Rocket Lab Aktie: 2,2 Milliarden Dollar Auftragsbestand

Trotz Rekordumsatz und Milliardenaufträgen fällt der Aktienkurs von Rocket Lab. Der Börsengang von SpaceX und die Erwartungen an die Neutron-Rakete bestimmen die Stimmung.

Die Kernpunkte:
  • Umsatzplus von 63,5 Prozent im Quartal
  • Auftragsbestand verdoppelt auf 2,2 Milliarden
  • Neutron-Rakete als entscheidender Katalysator
  • SpaceX-IPO entzieht Kapital und Aufmerksamkeit

Rekordquartal, milliardenschwerer Auftragsbestand, Aufnahme in den Nasdaq-100 — und trotzdem verliert die Aktie binnen einer Woche gut zehn Prozent. Bei Rocket Lab klaffen starke Fundamentaldaten und schwache Kursentwicklung gerade weit auseinander.

Zahlen, die sich sehen lassen können

Im ersten Quartal 2026 erzielte Rocket Lab einen Quartalsumsatz von 200,3 Millionen Dollar — ein Plus von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Bruttomarge lag bei 38,2 Prozent nach GAAP. Der Auftragsbestand verdoppelte sich auf 2,2 Milliarden Dollar.

Das Unternehmen verbuchte in den ersten drei Monaten mehr Starts als im gesamten Vorjahr. Für das zweite Quartal erwartet das Management zwischen 225 und 240 Millionen Dollar Umsatz. Die Liquidität liegt bei mehr als zwei Milliarden Dollar.

Rüstungsgeschäft als Wachstumstreiber

Ein wachsender Teil des Umsatzes kommt aus dem Verteidigungsbereich. Rocket Lab schloss einen 30-Millionen-Dollar-Vertrag mit Anduril für drei Hyperschall-Testflüge ab. Hyperschallmissionen machen inzwischen fast ein Drittel des gesamten Startauftragsbestands aus.

Hinzu kommt eine Auswahl neben Raytheon für das Golden-Dome-Programm — ein US-amerikanisches Projekt für weltraumgestützte Abfangsysteme. Rocket Lab entwickelt sich damit vom reinen Kleinraketenstarter zum breiteren Raumfahrtauftragnehmer.

Neutron: Alles hängt an einem Erstflug

Der entscheidende Katalysator bleibt die Neutron-Rakete. Rocket Lab hat bei der US-Luftfahrtbehörde FAA Startgenehmigungen für ein Zeitfenster zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2026 beantragt. CEO Peter Beck nannte das Aufstellen von Komponenten auf Prüfständen als konkreten Fortschrittsindikator für einen Start im vierten Quartal.

Die Rakete ist 43 Meter hoch und kann bis zu 13.000 Kilogramm in den niedrigen Erdorbit transportieren. Allein im ersten Quartal unterzeichnete Rocket Lab fünf neue Neutron-Startverträge. Ein erfolgreicher Erstflug würde das Unternehmen direkt in den Wettbewerb mit SpaceX und dessen Falcon 9 bringen.

SpaceX-IPO als Störfeuer

Der Kursrückgang hat weniger mit Rocket Lab selbst zu tun als mit dem Sektor. SpaceX ging mit einer Bewertung von 75 Milliarden Dollar an die Börse — und zog dabei Kapital und Aufmerksamkeit ab. Analysten stellen Rocket Labs Bewertung nun direkt neben die des Branchenführers. Kein Wunder, dass das drückt.

Parallel dazu trat Rocket Lab zum Nasdaq-100-Rebalancing vom 22. Juni 2026 in den Index ein. Das löst Pflichtkäufe durch Indexfonds aus — ein struktureller Nachfrageschub, der über eine bloße Pressemitteilung hinausgeht.

Die Aktie notiert bei 88,70 Euro, knapp 1,5 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 87,42 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 133,80 Euro ist sie rund 34 Prozent entfernt. Hält der 50-Tage-Durchschnitt als Unterstützung, könnte der Indexeffekt ab dem 22. Juni für Stabilisierung sorgen. Bricht das Niveau, rückt der Neutron-Zeitplan als nächster Anker in den Vordergrund.

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