Rocket Lab: 182 Prozent in zwölf Monaten

Rocket Lab leidet unter dem bevorstehenden Nasdaq-100-Einzug von SpaceX. Indexfonds verkaufen die Aktie, um den Rivalen zu kaufen.

Die Kernpunkte:
  • SpaceX-Listing belastet Rocket Lab
  • Aktie mit extremer Kursschwankung
  • Eigene Wachstumsstory bleibt intakt
  • Charttechnisch unter Druck

Rocket Lab verkörpert aktuell einen kuriosen Widerspruch. Das Schicksal der Aktie hängt massiv von der Stimmung rund um SpaceX ab. Da der unangefochtene Branchenprimus vor einem Nasdaq-100-Listing steht, greifen Privatanleger zu Rocket Lab. Das Unternehmen dient als einzig verfügbare Wette auf den kommerziellen Raumfahrt-Boom. Diese Stellvertreterrolle schneidet nun in beide Richtungen.

Eine Rakete mit Meme-Charakter

Die Kursbewegungen der vergangenen Wochen sprechen Bände. Am Donnerstag schloss die Aktie bei 100,46 US-Dollar. Das entspricht einem Plus von fast 19 Prozent auf siebentägiger Sicht. Im Monatsvergleich steht dennoch ein Minus von gut 12 Prozent.

Solche wilden Schwünge sind für das Papier nichts Neues. Die annualisierte Volatilität liegt bei extremen 107 Prozent. Hier sind zweistellige Tagesausschläge die absolute Norm. Der acht Milliarden US-Dollar schwere Iridium-Deal gab dem Kurs kürzlich neuen Auftrieb.

Der langfristige Blick ändert das Bild komplett. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie einen Zuwachs von rund 32 Prozent. Auf Zwölf-Monats-Sicht steht sogar ein Plus von 182 Prozent. Damit notiert der Wert komfortabel 30 Prozent über seiner 200-Tage-Linie.

Segen und Fluch des Branchenprimus

Die Ironie dieser Entwicklung ist kaum zu übersehen. Monatelang profitierte Rocket Lab extrem vom SpaceX-Hype. Anleger kauften das Papier schlichtweg als verfügbare Alternative. Jetzt drängt SpaceX selbst auf die große Bühne. Der erwartete Einzug in den Nasdaq-100 verwandelt den bisherigen Heiligenschein in eine echte Belastung. Die Folge: Mechanischer Verkaufsdruck.

Indexfonds müssen bald Aktien des Giganten erwerben. Um diese Umschichtungen zu finanzieren, stoßen sie voraussichtlich kleinere Branchenvertreter wie Rocket Lab ab. Das passiert völlig unabhängig von der operativen Leistung des Unternehmens.

Allerdings greift die Theorie einer reinen SpaceX-Abhängigkeit zu kurz. Kürzlich schoss Rocket Lab an einem Tag um 15 Prozent nach oben. Der große Konkurrent legte zeitgleich nur gut sechs Prozent zu. Eigene Treiber wie neue Startverträge und Raketenentwicklungen bestimmen den Kurs immer stärker mit.

Der Abstand zum Gipfel

Trotz aller Fantasie muss die Aktie charttechnisch Boden gutmachen. Der aktuelle Kurs liegt satte 33 Prozent unter dem Mai-Hoch von 151,00 US-Dollar. Auch die 50-Tage-Linie bei knapp 107 US-Dollar verfehlt der Wert derzeit.

Ein technischer Indikator liefert ein klares Bild. Der RSI steht bei 47,8 Punkten. Der Markt schwankt unentschlossen zwischen neuem Schwung und totaler Erschöpfung.

Die fundamentale Wachstumsstory bleibt intakt. Das Unternehmen baut Satelliten und wächst beständig aus seiner ursprünglichen Nische heraus. Ab sofort muss die Bewertung jedoch einen finanzstarken Rivalen im selben Börsenindex verkraften. Gelingt es Rocket Lab nicht, eine eigene Preislogik fernab von SpaceX zu etablieren, droht im zweiten Halbjahr ein zäher Kampf gegen den Index-Verkaufsdruck.

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