Rocket Lab Aktie: 2,36 Milliarden Auftragsbuch bei Margendruck
Rocket Lab verzeichnet Rekordauftragsbestand, leidet aber unter schwachen Margen. Die Iridium-Übernahme markiert den Wandel zum Infrastrukturbetreiber.

- Umsatzsprung um 62 Prozent
- Auftragsbuch erreicht 2,36 Milliarden Dollar
- Nettoverlust höher als erwartet
- Iridium-Übernahme als Strategiewechsel
Rocket Lab liefert Zahlen, die eigentlich für Jubel sorgen sollten. Der Umsatz springt um 62 Prozent, das Auftragsbuch erreicht Rekordniveau. Trotzdem verkauft der Markt die Aktie. Für mich zeigt genau dieser Widerspruch, worum es bei Rocket Lab aktuell wirklich geht: Wachstum contra Profitabilität.
Der Kurs schloss am Montag bei 69,40 Euro, ein Tagesverlust von 3,34 Prozent. Das ist die kurzfristige Reaktion. Die langfristige Geschichte sieht anders aus.
Rekordbacklog trifft auf schwächere Margen
Im zweiten Quartal 2026 erzielte Rocket Lab einen Umsatz von 234 Millionen Dollar. Noch bemerkenswerter ist der Auftragsbestand: Er kletterte auf 2,36 Milliarden Dollar, ein Plus von 137 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Getrieben wird dieser Sprung von zwei Großaufträgen — einer 266-Millionen-Dollar-Vereinbarung mit der US Space Force für das HASTE-Programm und einer 397-Millionen-Dollar-Bestellung für sogenannte „Flatellite“-Satelliten.
Die Kehrseite: Rocket Lab meldete einen Nettoverlust von 49,3 Millionen Dollar, umgerechnet -0,08 Euro je Aktie. Der Konsens hatte nur -0,06 Euro erwartet. Für das dritte Quartal stellt das Management eine GAAP-Bruttomarge zwischen 29 und 31 Prozent in Aussicht — deutlich unter den zuvor erwarteten 37,6 Prozent.
Diese Margenschwäche dürfte direkt mit den hohen Investitionen ins Neutron-Raketenprogramm und jüngste Übernahmen zusammenhängen. Sie erklärt auch, warum die Aktie inzwischen 48,13 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro notiert.
Iridium-Übernahme markiert Strategiewechsel
Die eigentliche Nachricht neben den Quartalszahlen ist die angekündigte Übernahme von Iridium. Rocket Lab will damit nicht mehr nur Raketen ins All schießen, sondern selbst zum Betreiber von Weltraum-Infrastruktur werden. Mit den bereits integrierten Firmen Mynaric und Motiv sowie jetzt Iridium positioniert sich das Unternehmen als eigenständige Raumfahrtmacht mit eigenen Kommunikationsnetzen.
Auch die neue Tochtergesellschaft Rocket Lab Germany GmbH in München passt in dieses Bild. Der Vorstoß in den europäischen Satellitenbau soll die Abhängigkeit vom US-zentrierten Verteidigungs- und Kommerzgeschäft verringern. Diese Expansion kostet Geld — Rocket Lab verfügt aber über eine Kassenreserve von 2,13 Milliarden Dollar, um sie zu finanzieren.
Charttechnik: Konsolidierung, keine Trendwende
Trotz des Rückschlags bleibt die längerfristige Kursentwicklung intakt. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Plus von 77,95 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 12,85 Prozent. Aktuell notiert die Aktie nur 2,45 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 67,74 Euro — dieser langfristige Unterstützungsbereich hält bislang.
Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von minus 9,56 Prozent zeigt allerdings: Der Markt verdaut den Gewinnfehltritt noch. Hinzu kommt Unsicherheit um den Erstflug der Neutron-Rakete, der für das vierte Quartal 2026 geplant ist, aber ins Jahr 2027 verschoben werden könnte.
Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 96,35 Euro. Das entspräche einem Kurspotenzial von 38,8 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Montag.
Mein Fazit
Rocket Lab bleibt ein Hochvolatilitäts-Wert — die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 86,80 Prozent unterstreicht das. Für mich überwiegt trotzdem die positive Lesart: Ein explodierendes Auftragsbuch von 2,36 Milliarden Dollar spricht für strukturell starke Nachfrage, nicht für ein Unternehmen in der Krise. Der Markt straft aktuell die enger gefasste Margenprognose ab, blendet dabei aber die strategische Substanz hinter der Iridium-Integration aus.
Der Weg zum Konsensziel von 96,35 Euro hängt aus meiner Sicht an zwei Stellschrauben: der erfolgreichen Integration von Iridium und dem termingerechten Erstflug der Neutron-Rakete. Beides bleibt in den kommenden Monaten zu beobachten — die Richtung der Story steht für mich aber schon jetzt fest.
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