Rheinmetall investiert, DroneShield fällt: Rüstungsaktien uneinig

Rheinmetall startet Pulverwerk-Bau, während Leerverkäufer auf DroneShield setzen. AeroVironment hofft auf Laser-Deal der US-Armee.

Die Kernpunkte:
  • Rheinmetall beginnt Bau einer Pulverfabrik
  • DroneShield mit steigenden Short-Positionen
  • AeroVironment winkt Milliarden-Laserauftrag
  • Red Cat kämpft mit Führungsstreit

Während in Bayern die Bagger für eine neue Pulverfabrik anrollen, wetten Leerverkäufer in Australien auf den nächsten Kursrutsch bei DroneShield. Gleichzeitig hofft AeroVironment auf einen halben Milliarden Dollar schweren Laser-Auftrag der US-Armee. Der Rüstungssektor zeigt gerade, wie unterschiedlich Anleger denselben Boom bei Verteidigungsausgaben bewerten können.

Rheinmetall: Grundstein für 650-Millionen-Euro-Pulverwerk

Rheinmetall hat diese Woche in Aschau am Inn den Grundstein für eine deutliche Erweiterung seiner Pulverproduktion gelegt. Die Tochtergesellschaft Nitrochemie investiert dort einen Großteil einer insgesamt 650 Millionen Euro schweren Investition in Treibladungspulver und dessen energieintensive Vorprodukte.

Bis 2030 soll die jährliche Konzernkapazität auf 20.000 Tonnen steigen, um den Bedarf von Bundeswehr, NATO und EU zu decken. Die Produktion in Aschau selbst soll sich mehr als verdoppeln, die Belegschaft am Standort deutlich wachsen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder war bei der Zeremonie ebenso dabei wie Rheinmetall-Chef Armin Papperger, der die Unabhängigkeit bei der Pulverproduktion als entscheidend für die nationale Souveränität bezeichnete. Volle Produktionskapazität wird erst 2028 erreicht — ein langer Atem ist also gefragt.

An der Börse bleibt die Aktie nach einem Rückschlag im Juni rund um ein Fregatten-Programm volatil. Zuletzt zeigte sich aber wieder Stabilisierung: Der Kurs stieg am Freitag um 1,29 Prozent auf 1.032,60 Euro, nach einem Plus von 5,34 Prozent auf Wochensicht und 9,13 Prozent auf Monatssicht. Von den Rekordständen im Herbst ist das Papier trotzdem weit entfernt.

Die Analystenmeinungen gehen auseinander. Berenberg senkte das Kursziel von 1.750 auf 1.600 Euro, beließ aber die Kaufempfehlung. Bernstein bestätigte Outperform bei 1.900 Euro, während JPMorgan mit einem Ziel von 1.350 Euro deutlich zurückhaltender bleibt. Barclays sieht dagegen mit 2.000 Euro das höchste Kursziel im Feld. Operativ läuft es unterdessen solide: Der Konzernumsatz stieg im ersten Quartal um 8 Prozent auf 1,938 Milliarden Euro, bei weiter steigendem operativem Gewinn.

DroneShield: Leerverkäufer bauen Position aus

Kaum eine Aktie am australischen Markt wird derzeit so intensiv gegen die eigene Erholung gewettet wie DroneShield. Die Leerverkaufspositionen kletterten seit Anfang Juli um gut 7 Millionen Aktien, während die Gesamtzahl ausstehender Anteile mit rund 924 Millionen stabil blieb. Damit liegt das Short-Interest inzwischen fast doppelt so hoch wie bei der australischen Konkurrentin Electro Optic Systems.

Der Kurs gab am Freitag um 5,52 Prozent nach und schloss bei 1,28 Euro. Auf Monatssicht steht ein Minus von 14,11 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es fast 29 Prozent. Vom Hoch aus dem Oktober trennen die Aktie inzwischen fast 65 Prozent — ein Absturz, der mit dem allgemeinen Rüstungsboom kaum noch etwas zu tun hat.

