Rocket Lab Aktie: 21 Prozent Minus in sieben Tagen
Rocket Lab verzeichnet trotz Rekordumsatz und milliardenschwerem Auftragsbestand deutliche Kursverluste. Analysten sehen Bewertungsrisiken.

- Aktie fällt nach starker Rally
- Rekordumsatz von 200 Millionen Dollar
- Auftragsbestand steigt auf 2,2 Milliarden
- Neutron-Rakete bleibt kritischer Faktor
Rocket Lab liefert Wachstum, neue Regierungsaufträge und einen pralleren Auftragsbestand. Trotzdem kippt die Debatte gerade in eine andere Richtung: Wie viel Zukunft ist im Kurs bereits eingepreist? Nach der starken Rally reicht operative Stärke allein nicht mehr.
Die Aktie notiert aktuell bei 101,80 Euro und verliert heute 3,96 Prozent. In den vergangenen sieben Tagen summiert sich das Minus auf 21,21 Prozent. Das ist kein kleiner Rücksetzer mehr, sondern ein klarer Stimmungstest.
Bewertung rückt in den Mittelpunkt
Der Kern der Skepsis liegt in der Bewertung. Eine aktuelle Analyse von Barchart beschreibt Rocket Lab trotz jüngster Erfolge als Hochrisiko-Titel. Genannt werden vor allem die hohe Umsatzbewertung, Verzögerungsrisiken beim Neutron-Programm und Insiderverkäufe.
Besonders auffällig ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis von 137,9. Solche Multiples lassen wenig Raum für operative Enttäuschungen. Der Markt bezahlt Rocket Lab damit nicht nur für heutiges Wachstum, sondern auch für einen sehr reibungslosen Ausbau der nächsten Jahre.
Die Gegenbewegung trifft eine Aktie, die zuvor stark gelaufen war. Auf Sicht von 30 Tagen steht immer noch ein Plus von 48,18 Prozent, seit Jahresanfang sind es 56,62 Prozent. Über zwölf Monate liegt der Kurs sogar 333,01 Prozent höher.
Auftragsbestand bleibt das stärkste Argument
Operativ hat Rocket Lab durchaus Munition. Im ersten Quartal erreichte der Umsatz einen Rekordwert von 200,3 Millionen Dollar. Das entsprach einem Wachstum von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Auftragsbestand stieg auf 2,2 Milliarden Dollar und legte sequenziell um 20,2 Prozent zu. Damit bleibt die Nachfrage nach Starts und Raumfahrtinfrastruktur der wichtigste Gegenpol zur Bewertungsdebatte.
Rocket Lab unterzeichnete im Quartal 31 neue Verträge für Electron und HASTE. Dazu kamen fünf dedizierte Neutron-Starts. Das gesamte Startmanifest umfasst inzwischen mehr als 70 vertraglich gesicherte Missionen.
Für das zweite Quartal stellt das Management einen Umsatz von 225 bis 240 Millionen Dollar in Aussicht. Die GAAP-Bruttomarge soll zwischen 33 und 35 Prozent liegen. Beim bereinigten EBITDA erwartet Rocket Lab weiter einen Verlust.
Verteidigungsaufträge stützen die Story
Besonders wichtig bleibt der wachsende Anteil an nationalen Sicherheitsprogrammen. Rocket Lab hat die System Requirements Review für die Tracking Layer Tranche 3 der Space Development Agency bestanden. Das Programm soll Satelliten für Raketenwarnung, Verfolgung und Verteidigungsaufgaben liefern.
Der Auftrag für diese Tranche hat ein Volumen von rund 816 Millionen Dollar. Zusammen mit einem früheren Transport-Layer-Beta-Programm über etwa 515 Millionen Dollar kommt Rocket Lab bei SDA-Aufträgen auf mehr als 1,3 Milliarden Dollar.
Hinzu kommt ein Vertrag mit dem Space Systems Command der US Space Force. Rocket Lab soll zwei geostationäre Satelliten mit Heimdall-Nutzlasten entwickeln, bauen, integrieren und betreiben. Der Auftrag hat ein Volumen von 90 Millionen Dollar.
Für Rocket Lab ist das mehr als nur ein weiterer Vertrag. Das Unternehmen rückt damit von Nutzlast-Prototypen stärker in die Lieferung betriebsfähiger Raumfahrzeuge vor. Genau diese Verschiebung braucht die Wachstumsstory.
Neutron bleibt der kritische Hebel
Der größte operative Prüfstein bleibt Neutron. Die mittelschwere Trägerrakete soll Rocket Lab in größere Missionsklassen bringen. Das Management sieht den Erstflug weiter für später im Jahr 2026 vor.
Gerade hier reagieren Investoren empfindlich. Frühere Zeitpläne standen bereits unter Druck, technische Themen bleiben ein Risiko. Bei einer so hohen Bewertung kann jede Verzögerung überproportional auf den Kurs wirken.
Auch mögliche Verwässerung spielt in die Debatte hinein. Rocket Lab hat in einem Prospektnachtrag Aktienverkäufe über Broker oder andere zulässige Wege beschrieben. Verkaufsagenten müssen dabei keine feste Stückzahl oder festen Dollarbetrag platzieren.
Die Provisionen können bis zu 2,0 Prozent des Verkaufspreises betragen. Rocket Lab weist selbst darauf hin, dass solche Ausgaben den Gewinn je Aktie verwässern und den Aktienkurs belasten können. Kurz gesagt: ein Risiko.
Nach dem Rückfall liegt die Aktie klar unter dem 52-Wochen-Hoch von 129,20 Euro, das erst Ende Mai erreicht wurde. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt aber immer noch 66,68 Prozent. Der Kurs preist also weiterhin viel Wachstum ein.
Der nächste Maßstab ist nun greifbar: Rocket Lab muss zeigen, dass Umsatzwachstum, Verteidigungsprogramme und Neutron-Fortschritt zusammenpassen. Gelingt das, bleibt die hohe Bewertung erklärbar. Stockt Neutron oder weitet sich die Verwässerung aus, dürfte der Bewertungsdruck anhalten.
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