Rocket Lab: 56 Prozent unter Mai-Hoch
Rocket Lab verliert trotz 8-Milliarden-Iridium-Deal und Neutron-Fortschritten massiv an Wert. Analysten streiten über faire Bewertung nach dem Kursrutsch.

- Kursverfall von über 50 Prozent
- Milliardenschwere Iridium-Übernahme geplant
- Neutron-Raketenstart auf Q4 2026 verschoben
- CEO-Aktienverkäufe belasten Stimmung
Ein 8-Milliarden-Dollar-Übernahmedeal, ein ambitioniertes Raketenprogramm und trotzdem ein Kursverfall von über einem Drittel binnen eines Monats. Bei Rocket Lab passt gerade wenig zusammen. Während Bullen auf explosives Umsatzwachstum verweisen, sehen Skeptiker die Aktie selbst nach dem Absturz noch als zu teuer an.
Am Montag verlor das Papier weitere 2,78 Prozent und schloss bei 65,74 Dollar. Damit liegt die Aktie mittlerweile 56 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 151 Dollar, das erst Ende Mai erreicht wurde. Der RSI von 29,1 signalisiert eine deutlich überverkaufte Situation.
Drei Belastungsfaktoren treffen zusammen
Der Kurssturz hat keinen einzelnen Auslöser. Stattdessen kommen mehrere Entwicklungen zur gleichen Zeit zusammen.
Rocket Lab hat eine verbindliche Vereinbarung zur Übernahme von Iridium Communications getroffen. Der Deal hat ein Volumen von rund 8 Milliarden Dollar, Iridium-Aktionäre erhalten 54 Dollar je Aktie. Für Rocket Lab wäre das ein gewaltiger Schritt zur vertikalen Integration im Weltraumgeschäft. Der Markt reagierte trotzdem mit Sorge vor Verwässerung der bestehenden Aktionäre.
Parallel dazu verschiebt sich der Erstflug der neuen Neutron-Rakete auf das vierte Quartal 2026. Hinzu kommen geplante Aktienverkäufe von CEO Peter Beck im Rahmen eines vorab festgelegten 10b5-1-Programms, die Anfang Juli zu Kursen zwischen etwa 82 und 102 Dollar stattfanden. Jede dieser Nachrichten für sich wäre verkraftbar gewesen. In der Summe trafen sie auf einen Sektor, der ohnehin bereits unter Druck stand.
Der ganze Sektor rotiert heraus
Raumfahrtaktien insgesamt leiden seit dem Börsengang von SpaceX Anfang des Jahres. Die gesamte Branche hat sich seit ihren Frühjahrshochs deutlich neu bewertet — nach unten. Rocket Lab gilt dabei als eine Art Musterbeispiel für die Ausschläge im Sektor: Das Unternehmen stieg binnen zwölf Monaten zeitweise um mehr als 150 Prozent, fiel dann aber seit seinem Mai-Hoch um 55 Prozent.
Auf Sicht von zwölf Monaten steht die Aktie trotz allem noch mit knapp 39 Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus jedoch fast 6 Prozent — ein Umschwung, der zeigt, wie schnell sich die Stimmung gedreht hat.
Wachstumszahlen gegen Bewertungssorgen
Die Wachstumsstory bleibt intakt. Rocket Lab erzielte in den vergangenen zwölf Monaten einen Umsatz von 680 Millionen Dollar — ein Plus von über 1.000 Prozent binnen fünf Jahren. Iridium selbst bringt einen Jahresumsatz von 871 Millionen Dollar mit, mehr als Rocket Labs gesamtes bisheriges Geschäft.
Kritiker halten dagegen: Selbst nach dem Kurssturz handelt die Aktie noch mit dem 31-Fachen des für 2027 erwarteten Umsatzes. Zum Vergleich: Konkurrent AST SpaceMobile kommt auf das 42-Fache, wettet dabei aber auf eine einzelne Technologie. Rocket Lab verteilt sein Geschäft dagegen auf Raketenstarts, Systeme und Verteidigungstechnik.
Die Retail-Stimmung auf Reddit hat diese Schwankungen genau nachgezeichnet. Zur Zeit der Iridium-Ankündigung erreichten die Sentiment-Werte einen Höhepunkt von 85 Punkten. Mitte Juli fielen sie auf Werte zwischen 18 und 24. Viele Kleinanleger verteidigen die langfristige Wachstumsstory trotzdem weiter, auch während der Kurs einbricht.
Neutron bleibt der Schlüssel
Der Erstflug der Neutron-Rakete gilt als entscheidender Faktor für die weitere Kursentwicklung. Ein sauberer erster Start würde die These bestätigen, dass Rocket Lab zu einem echten Herausforderer von SpaceX werden kann. Ein weiterer Fehlschlag bei Tanktests würde den Zeitplan hingegen erneut nach hinten verschieben.
Die kommenden Wochen dürften darüber entscheiden, in welche Richtung sich die Aktie bewegt. Konkret geht es um Fortschritte bei den Neutron-Tests und weitere Details zur Finanzierung des Iridium-Deals. Bis dahin bleibt die Aktie mit einer annualisierten Volatilität von rund 96 Prozent ein Papier für Anleger mit starken Nerven.
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