Jefferies kappte seine Umsatzprognosen für die Jahre 2026 bis 2028 um rund 9 Prozent und senkte das Kursziel um 27 Prozent. Belastend wirkt zusätzlich eine laufende Prüfung der australischen Aufsichtsbehörde ASIC, die Aussagen und Offenlegungen des Unternehmens gegenüber der Börse sowie den Handel mit den Aktien im November unter die Lupe nimmt. Der Konzern kündigte Kooperation an, wartet aber selbst auf Ergebnisse. Nicht jeder Analyst ist pessimistisch: Canaccord Genuity erneuerte erst kürzlich seine Kaufempfehlung mit einem Zwölfmonatsziel von umgerechnet rund 3,75 australischen Dollar.

Electro Optic Systems: Erholung unterhalb der Kapitalerhöhung

Electro Optic Systems kämpft sich aus einem scharfen Kursrutsch von Mitte Juli zurück, liegt aber weiterhin unter dem Preis der jüngsten Kapitalerhöhung. Am Freitag gab die Aktie um 3,54 Prozent nach und schloss bei 4,25 Euro, nach einem Plus von 1,12 Prozent auf Wochensicht. Auf Monatssicht bleibt mit minus 26,40 Prozent aber ein deutlicher Verlust stehen.

Rückhalt gibt der Auftragsbestand: Für Juni meldete das Unternehmen unbedingt gesicherte Verträge im Volumen von umgerechnet mehreren hundert Millionen australischen Dollar — ein beträchtlicher Teil der eigenen Marktkapitalisierung. Diese Auftragsflut folgte auf eine verwässernde institutionelle Platzierung im Mai, bei der neue Aktien deutlich unter dem heutigen Kursniveau ausgegeben wurden. Für 2026 rechnet das Management mit einem eigenständigen Umsatz im mittleren dreistelligen Millionenbereich.

Kleinere Zusatzaufträge, etwa für das Gegendrohnensystem R400 Slinger im Auftrag der australischen Regierung, ergänzen die Pipeline. Die jüngste Analystenmeinung bleibt eine Kaufempfehlung mit klar über dem aktuellen Kurs liegendem Kursziel.

Red Cat: Technologiedurchbruch trifft auf Führungsstreit

Red Cat lieferte diese Woche ein technologisches Update, während im Unternehmen gleichzeitig ein Führungsstreit eskaliert. Die Integration mit C3A Solutions verbindet das kleine unbemannte Fluggerät Black Widow mit taktischen Feuerleitnetzwerken und erlaubt es, Video- und Zieldaten direkt in Einsatzabläufe einzuspeisen. Der zuständige Technikchef betonte, moderner Gefechtsfeldvorteil hänge davon ab, wie schnell Aufklärungsdaten von der Erkennung zur Entscheidung gelangen.

Parallel dazu kündigte der Vorstand die fristlose Entlassung des bisherigen Chief Revenue Officer an. Dieser reagierte mit einer Klage wegen angeblich vergeltungsmotivierter Kündigung und Vertragsbruch, die das Unternehmen bestreiten will. Der nächste wichtige Termin ist der Quartalsbericht am 6. August — der Rechtsstreit dürfte bis dahin unentschieden bleiben und als Belastung im Hintergrund mitschwingen.

Am Kursmarkt zeigte sich zuletzt Nervosität: Die Aktie fiel am Freitag um 5,18 Prozent auf 6,70 Euro, nach einem Minus von 18,74 Prozent im Monatsvergleich. Seit Jahresbeginn steht die Aktie damit praktisch unverändert da. Die Produktpipeline wächst dennoch weiter, zuletzt mit der Vorstellung des neuen Modells Hellcat auf Basis der Black-Widow-Plattform. Roth/MKM nahm die Coverage jüngst mit einer Kaufempfehlung auf und verwies auf Produktionskapazitäten, die deutlich über der aktuellen Umsatzguidance liegen.

AeroVironment: Erholung ruht auf Halbmilliarden-Laserdeal

Kaum eine Aktie im Sektor schwankt derzeit so stark wie AeroVironment. Nach einem herben Kursverfall seit dem Frühjahr zeigt sich zuletzt eine vorsichtige Gegenbewegung: Auf Wochensicht steht ein Plus von 5,87 Prozent, auf Monatssicht von 5,03 Prozent. Am Freitag selbst rutschte der Kurs allerdings wieder um 5,66 Prozent auf 131,60 Euro ab — ein Beleg dafür, wie nervös der Markt das Papier derzeit handelt.

