Rocket Lab Aktie: 20-Prozent-Minus seit SpaceX-IPO
Trotz Kursrückgang nach SpaceX-Börsengang meldet Rocket Lab Rekordumsätze und einen Auftragsbestand von 2,2 Milliarden Dollar.

- Kursverlust nach SpaceX-Debüt
- Umsatzplus von 63,5 Prozent
- Neutron-Rakete als Schlüsselprojekt
- Aufnahme in den Nasdaq-100 Index
Rund 31 Prozent unter dem Allzeithoch, aber operativ so stark wie nie zuvor. Bei Rocket Lab klaffen Kurs und Fundamentaldaten gerade weit auseinander — und das hat einen konkreten Auslöser.
SpaceX-Börsengang zieht Kapital ab
Am 12. Juni verlor die Rocket Lab Aktie fast 11 Prozent an einem einzigen Tag. Der Grund: SpaceX debütierte an der Börse und zog Kapital aus kleineren Raumfahrttiteln ab. Seitdem hat sich die Aktie kaum erholt. Auf 30-Tage-Sicht steht ein Minus von rund 20 Prozent.
Die Logik hinter dem Ausverkauf ist nachvollziehbar. SpaceX dominiert den kommerziellen Raumfahrtmarkt und könnte künftig einen größeren Anteil an Regierungsaufträgen und privatem Kapital binden. Kleinere Anbieter wie Rocket Lab geraten dabei ins Hintertreffen — zumindest in der Wahrnehmung der Märkte.
KeyBanc-Analyst Michael Leshock sieht das anders. Er stufte Rocket Lab am 15. Juni auf „Buy“ hoch und hob sein Kursziel auf 135 Dollar. Der Markt habe überreagiert. Der Kursrückgang biete eine günstige Einstiegsgelegenheit.
SpaceX selbst verliert Schwung
Bemerkenswert: Auch SpaceX selbst hat nach dem Börsengang nachgegeben. Am Donnerstag fiel die Aktie um mehr als 6 Prozent auf 178,50 Dollar. Die erste Euphorie, die Elon Musks Konzern kurzzeitig unter die fünf wertvollsten Unternehmen der Welt katapultiert hatte, ist verflogen. Ein Analyst von IPOX Schuster kommentierte, Gewinnmitnahmen seien nach einem Börsengang dieser Größenordnung nicht überraschend.
Rocket Lab hat davon bislang nicht profitiert. Die Aktie notiert bei 92,30 Euro — knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 90,94 Euro, aber weit vom Jahreshoch bei 133,80 Euro entfernt.
Operativ auf Rekordkurs
Das Paradoxe an der Lage: Rocket Lab liefert. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 63,5 Prozent auf 200,3 Millionen Dollar. Der Auftragsbestand verdoppelte sich auf einen Rekordwert von 2,2 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge kletterte auf 38,2 Prozent nach GAAP-Standard. Im ersten Quartal allein unterzeichnete das Unternehmen 31 neue Electron- und HASTE-Startverträge sowie fünf Neutron-Vereinbarungen — mehr als im gesamten Jahr 2025.
Das Verteidigungsgeschäft stabilisiert die Basis zusätzlich. Zwei SDA-Aufträge summieren sich auf mehr als 1,3 Milliarden Dollar. Hinzu kommt ein Hyperschall-Testprogramm im Wert von 190 Millionen Dollar. Das Space-Systems-Segment trägt inzwischen fast zwei Drittel des Gesamtumsatzes.
Neutron bleibt das entscheidende Risiko
Der Kern der Investmentthese hängt an der Neutron-Rakete. Das mittelgroße Trägerfahrzeug soll Rocket Lab in eine neue Liga heben. Analysten schätzen, dass Neutron bei 20 Starts jährlich über eine Milliarde Dollar Umsatz generieren könnte — mehr als der gesamte Konzernumsatz 2025.
Allerdings hat Neutron noch nie geflogen. Ein Treibstofftank-Test schlug fehl und verschob den Erststart auf das vierte Quartal 2026. Das Unternehmen hält an diesem Zeitplan fest und baut die Produktion bereits auf bis zu vier Raketen pro Jahr aus. Rocket Lab argumentiert, SpaceX konzentriere sich zunehmend auf Starlink und Starship — und lasse damit Platz für Neutron im Markt.
Nasdaq-100-Aufnahme als struktureller Rückenwind
Ein konkreter Katalysator steht unmittelbar bevor. Im Rahmen der quartalsweisen Neugewichtung des Nasdaq-100 wird Rocket Lab ab Montag, dem 22. Juni, offiziell in den Index aufgenommen. Wer einen Nasdaq-100-ETF hält, wird Rocket Lab danach automatisch im Portfolio haben.
Für das zweite Quartal erwartet das Management einen Umsatz zwischen 225 und 240 Millionen Dollar. Die Quartalszahlen folgen voraussichtlich im August — dann zeigt sich, ob der operative Schwung anhält und Neutron planmäßig auf die Startrampe rollt.
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