Rocket Lab Aktie: 11,43-Prozent-Sturz trotz Neutron-Test
Rocket Lab verzeichnet technische Meilensteine, doch die Aktie fällt wegen Verwässerungsängsten durch die milliardenschwere Iridium-Übernahme.

- Aktie verliert trotz erfolgreicher Missionen
- Iridium-Übernahme sorgt für Verunsicherung
- Neutron-Rakete besteht wichtigen Antriebstest
- Analysten uneins über Aktienbewertung
Rocket Lab liefert diese Woche gleich zwei Erfolge im Weltraumgeschäft ab. Die Aktie stürzt trotzdem ab. Ein Widerspruch, der sich nur mit Blick auf die geplante Milliarden-Übernahme von Iridium Communications auflösen lässt.
Am Donnerstag brach die Aktie um 11,43 Prozent auf 58,90 Euro ein, nach einem Schlusskurs von 66,50 Euro am Mittwoch. Damit liegt der Kurs 55,98 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro vom 27. Mai. Über die vergangenen 30 Tage hat die Aktie fast 35 Prozent an Wert verloren.
Operative Erfolge verpuffen
Dabei liefert Rocket Lab gerade technisch ab. Das Unternehmen meldete den vollen Erfolg der VICTUS-HAZE-Mission für die US Space Force. Start, Satellitenlieferung und schnelle Annäherungsmanöver im Orbit liefen unter einem einzigen Vertrag ab. Der Auftrag gilt als Rekordbeispiel für sogenannte Tactically Responsive Space-Verträge — ein Zeichen, wie stark das Pentagon mittlerweile auf kommerzielle Anbieter setzt.
Kurz darauf folgte der nächste Meilenstein: ein vollständiger Antriebstest der zweiten Stufe für die Neutron-Rakete. Das wiederverwendbare Trägersystem soll künftig mittelschwere Nutzlasten transportieren. Analysten werten den Test als den wichtigsten der jüngsten Meldungen. Der Grund: Die gesamte Investmentstory hängt daran, ob Rocket Lab die Neutron-Rakete termingerecht liefern kann.
Iridium-Deal schürt Verwässerungsangst
Die eigentliche Ursache für den Kursverfall liegt woanders. Ende Juni kündigte Rocket Lab an, den Satellitenbetreiber Iridium Communications zu übernehmen. Der Deal ist rund 54 Dollar je Iridium-Aktie wert und besteht aus Bar- und Aktienkomponenten. Konkret erhalten Iridium-Aktionäre 27 Dollar in bar plus Rocket-Lab-Aktien nach einem festgelegten Umtauschverhältnis.
Genau diese Struktur bereitet Investoren Sorgen. Ein Deal mit hohem Cash-Anteil wirft Fragen zu Finanzierung, Verschuldung und Verwässerung der bestehenden Aktionäre auf. Die Folge: Rocket Lab verlor an sechs aufeinanderfolgenden Handelstagen bis Mitte Juli kumuliert 23,6 Prozent — umgerechnet rund 14 Milliarden Dollar Marktwert.
Die Zahlen zum operativen Geschäft verstärken die Nervosität zusätzlich. Der Umsatz wuchs in den vergangenen zwölf Monaten um 45,8 Prozent, deutlich schneller als der S&P-500-Median von 7,5 Prozent. Die operative Marge liegt jedoch bei minus 33,2 Prozent, verglichen mit einem Index-Median von plus 18,4 Prozent.
Analysten uneins über den fairen Wert
An der Wall Street gehen die Meinungen weit auseinander. Piper Sandler nahm die Coverage kürzlich mit einem neutralen Rating auf — ein vorsichtiger Kontrapunkt zu einer sonst überwiegend optimistischen Analystenriege.
Morgan Stanley zeigt sich deutlich zuversichtlicher. Die Bank hob ihr Bull-Case-Kursziel am 8. Juli von 185 auf 293 Dollar an und bestätigte gleichzeitig ihr Overweight-Rating mit einem Basisszenario von 105 Dollar. Die Begründung: Rocket Lab entwickle sich zu einer Art kleinerem SpaceX. Die rund 8 Milliarden Dollar schwere Iridium-Übernahme bringe ein globales Satellitennetz, wertvolles L-Band-Spektrum und Millionen wiederkehrender Abonnenten mit sich. Aus einem reinen Raketenstart-Unternehmen werde so eine vertikal integrierte Weltraumplattform.
Charttechnik zeigt überverkauften Zustand
Der aktuelle Kurs liegt 12,51 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 67,32 Euro. Der 14-Tage-RSI von 29,6 signalisiert eine überverkaufte Aktie nach klassischen technischen Maßstäben. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von fast 97 Prozent zeigt, wie nervös der Handel geworden ist.
Konkrete neue operative Negativmeldungen von Rocket Lab selbst gibt es nicht. Der Ausverkauf dürfte auch mit einer breiteren Risikoscheu bei wachstumsstarken Weltraumwerten zusammenhängen — einige Analysten bringen die Bewegung zudem mit der Kapitalrotation nach dem jüngsten Nasdaq-Listing von SpaceX in Verbindung.
Für Rocket Lab bleibt die Situation zweigeteilt. Auf der einen Seite stehen handfeste technische Fortschritte bei Neutron und im Verteidigungsgeschäft. Auf der anderen Seite wiegt die Sorge um Finanzierung und Verwässerung durch den Iridium-Deal schwerer als jede einzelne Erfolgsmeldung.
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