Rocket Lab Aktie: 266-Millionen-Auftrag vom Pentagon
Rocket Lab erhält einen Festpreisvertrag über 266 Millionen Dollar vom US-Verteidigungsministerium, während die geplante Iridium-Übernahme und die verschobene Neutron-Rakete die Anleger verunsichern.

- Neuer Regierungsauftrag über 266 Millionen Dollar
- Aktie steigt nachbörslich um bis zu neun Prozent
- Geplante Milliardenübernahme von Iridium sorgt für Diskussionen
- Neutron-Raketenstart auf viertes Quartal 2026 verschoben
Rocket Lab hat sich einen neuen Regierungsauftrag gesichert, der die Aktie kurzzeitig beflügelte – doch die Freude hält nicht lange an. Zwischen einem Festpreisvertrag über 266 Millionen US-Dollar, der geplanten Milliardenübernahme von Iridium und der verschobenen Neutron-Rakete zeichnet sich ein Bild ab, das Anleger derzeit zwiegespalten lässt.
Millionenauftrag für suborbitale Trägerraketen
Das US-Verteidigungsministerium hat Rocket Lab am 21. Juli 2026 einen Festpreisvertrag über 266 Millionen US-Dollar zugesprochen. Der Auftrag umfasst zwölf suborbitale Trägerraketen, sechs weitere sind optional vereinbart. Vertragspartner ist das Space Systems Command auf der Kirtland Air Force Base, die Trägernummer lautet FA8818-26-C-B003. Die Arbeiten sollen am Pacific Spaceport Complex in Alaska stattfinden, Fertigstellung ist bis zum 31. Dezember 2028 vorgesehen. Rund 112 Millionen US-Dollar stammen aus Forschungsmitteln des Fiskaljahres 2025. Dem Auftrag ging ein wettbewerbliches Verfahren mit drei Angeboten voraus. Der Deal reiht sich in das mit 17 Milliarden US-Dollar gedeckelte NSSL-Phase-3-Lane-1-Programm der US-Streitkräfte ein und unterstreicht die Rolle der HASTE-Trägerrakete als Testplattform für wiederkehrende Regierungsaufträge.
Die Marktreaktion fiel deutlich aus: Nachbörslich sprang die RKLB-Aktie um bis zu neun Prozent, verschiedene Handelsplätze meldeten Kurse zwischen 73,19 und rund 73,45 US-Dollar. Am regulären Handelstag zuvor hatte die Aktie bereits gut fünf Prozent zugelegt. Auf Eurobasis bestätigt sich die Erholung: Der Schlusskurs vom Dienstag lag bei 60,70 Euro, ein Plus von 5,75 Prozent gegenüber dem Vortag.
Zwischen Iridium-Deal und Neutron-Verzögerung
Der Kursimpuls durch den Verteidigungsauftrag steht im Schatten größerer strategischer Fragen. Rocket Lab hat ein Gebot von 54 US-Dollar je Aktie für den Satellitenbetreiber Iridium vorgelegt, das den Zielkonzern mit rund acht Milliarden US-Dollar bewertet – eine Prämie von etwa 60 Prozent auf dessen Marktkapitalisierung von 5,01 Milliarden US-Dollar. Genau diese Übernahmeambition nährt an den Märkten Sorgen vor einer Aktienverwässerung zur Finanzierung des Deals. Hinzu kommt die Verzögerung der Neutron-Trägerrakete, die nach einem gescheiterten Tanktest nun erst im vierten Quartal 2026 starten soll. Beobachter werten die anstehenden Neutron-Teststände als entscheidenden Beleg dafür, ob Rocket Lab seine Ambitionen operativ umsetzen kann.
Operativ steht das Unternehmen dennoch solide da: Im ersten Quartal erzielte Rocket Lab einen Rekordumsatz von 200,35 Millionen US-Dollar, ein Plus von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragsbestand summiert sich auf 2,2 Milliarden US-Dollar, die Liquidität liegt über zwei Milliarden US-Dollar. Die Electron-Rakete hat inzwischen mehr als 90 Missionen und 262 Satelliten ins All gebracht und gilt als zweitaktivster US-Trägersystembetreiber.
Insidertransaktionen im Umfang von 362,8 Millionen US-Dollar in den vergangenen drei Monaten ohne gegenläufige Käufe sorgten zusätzlich für Diskussionsstoff. Ein Teil dieser Verkäufe entfiel auf Firmenchef Peter Beck, der Anfang Juli Aktien zu Kursen zwischen rund 82 und 102 US-Dollar veräußerte – Berichten zufolge im Rahmen eines bereits zuvor festgelegten 10b5-1-Handelsplans. Solche automatisierten Verkaufspläne werden in der Regel losgelöst von aktuellem Insiderwissen ausgeführt, was die Aussagekraft der reinen Verkaufssumme relativiert.
Analysten uneins, Kurs unter Druck
Die Analystenlandschaft bleibt gespalten. Der Konsens lautet „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 110,18 US-Dollar, was gegenüber dem damaligen Kursniveau ein Aufwärtspotenzial von knapp 60 Prozent implizierte. Piper Sandler positionierte sich dagegen zurückhaltender und startete die Coverage mit „Neutral“ bei einem Kursziel von 83 US-Dollar.
Der aktuelle Chartverlauf spiegelt die Nervosität wider. Der Titel notiert rund 54,6 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro, das Ende Mai erreicht wurde. Der Relative-Stärke-Index von 33,7 signalisiert eine überverkaufte Aktie, nachdem der Kurs binnen 30 Tagen knapp 31 Prozent verloren hat. Auf Jahressicht bleibt die Aktie mit einem Minus von 1,3 Prozent nahezu unverändert – ein Hinweis darauf, dass die jüngsten Turbulenzen einen zuvor deutlich höheren Kursstand relativieren, ohne die längerfristige Erholungsbewegung der vergangenen zwölf Monate vollständig zunichtezumachen.
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