Rocket Lab Aktie: 266-Millionen-Auftrag vom Pentagon

Rocket Lab erhält Rekordauftrag von der US Space Force, während der Aktienkurs nach der Iridium-Übernahme stark fällt.

Die Kernpunkte:
  • Größter Startauftrag der Firmengeschichte
  • Kurshalbierung seit Rekordhoch
  • Iridium-Übernahme im Volumen von 8 Milliarden
  • Neutron-Rakete als entscheidender Katalysator

Rocket Lab baut gerade zwei Unternehmen gleichzeitig um – und der Aktienkurs kommt nicht hinterher. Das Raumfahrtunternehmen sammelt derzeit einige der größten Aufträge seiner Geschichte ein. Trotzdem hat sich der Kurs seit dem Rekordhoch mehr als halbiert. Diese Lücke zwischen operativem Fortschritt und Marktbewertung wirft eine Frage auf: Wer hat recht, die Zahlen oder die Anleger?

Ein Rekordauftrag vom Pentagon

Am 22. Juli 2026 bestätigte Rocket Lab einen Vertrag mit der US Space Force über 266 Millionen Dollar. Es ist der größte Startauftrag in der Firmengeschichte. Der Deal umfasst zwölf suborbitale Starts vom Pacific Spaceport Complex in Alaska. Optionen für sechs weitere Missionen bis 2028 kommen hinzu.

Genutzt wird dafür die HASTE-Rakete, eine Variante der Electron für Hyperschalltests. Der Auftrag markiert einen Wandel in der Beziehung zum US-Verteidigungsministerium. Aus vereinzelten Technologie-Demonstrationen wird ein regelmäßiger, hochvolumiger Service für nationale Sicherheitsprogramme.

Die Iridium-Wette

Der eigentliche Auslöser der jüngsten Kursschwäche liegt woanders. Ende Juni 2026 kündigte Rocket Lab eine Übernahme von Iridium Communications an. Der Cash-and-Stock-Deal hat ein Volumen von 8 Milliarden Dollar. Binnen 30 Tagen ist der Kurs um 21,67 Prozent gefallen – der Markt tut sich sichtlich schwer, diesen Identitätswechsel zu verdauen.

Mit Iridiums globalem Satellitennetz will Rocket Lab künftig direkt mit vertikal integrierten Riesen wie SpaceX konkurrieren. Der Schritt bedeutet eine Abkehr vom unregelmäßigen Umsatz klassischer Startdienste. Stattdessen setzt das Unternehmen auf wiederkehrende, margenstarke Erlöse aus der Satellitenkommunikation.

Die Größe kommt sofort. Doch Investoren fragen sich, ob die Synergien die Verwässerung und den Kapitalbedarf eines derart großen Deals rechtfertigen.

Neutron als Prüfstein

Charttechnisch zeigt die Aktie erste Ermüdungserscheinungen im Abwärtstrend. Mit einem RSI von 33,6 nähert sich das Papier der überverkauften Zone. Der heutige Kurssprung um 3,19 Prozent auf 58,20 Euro liefert nach einem schwierigen Monat eine erste Erholung.

Der eigentliche technische Katalysator bleibt aber ein anderer: die Mittelklasse-Rakete Neutron. Das Management peilt den Erstflug für das vierte Quartal 2026 oder Anfang 2027 an. Im Fokus stehen dabei Qualifikationstests der Archimedes-Triebwerke. Gelingt Neutron, kann Rocket Lab eigene Satellitenkonstellationen ins All bringen und vom wachsenden Bedarf an Megakonstellations-Starts profitieren.

Analysten sehen im Konsens ein Kursziel von 100,50 Euro – fast das Doppelte des aktuellen Niveaus. Diese Lücke spiegelt den Kern des Konflikts wider. Ein Unternehmen, das operativ liefert, muss finanziell noch beweisen, dass sich Launch-Geschäft und Satellitenkommunikation ohne fiskalische Überdehnung verbinden lassen. Über zwölf Monate steht die Aktie trotz allem mit 49,23 Prozent im Plus, ein Hinweis darauf, dass der langfristige Trend intakt bleibt.

Der Fahrplan bis Jahresende ist klar umrissen. Hebt Neutron im vierten Quartal erstmals ab, liefert Rocket Lab den Beweis, dass Ambition und operative Substanz zusammenpassen. Bis dahin bleibt die Aktie ein Fall, bei dem harte Fakten und Kursverlauf getrennte Wege gehen.

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