Auslöser der Fantasie sind Gespräche der US-Armee mit AeroVironment über das Programm Enduring High Energy Laser, ein Vorhaben im Bereich gerichteter Energie, das ein Analyst auf ein Volumen von rund 500 Millionen Dollar taxiert. Raymond James stufte die Aktie daraufhin auf Outperform hoch. Andere Häuser bleiben zwar bullish, senkten aber ihre Kursziele: Canaccord reduzierte sein Ziel, Citizens ebenfalls, beide behielten jedoch positive Einstufungen bei.

Fundamental untermauert wird die Story von einem Rekordquartal mit einem Umsatz deutlich über den Erwartungen, einem Book-to-Bill-Verhältnis von 1,4 und einem Auftragsbestand von 1,2 Milliarden Dollar. Hinzu kommt ein neuer Auftrag der US-Armee für Gegendrohnensysteme sowie eine Bestellung der Bundeswehr über die NATO-Beschaffungsagentur für Aufklärungsdrohnen des Typs Puma. Auf der Investorenkonferenz stellte das Management das Ziel vor, den Umsatz bis 2030 auf 3,5 bis 4 Milliarden Dollar zu verdoppeln. Belastend wirkt weiterhin eine Sammelklage im Zusammenhang mit dem früheren Kursverfall.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Aktien zeigen einen gespaltenen Markt. Rheinmetall und AeroVironment stützen sich auf große, mehrjährige Staatsaufträge und Kapazitätsausbauten, die Analysten trotz gesenkter Kursziele bei der Nachfrage zuversichtlich stimmen. DroneShield und Electro Optic Systems, beide australische Spezialisten für Gegendrohnentechnik, driften dagegen in der Anlegergunst auseinander, obwohl sie im selben Marktsegment tätig sind. Red Cat bewegt sich dazwischen: echter technologischer Fortschritt trifft auf einen Führungsstreit mit Rechtsrisiko.

Einige Punkte fassen die Lage zusammen:

  • Rheinmetall: Langfristiger Kapazitätsaufbau, aber gedämpfte Kursziele nach dem Fregatten-Rückschlag
  • DroneShield: Hohe Short-Quote und laufende ASIC-Prüfung belasten trotz vereinzelter Kaufempfehlungen
  • Electro Optic Systems: Kursniveau unter Platzierungspreis, aber starker Auftragsbestand als Stütze
  • Red Cat: Technologische Fortschritte überschattet von Führungskrise und Klage
  • AeroVironment: Laser-Hoffnung und Rekordquartal gegen anhaltende Kursvolatilität

Auffällig ist, dass bei nahezu allen fünf Unternehmen die Auftragsbücher als Rekord oder nahe Rekord gelten. Die eigentliche Frage lautet jeweils, wie schnell sich diese Bestellungen in tatsächlichen Umsatz und Kursstabilität übersetzen lassen.

Rüstungssektor zwischen Auftragsboom und Umsetzungsdruck

Rheinmetalls nächster Quartalsbericht am 6. August wird zeigen, ob die Dynamik aus Bayern den Rückschlag im Juni ausgleichen kann. Bei DroneShield dürften die Short-Quote und der Ausgang der ASIC-Prüfung weiter über die Stimmung entscheiden. Electro Optic Systems muss zeigen, dass sich der Auftragsbestand in echte Zahlungsströme verwandeln lässt.

Red Cat legt seinen Quartalsbericht ebenfalls am 6. August vor, während die Klage des früheren Vertriebschefs weiterhin ungeklärt bleibt. Bei AeroVironment richtet sich der Blick auf die Verhandlungen mit der US-Armee über das Laserprogramm — gelingt der Abschluss, könnte das den nächsten Kursimpuls liefern. Die Auftragsbücher im gesamten Sektor sind gut gefüllt. Ob sich daraus verlässliche Kursgewinne ergeben, hängt von der Umsetzung ab.

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