Rocket Lab Aktie: 200-Millionen-Umsatz trotz 54-Prozent-Absturz

Rocket Lab verzeichnet Rekordumsatz, doch der Aktienkurs fällt. Die geplante Iridium-Übernahme und Fortschritte bei der Neutron-Rakete prägen die aktuelle Entwicklung.

Die Kernpunkte:
  • Umsatzrekord von über 200 Millionen Dollar
  • Aktienkurs fällt trotz starker Zahlen
  • Iridium-Übernahme für 54 Dollar je Aktie
  • Neutron-Rakete vor Erstflug im vierten Quartal

Rocket Lab meldet einen Rekordumsatz. Die Aktie fällt trotzdem. Dieser Widerspruch treibt Anleger derzeit um.

Der Schlusskurs von 61,50 Euro am Donnerstag liegt gut 54 Prozent unter dem Rekordhoch von 133,80 Euro, das die Aktie noch am 27. Mai markierte. Auf Sicht von zwölf Monaten steht trotzdem ein Plus von 50 Prozent zu Buche. Der jüngste Absturz relativiert sich also nur im größeren Bild.

Starke Zahlen, schwacher Kurs

Im ersten Quartal 2026 knackte Rocket Lab die 200-Millionen-Dollar-Marke beim Umsatz. Das entspricht einem Plus von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragsbestand wuchs auf 2,2 Milliarden Dollar, allein im Quartal kamen 31 neue Launch-Verträge hinzu.

Trotzdem ging es mit dem Kurs bergab. Mehrere Faktoren belasten die Stimmung gleichzeitig. Insider haben in den vergangenen Wochen Positionen verkauft und Gewinne mitgenommen. Hinzu kommt eine Kapitalverschiebung im gesamten Weltraumsektor: Ende Juni rotierten viele Investoren in Richtung SpaceX, was Rocket Lab zusätzlich unter Druck setzte.

Der Iridium-Deal und seine Finanzierung

Im Zentrum vieler Schlagzeilen steht die geplante Übernahme von Iridium. Die Struktur ist komplex, aber die Eckdaten sind klar: Iridium-Aktionäre erhalten 27 Dollar in bar plus Rocket-Lab-Aktien. Der kombinierte Wert liegt bei 54 Dollar je Iridium-Aktie – ein Aufschlag von 24,1 Prozent auf den letzten Schlusskurs vor Bekanntgabe.

Für die Barkomponente hat sich Rocket Lab eine Brückenfinanzierung über 3,6 Milliarden Dollar von Deutscher Bank und Wells Fargo gesichert. Zusätzlich will das Unternehmen eigene Mittel sowie weitere Fremd- und Eigenkapitalfinanzierung einsetzen. Wie stark die Übernahme die bestehenden Aktionäre am Ende verwässert, hängt vom Rocket-Lab-Kurs ab: Ein Collar zwischen 67,50 und 112,50 Dollar bestimmt die finale Aktienzahl.

Strategisch bringt der Deal Rocket Lab Zugang zu Iridiums global lizenziertem L-Band-Spektrum und einem etablierten Satellitennetzwerk mit mehr als 2,5 Millionen Abonnenten weltweit. Die Vorstände beider Unternehmen haben der Transaktion einstimmig zugestimmt. Der Abschluss wird für Mitte 2027 erwartet.

Neutron-Rakete macht Fortschritte

Abseits der Kursturbulenzen läuft die Entwicklung der neuen Neutron-Rakete weiter. Rocket Lab hat kürzlich einen vollständigen Brenntest des vakuumoptimierten Archimedes-Triebwerks für die zweite Stufe abgeschlossen. Die Vakuum-Variante liefert etwa das 1,2-Fache des Schubs der Bodenversion und nutzt eine deutlich längere Düse.

Der Test markiert einen wichtigen Schritt zum Erstflug, der nun für das vierte Quartal 2026 anvisiert wird – nach früheren Terminverschiebungen. Das Programm hatte im Jahresverlauf bereits Rückschläge erlitten, darunter den Verlust von Bauteilen, die ursprünglich für den Flugeinsatz vorgesehen waren. Rocket Lab treibt andere Komponenten des Fluggeräts parallel zur Triebwerksentwicklung voran.

Noch bevor Neutron überhaupt fliegt, wächst das Auftragsbuch weiter. Im Mai unterschrieb Rocket Lab den größten Vertrag der Firmengeschichte: Ein Kunde, dessen Name nicht genannt wird, bestellte fünf Neutron- und drei Electron-Flüge. Die acht Missionen verteilen sich zwischen 2026 und 2029 auf die Startplätze in Neuseeland und Virginia.

Charttechnik zeigt überverkaufte Aktie

Die Aktie notiert derzeit rund 32 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 90,08 Euro. Der RSI von 34,7 deutet eher auf eine überverkaufte als auf eine überkaufte Situation hin. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 89 Prozent zeigt, wie nervös der Handel in den vergangenen Wochen war.

Die Kursbewegungen der letzten Wochen wirken vor allem kurz- bis mittelfristig getrieben. Ein Blick auf die Geschäftszahlen liefert ein deutlich freundlicheres Bild als der Chartverlauf. Anleger sollten trotzdem mit anhaltend hoher Schwankungsbreite rechnen – die gesamte Raumfahrtbranche steckt noch in einem frühen Entwicklungsstadium.

Der nächste konkrete Termin steht bereits fest: Rocket Lab veröffentlicht seine Zahlen zum zweiten Quartal 2026 am Montag, den 10. August, nach Handelsschluss in den USA. Dann dürfte klarer werden, wie das Unternehmen die Integrationskosten der bislang größten Übernahme und die letzte Entwicklungsphase der Neutron-Rakete gleichzeitig stemmt.

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