Rocket Lab Aktie: 19,4 Prozent Verlust in sieben Tagen
Rocket Lab meldet starke Quartalsdaten und neue Aufträge, während die FCC-Beschwerde gegen Iridium den geplanten Deal überschattet.

- Aktie verliert sieben Handelstage nacheinander
- Iridium-Übernahme stößt auf FCC-Beschwerde
- Quartalsumsatz steigt auf 234 Millionen Dollar
- Neutron gewinnt zahlenden Kunden
Sieben Handelstage in Folge ging es für Rocket Lab abwärts, insgesamt 19,4 Prozent Verlust, während der S&P 500 im selben Zeitraum nur 0,9 Prozent nachgab. Am Freitag kam mit einem Minus von 4,1 Prozent die nächste Talfahrt-Etappe hinzu. Für mich ist das ein Lehrstück darüber, wie stark regulatorische Unsicherheit einen operativ starken Konzern lähmen kann.
Die SpaceX-Attacke trifft einen wunden Punkt
Auslöser der jüngsten Verkaufswelle war eine Beschwerde von SpaceX bei der US-Aufsichtsbehörde FCC gegen Iridium. Ein Mitarbeiter für Satellitenpolitik bei SpaceX, Matthew Turk, wirft Iridium eine „gut dokumentierte Geschichte wettbewerbsfeindlicher Angriffe gegen Konkurrenten und amerikanische Verbraucher“ vor, die wie eine Wolke über der geplanten Transaktion hänge. Das mag nach juristischem Kleinklein klingen – ist es aber nicht, wenn man sich die Deal-Struktur ansieht.
Rocket Lab will Iridium für 8,1 Milliarden Dollar Unternehmenswert übernehmen. Jede Iridium-Aktie wird dabei in 27 Dollar bar plus eine variable Anzahl Rocket-Lab-Aktien getauscht, deren Zahl sich am eigenen 10-Tage-Durchschnittskurs kurz vor Vollzug bemisst. Das ist aus meiner Sicht der eigentliche Grund, warum die Aktie so nervös reagiert: Ein fallender Rocket-Lab-Kurs macht den Deal für Iridium-Aktionäre unattraktiver, was wiederum die Unsicherheit über den Ausgang erhöht und den Kurs weiter drückt. Ein sich selbst verstärkender Mechanismus, den der Markt derzeit mit spürbarer Skepsis quittiert.
Operativ läuft es rund – das darf man nicht übersehen
Wer nur auf den Kurs schaut, verpasst die eigentliche Geschichte. Rocket Lab hat für das zweite Quartal 2026 einen Rekordumsatz von 234 Millionen Dollar gemeldet, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 34 Millionen Dollar mehr als im Vorquartal.
Der Auftragsbestand kletterte auf rekordhohe 2,36 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 137 Prozent. Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 250 und 265 Millionen Dollar in Aussicht, bei GAAP-Bruttomargen von 29 bis 31 Prozent.
Parallel dazu reihen sich operative Erfolgsmeldungen aneinander: Die 93. Electron-Mission wurde erfolgreich gestartet, die US Space Force holte Rocket Lab in ihr Space Data Network Consortium mit einem Auftragsvolumen von 12 Millionen Dollar und band das Unternehmen zudem an das 981-Millionen-Dollar-Programm NITE-STAR an. Hinzu kommen ein Auftrag über 397 Millionen Dollar für das SB-AMTI-Programm, mehr als 437 Millionen Dollar an neuen Launch-Verträgen über Electron, HASTE und Neutron sowie über 160 Millionen Dollar für den Bau dreier geostationärer Satelliten.
Auch die neue Rakete Neutron gewann mit Kepler Communications einen zahlenden Kunden und soll laut Unternehmensangaben im vierten Quartal 2026 zur Startrampe geliefert werden.
Das ist, unterm Strich, kein Unternehmen mit Wachstumsproblemen. Es ist ein Unternehmen, dessen Aktie gerade unter einem regulatorischen Streit leidet, der mit dem operativen Kerngeschäft wenig zu tun hat.
Die Charttechnik spiegelt die Nervosität
Mit einem Schlusskurs von 55,60 Euro notiert die Aktie rund 58 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro, das im Mai erreicht wurde, gleichzeitig aber 71 Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom November.
Der RSI von 34,8 signalisiert eine überverkaufte Situation, und die annualisierte Volatilität von 73 Prozent zeigt, wie nervös der Handel derzeit verläuft. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt liegt bei minus 20 Prozent – ein Bild, das zu den jüngsten Verlusttagen passt.
Mein Fazit
Für mich überwiegen mittelfristig die operativen Argumente: Rekordumsatz, Rekord-Auftragsbestand, ein diversifiziertes Portfolio aus Militär-, Satelliten- und Launch-Geschäft sowie die greifbare Neutron-Perspektive sprechen für Substanz. Die Kursschwäche wirkt für mich vor allem wie ein regulatorisches und strukturelles Nebenprodukt des Iridium-Deals, nicht wie ein Zeichen operativer Schwäche.
Bis die Aktionäre am 24. September über die Übernahme abstimmen, dürfte die Nervosität aber anhalten – wer bereits investiert ist, sollte sich auf weitere Ausschläge einstellen, ohne die fundamentale Entwicklung aus den Augen zu verlieren.
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