Rocket Internet Absturz: Ist das was für Schnäppchenjäger?

Der Startup-Finanzierer Rocket Internet hatte heute einen rabenschwarzen Börsentag. Denn die Aktie ging in die Knie, nachdem das Unternehmen mitgeteilt hatte, eine Wandelanleihe im Volumen von rund einer halben Milliarde Euro zu platzieren. Dabei war die ganze Transaktion keine große Überraschung, hatte man sich doch genau das auf der jüngsten Hauptversammlung genehmigen lassen.

 

© Rocket Internet
© Rocket Internet

Um es auf den Punkt zu bringen: Der Markt versteht immer noch nicht, was für ein Geschäftsmodell Rocket Internet und ähnlich positionierte Risikokapitalgeber wie beispielsweise Ecommerce Alliance oder die in den Startlöchern eines IPO stehende German Startup Group verfolgen. Kurz gesagt:

Risikokapitalgeber bauen Startups über verschiedene Finanzierungsrunden auf mit dem regelmäßigen Ziel, einen Exit über einen Börsengang zu erreichen. Der Clou an diesem Geschäftsmodell ist es aber, dass in der Regel die größte Wertschöpfung vor den eigentlichen Börsengängen passiert.

 

Risikokapital braucht für Erfolg Masse und langen Atem

Um bei den aussichtsreichen Startups gegenüber den großen Kapitalgebern aus Amerika mithalten zu können, bedarf es aber einer prall gefüllten Kriegskasse. Und dieser Kapitalhunger wird eben durch eigene Aktienplatzierungen oder die Aufnahme von Fremdkapital gestillt.

Wobei es Rocket Internet auch noch sehr clever macht. Denn die avisierte Wandelanleihe soll nur mit einem Zinssatz von 2,25% bis 3% an den Markt kommen. Würde sie entsprechend der eigenen Risikoklassifizierung ein klassisches Fremdkapitalinstrument nutzen, läge der Kupon nach unserer Schätzung mindestens 200 Basispunkte höher.

 

Leidet Rocket Internet nur, weil Anleger billig zum Zug kommen wollen?

Warum also dieser scharfe Absturz. Erklärt wurde das heute am Markt damit, dass wohl etliche Anleger von der Aktie in die Wandelanleihe wechseln würden, wenn sie können. Denn eine Wandelanleihe hat natürlich den Charme, dass man damit an möglichen Kursgewinnen der Aktie partizipiert, im Gegenzug wegen der Anleihekomponenten aber das Verlustrisiko begrenzen kann.

Aber der Grund ist auch in der Ankündigung zu finden, dass sich der Referenzpreis, auf dessen Basis dann der Wandlungspreis festgelegt werden soll, aus dem umsatzgewichteten Xetra-Durchschnittskurs vom heutigen Tag ableiten soll. Ergo: Je geringer der heutige Aktienkurs, desto schneller dürfte später der Wandlungspreis erreichbar sein.

 

Aktie als Basisinvestment für langfristig orientierte Anleger

Aus unserer Sicht eine gute Ausgangslage für ein Basisinvestment. Aktuell richtet sich die meiste Kritik an der Firma daran aus, dass die einzelnen Beteiligungen trotz deutlicher Umsatzzuwächse keine Gewinne schreiben. Das sehen viele Anleger und Analysten als krasses Missverhältnis zu den milliardenschweren Kapitalsammelaktionen von Rocket Internet und der dadurch entstehende Verwässrung des bestehenden Aktienkapitals.

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Für langfristig ausgerichtete Anleger ist aber der weitaus interessantere – und letztlich auch ertragreichere – Ausblick, dass Firmen wie Rocket Internet über den Zeitablauf höhere Bewertungen erreichen, wenn Beteiligungen durch neue Finanzierungsrunden höher bewertet werden.

So zuletzt ja bei Delivery Hero passiert, wo durch eine externe Finanzierungsrunde eine neue Spitzenbewertung von 2,8 Mrd. Euro erreicht wurde. Das schleuste den Wert des Anteils (38,5%) von Rocket Internet um fast 280 Mio. Euro auf knapp 1,08 Mrd. Euro hoch.

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