Rheinmetall und RTL im Aufwind — Hochtief büßt nach Rallye kräftig ein

Rüstungs- und Medienwerte treiben den MDAX, während Hochtief nach Rekordrallye Gewinnmitnahmen verzeichnet.

Die Kernpunkte:
  • Rheinmetall erholt sich dank Citigroup-Einschätzung
  • RTL profitiert von profitabler Streaming-Sparte
  • Hochtief erlebt Kursrücksetzer nach starkem Jahreslauf
  • Aurubis konsolidiert nach jüngstem Allzeithoch

Rüstungsaktien und Medientitel treiben den MDAX am Montag nach oben, während bei Baukonzern Hochtief nach einer beispiellosen Kursrallye die Kassen klingeln. Die Sektorallokation entscheidet heute mehr als die Einzeltitelauswahl — ein Tag der Kontraste.

Die Gewinner

AssetKursVeränderungSektor
Rheinmetall1.175,20 €+4,57 %Industrials
RTL30,60 €+2,86 %Communication Services
TAG Immobilien14,60 €+2,38 %Real Estate

Die Verlierer

AssetKursVeränderungSektor
Hochtief488,40 €-6,08 %Industrials
Aurubis199,00 €-2,55 %Industrials
Deutsche Euroshop19,58 €-1,90 %Real Estate

Rheinmetall: Citigroup-Einschätzung dreht das Sentiment

Rheinmetall führt den MDAX heute mit einem Plus von 4,57 % an. Der Kurs klettert auf 1.175,20 € — nach Wochen unter Druck ein deutliches Lebenszeichen. Auslöser ist eine Einordnung von Citigroup-Experte Charles Armitage, der die Kursrückgänge im Rüstungssektor als übertrieben bewertet. Friedenshoffnungen in der Ukraine und Zweifel an der Finanzierung europäischer Verteidigungsausgaben hätten die Aktie zu stark belastet.

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Armitage sieht Russland auch nach einem möglichen Kriegsende als Bedrohung für Europa. Schweden und Deutschland gehörten zu den wenigen Ländern, die ihre Kreditaufnahme für Mehrausgaben bei der Verteidigung erhöhen könnten. Kein Wunder also, dass der Markt nach wochenlanger Verunsicherung diese Neubewertung dankbar aufnimmt.

Operativ lieferte Rheinmetall zuletzt solide: Die Konzernerlöse stiegen im ersten Quartal um 8 % auf knapp 1,94 Milliarden Euro, die operative Marge kletterte auf 11,6 %. Der Auftragsbestand erreichte mit 73 Milliarden Euro einen Rekordwert. UBS-Analyst Sven Weier sprach von einem „bereinigenden Effekt“ und hält an seinem Kauf-Rating fest. Goldman-Sachs-Analyst Sam Burgess bezeichnete die vorangegangene Schwäche als „reinigendes Gewitter“ — zeitlich bedingt, nicht strukturell.

RTL: Streaming-Segment arbeitet profitabel

RTL legt um 2,86 % auf 30,60 € zu und setzt eine zaghafte Erholung nach einer turbulenten Vorwoche fort. Der operative Durchbruch im Streaming treibt: RTL+ arbeitet bereits profitabel. Ein Meilenstein für den Konzern, der unter dem neuen CEO Clément Schwebig seinen ersten Quartalsbericht vorgelegt hat.

Die Zahlen untermauern die Transformation. Der Streaming-Umsatz stieg um 27 % auf 141 Millionen Euro. Die Zahl zahlender RTL+-Abonnenten wuchs um gut 16 % auf 7,3 Millionen. Der Gesamtumsatz blieb mit knapp 1,3 Milliarden Euro stabil — das klassische TV-Werbegeschäft schrumpft zwar, doch das Streaming-Wachstum kompensiert.

Der nächste strategische Paukenschlag steht unmittelbar bevor: Am 1. Juni soll der Kauf von Sky Deutschland abgeschlossen werden. Die Fusion bündelt Premium-Sportrechte — Bundesliga und Formel 1 — mit den Unterhaltungsmarken von RTL. Das Management rechnet mit jährlichen Synergien von 250 Millionen Euro, die innerhalb von drei Jahren greifen sollen. Der Markt beginnt, die Profitabilitätswende einzupreisen.

TAG Immobilien: Polen-Expansion als Wachstumstreiber

TAG Immobilien klettert um 2,38 % auf 14,60 €. Starke Quartalszahlen und eine wichtige regulatorische Freigabe liefern den Rückenwind. Der FFO I stieg im ersten Quartal um rund 10 % auf 49,3 Millionen Euro, getrieben von solidem Mietwachstum in Deutschland und Polen.

Entscheidender Impulsgeber: Die polnische Kartellbehörde hat der Akquisition von etwa 5.300 Wohnungen zugestimmt. Das Closing wird binnen rund zwei Wochen erwartet. Jefferies bestätigte daraufhin das Rating „Buy“ mit einem Kursziel von 17 Euro. Analystin Stephanie Dossmann verweist darauf, dass das FFO I für 2026 eher im mittleren Bereich der Prognosespanne landen könnte.

