Rocket Internet: Der nächste Börsenkandidat in den Startlöchern

Die sprichwörtlichen Spatzen haben es schon vom Dach der Börse gepfiffen: Die Startup-Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet will noch in diesem Jahr einen weiteren Schützling an die Börse bringen. Wer es sein wird, darüber war lange Zeit gerätselt worden. Doch nun ist die Entscheidung offenbar gefallen. Mit HelloFresh soll ein Lieferdienst für so genannte Kochboxen an die Börse gehen.

 

© HelloFresh
© HelloFresh

Lieferdienste kennen Verbraucher zur Genüge. Doch neben fertigen Pizzen oder asiatischen Gerichten etabliert sich zunehmend eine neue Form der Essen-Lieferdienste. Denn in so genannten Kochboxen können Kunden Lebensmittel bestellen, die dann für ein bestimmtes Rezept maßgenau geliefert und dann selbst zubereitet werden.

 

Kochboxen: Nicht nur für Singles

Damit wird ein Trend aufgegriffen, der vor allem in urbanen Lebensräumen immer mehr an Gewicht gewinnt. Kochboxen wollen dabei zwei Dinge zusammenführen: Einerseits das allgemein zugenommenen Interesse am eigenen Kochen, wie es sich auch in den zahlreichen Kochshows, Kochkursen und Reality-Formaten niederschlägt.

Andererseits der Unwillen der Verbraucher, immer eine breite Palette an Nahrungsmitteln und Gewürzen, oftmals auch sehr exotischer Art, vorrätig zu halten. Ganz abgesehen von den viel zu großen Verpackungsgrößen im Einzelhandel, wenn man sich nur mal ausprobieren möchte.

 

Gut kopiert ist halb gewonnen

Kochboxen sind dabei keine deutsche Erfindung, sondern die hinter Rocket Internet stehenden Samwer-Brüder kopieren damit wieder einmal eine Idee, die anderswo, diesmal in Schweden, sehr erfolgreich umgesetzt wurde. So wetteifern in Schweden allein 30 Kochbox-Angebote um nur neun Mio. Einwohner. In Deutschland sind es nur einige wenige.

Und die Rocket-Internet-Beteiligung HelloFresh ist mit geschätzten 120 Mio. Euro Umsatz der Platzhirsch, der sich auch im internationalen Wettbewerb sehr gut positioniert hat. Das fällt besonders im direkten Vergleich mit dem amerikanischen Anbieter Blue Apron auf, der gerade eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen hat, die das Unternehmen mit insgesamt 2 Mrd. Dollar bewertet. Dabei liefert Blue Apron derzeit rund 2 Mio. Boxen pro Monat aus.

 

HelloFresh könnte Milliarden-Bewertung bekommen

HelloFresh hält nach eigenen Aussagen mit 4 Mio. Mahlzeiten pro Monat mit rund 250.000 Kunden dagegen. Insgesamt hat die Firma nach aktuell vorliegenden Zahlen seit ihrer Gründung 20111 eine Gesamtfinanzierung von 193,5 Mio. Dollar in insgesamt 4 Finanzierungsrunden erhalten, die letzte und mit rund 126 Mio. Euro auch größte im Februar 2015.

Nun könnte also die nächste Stufe gezündet werden und die Bewertung von HelloFresh in gänzlich neue Höhen katapultieren. So wird mit einer möglichen Bewertung von über 1 Mrd. Euro gerechnet. Mit Blick auf Blue Apron durchaus keine Phantasiebewertung. Ob die Aktie selbst ein Erfolg wird, bleibt dahingestellt.

 

Rocket Internet hat immer noch Schwierigkeiten mit der eigenen Bewertung

Wobei die Rocket-Internet-Beteiligung Zalando ja gezeigt hat, dass es geht. Dass die Anleger bei Rocket Internet selbst deutlich kürzer treten, hat nach wie vor mit dem Geschäftsmodell zu tun, dem viele Investoren immer noch nicht über den Weg trauen. Und dabei übersehen, dass Beteiligungsfirmen wie Rocket Internet in den Pre-IPO-Phasen schlichtweg die größten Bewertungszuwächse bei ihren Beteiligungen abschöpfen können.

Rocket-Internet-17-08-15

Vielleicht könnte durch einen erfolgreichen Börsengang von HelloFresh der Knoten bei Rocket Internet platzen. Wir sehen jedenfalls weiterhin die mögliche Bewertung deutlich über den aktuellen Kursen und bleiben bei unserer Kaufempfehlung.

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