Rocket Lab Aktie: 266-Millionen-Vertrag mit Space Force

Trotz eines 266-Millionen-Dollar-Auftrags und Branchenoptimismus verliert die Rocket-Lab-Aktie massiv an Wert. Der Kursrückgang wird durch SpaceX-Sorgen und die Iridium-Übernahme belastet.

Die Kernpunkte:
  • Space-Force-Vertrag über 266 Millionen Dollar
  • Aktie fällt trotz guter Nachrichten
  • SpaceX-Lockup-Frist belastet gesamte Branche
  • Iridium-Übernahme sorgt für Kurssorgen

Ein 266-Millionen-Dollar-Vertrag mit dem Space Force. Eine Regulierungswende in Washington, die der ganzen Branche nutzen könnte. Und trotzdem verliert die Rocket-Lab-Aktie an einem einzigen Tag fast fünf Prozent. Wer hier nur auf die Nachrichtenlage schaut, versteht die Börse gerade nicht.

Am Dienstag schloss das Papier bei 56,00 Euro, ein Minus von 4,92 Prozent binnen eines Tages. Über die vergangenen 30 Tage hat sich der Kurs um fast 35 Prozent halbiert. Vom 52-Wochen-Hoch bei 133,80 Euro, erreicht Ende Mai, trennen die Aktie inzwischen 58 Prozent. Das ist kein normaler Rücksetzer. Das ist ein Ausverkauf, der im Widerspruch zu den operativen Fakten steht.

Gute Nachrichten, schlechter Kurs

Genau diese Woche hat Rocket Lab einen Festpreisvertrag über 266 Millionen Dollar mit dem US Space Force gesichert. Bis zu 18 suborbitale HASTE-Starts sind darin bis 2028 vereinbart. Parallel dazu bringt die Trump-Administration einen Vorschlag ins Spiel, der die FAA von bestimmten Umweltprüfungen befreien soll, um kommerzielle Raketenstarts zu beschleunigen. Die Branche rechnet damit, bis 2036 auf über 500 Starts pro Jahr zu kommen. Für ein Unternehmen wie Rocket Lab wäre das ein struktureller Rückenwind.

Trotzdem kauft kaum jemand. Der 14-Tage-RSI liegt bei 32,6 und signalisiert eine überverkaufte Aktie. Käufer bleiben trotzdem an der Seitenlinie. Das zeigt: Hier entscheidet gerade nicht das Unternehmen selbst über den Kurs, sondern das Umfeld.

Der SpaceX-Schatten

Die gesamte Raumfahrtbranche steckt in einer Bewertungskorrektur, ausgelöst vor allem durch SpaceX. Der Platzhirsch nähert sich dem Ablauf seiner Lockup-Frist am 6. August. Berichten zufolge notiert die SpaceX-Aktie bereits unter ihrem IPO-Preis von 135 Dollar. Wenn der Sektorleader taumelt, zieht er die gesamte Peer-Gruppe mit nach unten – unabhängig davon, wie solide die einzelnen Geschäftsmodelle sind.

Rocket Lab hat einen milliardenschweren Auftragsbestand. Trotzdem wird die Aktie derzeit mit derselben Vorsicht behandelt wie deutlich spekulativere Konkurrenten. Sektorlogik schlägt Einzelfall-Fundamentaldaten. Das ist unfair für das Unternehmen, aber genau so funktioniert Markt-Sentiment in Stressphasen.

Iridium: Die zweite Baustelle

Neben dem SpaceX-Beben gibt es eine hausgemachte Belastung: die Übernahme von Iridium Communications für rund 8 Milliarden Dollar. Strategisch ist der Deal ein Meilenstein. Rocket Lab wird vom reinen Startdienstleister zum vertikal integrierten Infrastrukturanbieter mit einem 66-Satelliten-Netzwerk und über 2,5 Millionen Abonnenten. Der Markt honoriert diese Vision aktuell nicht. Stattdessen fixiert er sich auf die kurzfristige Rechnung: Brückenfinanzierung, mögliche Kapitalerhöhungen, Verwässerungsrisiko für bestehende Aktionäre.

Verschärft wird diese Sorge durch Insider-Verkäufe. CEO Peter Becks Equatorial Trust hat zwischen dem 6. und 8. Juli 3,28 Millionen Aktien verkauft, ein Volumen von rund 286,4 Millionen Dollar. Der Verkauf lief über einen vorab festgelegten 10b5-1-Handelsplan, ist also rechtlich sauber und langfristig geplant. In einem ohnehin nervösen Marktumfeld werten Anleger solche Verkäufe trotzdem selten als Vertrauensbeweis, egal wie sauber die Planung dokumentiert ist.

Zwei Zukunftsszenarien, ein Stichtag

Am 10. August legt Rocket Lab die Zahlen für das zweite Quartal vor. Bis dahin klafft die Lücke zwischen Analystenerwartung und Kursrealität ungewöhnlich weit auseinander: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 100,52 Euro, umgerechnet aus dem Dollar-Konsens von 114,33 Dollar – ein möglicher Aufschlag von fast 80 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Gleichzeitig notiert die Aktie fast 17 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 67,39 Euro. Der Trend bleibt also eindeutig abwärtsgerichtet, auch wenn die Wall Street auf dem Papier deutlich optimistischer ist.

Im Grunde wetten Investoren gerade auf zwei komplett unterschiedliche Zukünfte. In der einen rechtfertigen Iridium-Integration und Space-Force-Aufträge die Marktkapitalisierung von 35,11 Milliarden Euro locker. In der anderen frisst die kapitalintensive Entwicklung der Neutron-Rakete zusammen mit der Übernahmeschuld jeden Optimismus auf. Welches Szenario sich durchsetzt, dürfte sich frühestens nach dem Ablauf der SpaceX-Lockup-Frist am 6. August und dem Rocket-Lab-Quartalsbericht vier Tage später andeuten.

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