Für das Gesamtjahr erwartet TAG beim FFO I eine Bandbreite von 187 bis 197 Millionen Euro — ein Plus von 9 % gegenüber 2025. Die Nettomieteinnahmen stiegen im ersten Quartal um gut 4 % auf knapp 96 Millionen Euro. Die Polen-Expansion entwickelt sich damit vom strategischen Experiment zum verlässlichen Wachstumsmotor.

Hochtief: Kasse machen nach der Kursexplosion

Der schärfste Rücksetzer im MDAX trifft heute Hochtief. Mit einem Minus von 6,08 % auf 488,40 € landet die Aktie am Ende der Rangliste. Der Grund: keine operative Schwäche, sondern klassische Gewinnmitnahmen.

Seit Jahresbeginn hatte Hochtief über 44 % zugelegt. Nach dem Rekordhoch Anfang Mai veranlasst dieses Niveau Anleger zum Kassemachen — ein typisches „Buy the rumor, sell the news“-Muster. Bereits vergangene Woche hatte die Aktie nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen nachgegeben, obwohl diese überzeugten.

  • Bereinigter Konzerngewinn: +30 % auf 217 Millionen Euro (über Konsens)
  • Umsatz: währungsbereinigt 9,4 Milliarden Euro (+14 %)
  • Auftragsbestand: 79,3 Milliarden Euro — neuer Höchstwert

Jefferies hob das Kursziel von 480 auf 494 Euro an, beließ die Einstufung aber auf „Hold“. Das Signal ist eindeutig: Die gute operative Entwicklung steckt im Kurs. Wer nach einer Verdreifachung binnen zwölf Monaten eingestiegen ist, nimmt Gewinne mit. Die fundamentale Substanz bleibt intakt.

Aurubis: Konsolidierung nach dem Allzeithoch

Aurubis verliert 2,55 % auf 199,00 € und setzt damit die Konsolidierung nach dem Allzeithoch von 211,40 € Mitte Mai fort. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie dennoch mit fast 57 % im Plus — ein Lauf, der zwangsläufig Verschnaufpausen nach sich zieht. Eine Metallpreiskorrektur im Rohstoffsektor verstärkt den Rücksetzer.

Fundamental ist das Bild klar positiv. Der Kupferkonzern hatte seine Gewinnprognose angehoben: Das operative Vorsteuerergebnis soll im Geschäftsjahr 2025/26 nun 425 bis 525 Millionen Euro erreichen — statt bisher 375 bis 475 Millionen Euro. Anhaltend hohe Metallpreise, verbesserte Erlöse aus der Verarbeitung von Recyclingmaterialien und höhere Schwefelsäureerlöse in der zweiten Jahreshälfte stützen die angehobenen Ziele.

Strukturell profitiert Aurubis von Megatrends, die kaum abebben werden: Elektromobilität, der Ausbau erneuerbarer Energien und der explodierende Strombedarf neuer KI-Rechenzentren treiben die globale Kupfernachfrage. Eine gesunde Konsolidierung — keine fundamentale Trendwende.

Deutsche Euroshop: Zinslast überschattet stabiles Geschäft

Deutsche Euroshop gibt 1,90 % auf 19,58 € ab. Der Kursrückgang spiegelt die Nachwirkungen der Quartalszahlen vom 12. Mai wider. Das Konzernergebnis sank um 10,7 % auf 28,4 Millionen Euro — vor allem wegen höherer Zinsaufwendungen. Das operative Geschäft selbst blieb stabil: Der Umsatz stieg leicht um 2 % auf 67,6 Millionen Euro.

Der Vorstand bestätigte die Jahresprognose und verwies auf eine planmäßige Entwicklung der operativen Kennzahlen. Die Besucherfrequenz in den Shoppingcentern lag im Berichtszeitraum allerdings 0,5 % unter dem Vorjahr — ein Zeichen der verhaltenen Konsumstimmung.

Für die Hauptversammlung am 18. Juni schlagen Vorstand und Aufsichtsrat eine Dividende von 1,00 Euro je Aktie vor. Die liquiden Mittel stiegen auf 417 Millionen Euro. Hier drückt der Zinshebel aufs Ergebnis, nicht eine Schwäche im Immobilienbetrieb. Solange das Zinsumfeld nicht dreht, bleibt die Aktie anfällig.

Sektorallokation schlägt Einzeltitel

Der heutige Handelstag zeigt eindrücklich, wie stark die Branchenzugehörigkeit die Kursbewegungen im MDAX bestimmt. Rüstungswerte erholen sich dank einer Neubewertung der geopolitischen Lage, Medientitel profitieren von Transformationsfortschritten, Immobilienwerte liefern gemischte Signale. Auf der Verliererseite dominieren Gewinnmitnahmen bei Hochtief und Aurubis nach extremen Kursanstiegen.

Die fundamentalen Geschichten bei Rheinmetall, RTL und TAG Immobilien sind intakt. Bei Hochtief und Aurubis mahnt die Bewertung nach dem starken Lauf zur Vorsicht — auch wenn die operative Substanz solide bleibt. Deutsche Euroshop verdeutlicht, dass selbst ein stabiles Geschäftsmodell unter dem Zinsdruck leidet. Solange die Friedensgespräche in den Schlagzeilen bleiben, dürfte die Volatilität im Rüstungssektor anhalten — der Rest des MDAX folgt seinen eigenen Treibern.

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