Rocket Lab: 3-Milliarden-Programm verunsichert Anleger

Ein Aktienkurs schießt in die Höhe, ein Börsenwert von fast 79 Milliarden Dollar – doch plötzlich kündigt Rocket Lab ein Kapitalmarktprogramm von bis zu 3 Milliarden Dollar an. Die Nachricht schickte die Aktie zunächst auf Talfahrt.
Das at-the-market-Equity-Programm erlaubt Rocket Lab, neue Aktien im Wert von 3 Milliarden Dollar auszugeben. Marktbeobachter vermuten dahinter Finanzierungsbedarf für Übernahmen und weiteres Wachstum. Anleger reagierten verunsichert: Der Kurs fiel nach der Ankündigung.
Kursrallye mit Fragezeichen
Die jüngste Performance ist atemberaubend. Über die letzten 30 Tage legte die Aktie um mehr als 70 Prozent zu. Auf Jahressicht steht ein Plus von über 400 Prozent. Am 25. Mai 2026 notierte das Papier bei rund 134,15 Dollar.
Doch die fundamentale Bewertung klafft auseinander. Rocket Lab schreibt Verluste. Im ersten Quartal lag der Umsatz bei 200,35 Millionen Dollar, der Nettoverlust bei 182,6 Millionen Dollar. Die Verlustmarge beträgt minus 27 Prozent. Der Auftragsbestand von 2,2 Milliarden Dollar gibt Hoffnung, aber das KGV ist mit minus 411 negativ.
Analysten sehen die Aktie kritisch. Ihr durchschnittliches Kursziel liegt bei 97,19 Dollar – rund 28 Prozent unter dem aktuellen Niveau. Dennoch raten etwa 80 Prozent der Analysten zum Kauf. Der faire Wert des Unternehmens liegt laut einigen Schätzungen näher an 98 Dollar.
Space-Force-Auftrag und Meilensteine
Parallel zum Kapitalprogramm arbeitet Rocket Lab operativ auf Hochtouren. Am 21. Mai 2026 sicherte sich das Unternehmen einen 90-Millionen-Dollar-Auftrag der US Space Force. Der Auftrag umfasst Bau und Betrieb von zwei geostationären Satelliten mit Heimdall-Sensoren. Gebaut werden sie auf der Lightning-Plattform in Kalifornien. Die geplante Betriebsdauer beträgt bis zu fünf Jahre. Es ist der erste Satellitenproduktionsauftrag für den geostationären Orbit.
Zudem absolvierte Rocket Lab den neunten Electron-Start für Synspective und setzte einen StriX-Satelliten aus.
Neutron-Rakete als Gamechanger
Derzeit fiebert der Markt dem Erstflug der Neutron-Rakete entgegen. Der Start ist für 2026 geplant. Sollte das Projekt gelingen, könnte dies den Wachstumspfad des Unternehmens fundamental verändern. Die Raumfahrtbranche boomt, die Nachfrage nach Satellitendiensten und Startkapazitäten wächst rasant.
Hält die Aktie ihr aktuelles Niveau, müssten die operativen Ergebnisse schon bald deutlich nachziehen. Der milliardenschwere Kapitalmarkt-Zugang gibt Rocket Lab Luft für Investitionen – verwässert aber auch den Wert der Anteile. Ein klassischer Spagat zwischen Wachstumsphantasie und realer Profitabilität.
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