rund 15 Prozent der bisher staatlich geförderten Neuwagen entfallen auf chinesische Hersteller. Der Markt wächst also, aber das Wachstum fließt an den deutschen Herstellern vorbei – wer jetzt auf eine Erholung von BMW oder VW setzt, kauft Margen von ein bis drei Prozent in einem Markt, den BYD gerade neu verteilt.
Ein Gegenbeispiel liefert Daimler Truck. Der Lkw-Absatz stieg im dritten Quartal um 26 Prozent auf 91.260 Fahrzeuge, in Nordamerika sogar um 51 Prozent. RBC bestätigt Outperform mit Kursziel 63 Euro, die Daimler-Truck-Aktie hält sich bei 40,67 Euro stabil im fallenden Markt. Die vollständigen Zahlen folgen am 6. November.
Banken: Höhere Zinsen, aber keine Margenfantasie
Eigentlich müsste das Umfeld Bankaktien tragen. Die EZB hat den Einlagesatz im September auf 2,50 Prozent angehoben, ein weiterer Schritt im Dezember ist am Geldmarkt voll eingepreist. Die Inflation im Euroraum stieg im September auf 3,8 Prozent, die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt bei rund 3,5 Prozent.
Doch der europäische Bankenindex fiel am Donnerstag um bis zu 2,2 Prozent. Der Grund liegt in Paris: Der Renditeaufschlag französischer gegenüber deutschen Staatsanleihen hat sich im Oktober ausgeweitet. UBS-Chefanlagestratege Mark Haefele sieht zwar keine akute Finanzkrise, aber der Markt preist Kreditrisiken, nicht Zinsmargen.
Die Deutsche Bank notiert bei 29,62 Euro und hat in 30 Tagen 16 Prozent verloren, nach einem Hoch von 35,84 Euro Anfang September. Das mittlere Analysten-Kursziel liegt bei 37,75 Euro, die Dividende von einem Euro für 2025 entspricht beim aktuellen Kurs einer Rendite von rund 3,4 Prozent.
Zusätzlich belastet eine Studie von EY-Parthenon. Rund 25 Prozent der Immobilienkredite in den Büchern deutscher Finanzierer werden innerhalb von zwei Jahren fällig, bei fallenden Preisen und hohen Zinsen.
Bei UBS wiederum streiten Bern und die Bank über die Kapitalanforderungen. UBS beziffert den Mehrbedarf auf 16 Milliarden Dollar, das Staatssekretariat nur auf fünf. Die UBS-Aktie hat in 30 Tagen zwölf Prozent eingebüßt. Die Lehre für Anleger: Steigende Zinsen sind für Banken nur dann eine Margenstory, wenn die Kreditqualität hält – und genau daran zweifelt der Markt gerade bei französischen Staatsanleihen und deutschen Gewerbeimmobilien.
Gold: Versicherung gegen Krieg, nicht gegen Zinsen
Gold notiert bei rund 4.110 Dollar je Unze, umgerechnet etwa 3.670 Euro, praktisch unverändert zum Vortag. Am Mittwoch hatte der Preis ein Zweimonatstief markiert. Das ist angesichts der Lage erstaunlich: Angriffe auf Tanker vor Katar, Berichte über US-Militäroptionen gegen den Iran, Brent über 100 Dollar.
Trotzdem liegt Gold binnen 30 Tagen 5,6 Prozent tiefer und seit Jahresbeginn 4,8 Prozent im Minus, weit entfernt vom Januarhoch bei knapp 5.600 Dollar.
Die Erklärung liefern die Anleihen. Die zehnjährige US-Rendite steht bei über 5,3 Prozent, dem höchsten Stand seit 2002, und Gold zahlt keinen Zins. Händler sehen die Unterstützung bei 4.100 Dollar, ein Bruch würde den Weg zu 4.000 Dollar öffnen, der Widerstand liegt bei 4.200. Silber leidet stärker und fällt um rund zwei Prozent unter 59 Dollar. Die Zentralbanken bleiben gespalten: Chinas Notenbank kaufte im September 23 Tonnen, Russland verkaufte in diesem Jahr 56 Tonnen.
Bitcoin taugt derzeit noch weniger als Schutz. Der Kurs fiel zuletzt unter 82.000 Dollar, US-Bitcoin-ETFs verzeichneten am Mittwoch Abflüsse von 485 Millionen Dollar. Gold funktioniert in diesem Umfeld als Versicherung gegen eine Eskalation im Golf, nicht als Schutz vor steigenden Zinsen – wer es im Depot hält, sollte es als Krisenpolster betrachten und nicht als Renditebringer der nächsten Monate.
Für Anleger, die über passiven Krisenschutz hinaus aktiv nach Chancen suchen, bietet sich ein Blick auf einen ganz anderen Ansatz an: Im Live-Webinar „Tech-Aktien Trader: Scharfschützen-Trading“ zeigt Bernd Wünsche am 11.10.2026 um 18:00 Uhr, wie sein Algorithmus konkrete Einstiegspunkte bei Tech-Aktien identifiziert – im Schnitt alle zweieinhalb Wochen ein neues Signal, nicht auf Bestellung. Vorgestellt werden die Mechanik hinter den Trades und die Kriterien, nach denen das System Wertpapiere, Einstiegskurse und Handlungsanweisungen bestimmt. Sie erfahren, wie Sie als Teilnehmer künftige Signale direkt erhalten, statt die Ergebnisse erst im Nachhinein in den Kursständen abzulesen. Jetzt Platz im Webinar sichern
Südzucker, Jungheinrich, GEA, Fresenius: Vier Urteile im Nebenwerte-Segment
In der zweiten Reihe zeigt sich, wie wenig Geduld der Markt derzeit aufbringt. Südzucker kehrte im ersten Halbjahr 2026/27 mit einem Überschuss von 61 Millionen Euro in die Gewinnzone zurück, nach einem Verlust von 60 Millionen im Vorjahr. Die Südzucker-Aktie verliert dennoch im Verlauf 3,7 Prozent, die Details der Quartalszahlen überzeugten nicht. Seit Jahresbeginn steht aber noch ein Plus von 31 Prozent.
Jungheinrich bricht um 5,8 Prozent ein, nachdem Bank of America die Aktie auf Underperform gesenkt hat. GEA erhält von MPCM ein höheres Kursziel von 67 statt 64 Euro, die Einstufung bleibt Hold. Grund ist ein signalisiertes zweistelliges Auftragswachstum vor den Quartalszahlen.
Bei Fresenius Medical Care übernimmt Shervin Korangy ab 12. Oktober den Vorstandsvorsitz von Helen Giza. Die FMC-Aktie verliert 2,4 Prozent, Großaktionär Fresenius gibt im Verlauf 3,3 Prozent ab und nähert sich wieder seinem Junitief.
Der globale Kompass
Die kommenden Wochen entscheiden, ob die Absicherungen wieder im Gleichschritt laufen. Am 14. Oktober kommen die US-Inflationsdaten, am 28. Oktober tagt die Fed, die EZB dürfte im Oktober pausieren und im Dezember erhöhen. Für Rheinmetall zählt der 5. November, für Daimler Truck der 6. November.
Für die Banken zählen die nächste Tarifrunde am 2. November und vor allem der französische Renditeaufschlag. Bis dahin gilt: Rüstung hält, Gold schützt nur gegen Geopolitik, und Autos und Banken brauchen mehr als niedrige Kurse, um wieder Käufer zu finden.
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